Das DFB-Team bei der EURO 2016 in Frankreich. Meine Kolumne für Sportsnavi in Japan. Foto: Screenshot

DasSportWort goes Japan: Das DFB-Team bei der EURO – Erfolg nicht planbar

Eigentlich wollten die Kollegen in Japan eine Kolumne über den Titelgewinn der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EURO 2016 in Frankreich. Es sollte anders kommen. Das DFB-Team schied im Halbfinale gegen den Gastgeber aus und es bleiben einige Fragen offen. Für Yahoo  in Japan bei Sportsnavi habe ich versucht, sie beantworten.  Francois Duchateau und Takashi Sugiyama haben übersetzt.

ユーロ敗退も、評価は上々のドイツ代表
各紙が分析する敗因と大会方式への疑問

ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト

Das Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich. Unverdient.
Das Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich. Unverdient.

ドイツとウェールズの対戦は、サッカーをあらためて世界に訴える”広告”のような試合だった――。おそらくは、フランスにて行われたこのユーロ(欧州選手権)2016におけるベストマッチであり、典型的な3位決定戦となった。ベネディクト・ヘーベデスがハンドで奪ったPKと、ルーカス・ポドルスキの大爆発。ドイツ代表は3位を争う一戦を0−3で折り返したが、最後は5−3と大逆転を達成した。weiterlesen… 

Die EURO2016 für das DFB-Team – eine Bestandsaufnahme

Deutschland gegen Wales war Werbung für den Fußball und das wohl beste Spiel der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Und es war irgendwie typisch für den Turnierdritten: Handelfmeter verursacht durch Benedikt Höwedes, ein Abseitstor von Thomas Müller und fünf Treffer von Lukas Podolski – das DFB-Team besiegte die Briten im Spiel um Platz drei nach 0:3-Rückstand noch mit 5:3. So war es bei Twitter am Samstag, dem vorletzten Tag der EURO2016 zu lesen. Einige deutsche Fußballfans erlaubten sich einen Spaß bei Twitter und spielten die Partie des „kleinen Finals“ unter sich aus. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Eigentlich hätte es für diese Kreativität keinen Raum gegeben, wenn alles nach Plan gelaufen wäre. Denn „Die Mannschaft“, wie das deutsche Nationalteam nach dem Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien ehrenvoll im Hochglanzmarketing gewannt werden soll, hätte eigentlich am Sonntag um 21 Uhr im EM-Finale auflaufen sollen. So und nicht anders war es vorgesehen. Fußball ist aber (zum Glück) nicht planbar. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw verlor das Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich mit 0:2 (0:1) in Marseille. Damit endete die Mission Doppeltitel des DFB jäh.

Kapitän Bastian Schweinsteiger wurde zum tragischen Helden bei der EURO 2016 für die deutsche Nationalmannschaft. Foto: Screenshot
Kapitän Bastian Schweinsteiger wurde zum tragischen Helden bei der EURO 2016 für die deutsche Nationalmannschaft. Foto: Screenshot

Die Enttäuschung hält sich allerdings kurioserweise in Grenzen hierzulande. Natürlich waren die über 150.000 Fans  auf der Berliner Fanmeile traurig, natürlich setzte sich keiner im Deutschland-Trikot hinter sein Lenkrad, um hupend durch die Straßen zu fahren und natürlich waren die Erwartungen andere. Aber: Der amtierende Weltmeister verlässt das Turnier erhobenen Hauptes, zeigte eine konstant gute Leistung und war auch im Duell mit den Franzosen die bessere, spielbestimmende Mannschaft. „Die beste Mannschaft des Turniers scheidet aus“, war das wenig differenzierte und nach Selbstkritik schreiende Fazit einiger Medien.

Das DFB-Team war zu unflexibel – und müde

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. „Spielerisch war Deutschland jetzt in vielen Dingen noch besser als 2014 in Brasilien“, erklärte Rudi Völler, ehemaliger Bundestrainer und in der „Bild am Sonntag“. Weiter sagte der jetzige Sportchef von Bundesligist Bayer Leverkusen, er habe selten erlebt, „dass eine deutsche Mannschaft anderen Teams gegenüber so überlegen war.“

Aber Fußball ist ein Ergebnissport. Warum aber haben die Franzosen zwei Tore mehr geschossen als die Deutschen? Das ist schnell erklärt: Löws taktische Maßanfertigung während des Turniers ging voll und ganz auf, seine Mannschaft wurde von Spiel zu Spiel besser, alleine sie konnte die individuellen Fehler nicht abstellen. Im Viertelfinale gegen Italien sorgte Jerome Boateng mit einem Handspiel im Strafraum für den Ausgleich der Südeuropäer. Gegen Frankreich patze Bastian Schweinsteiger in einer ähnlichen Szene und auch Youngster Joscha Kimmich, der sonst eine großartige EM spielte, wirkte einmal unaufmerksam. Mannschaften auf diesem Niveau, in einer K.o.-Phase so eines Wettbewerbs, nutzen solche Schnitzer aus.

Das aber war nicht der einzige Grund für das Scheitern der DFB-Elf. Die deutschen Journalisten in Frankreich haben analysiert und kommen wenig überraschend auf sehr ähnliche Ergebnisse:

„Der überspielte und mental müde Thomas Müller lief seiner Form hinterher und Mario Götze erfüllte einmal mehr die Erwartungen nicht. Mario Gomez war zwar gut drauf, verletzte sich dann jedoch“, diagnostizierte Daniel Rathjen von Eurosport. Sven Westerschulze von der „tz“ in München schrieb, Deutschland hatte „viel Ballbesitz, aber ­wenig hochkarätige Torchancen“ und Matthias Becker von Onlineportal sport1.de erklärte: Die Kaderarchitektur Joachim Löws sei auf Spielertypen wie Mario Götze, Mesut Özil, Julian Draxler und Thomas Müller ausgerichtet. Einen wirklichen Stürmer-Ersatz zu dem verletzten Gomez gebe es nicht.

Bundestrainer Joachim Löw macht auch nach dem EM-Aus beim DFB-Team weiter. Foto: Screenshot
Bundestrainer Joachim Löw macht auch nach dem EM-Aus beim DFB-Team weiter. Foto: Screenshot

„Deutschland braucht einen wie Antoine Griezmann“, titelt die Westdeutsche Allgemeine Zeitung der Funke Mediengruppe. „Was in Deutschland aber wirklich fehlt, das sind die Spieler, die die Kaltschnäuzigkeit, die Coolness, die Abgeklärtheit vor dem Tor haben“, wissen  Peter Ahrens und Rafael Buschmann vom Magazin Spiegel und ergänzen: „Für die der Strafraum des Gegners das eigentliche Revier ist. Es ist der gute alte Mittelstürmer, der in Deutschland – auch weil es so gewollt war – auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Spielertypen steht. Es gibt in Deutschland außer Mario Gomez keinen Mario Gomez.“

Bundestrainer Joachim Löw darf nicht zur Diskussion stehen

Da kann man geteilter Meinung zu sein, wenn Profis wie Karim Bellarabi, Kevin Volland und Max Kruse nicht nominiert wurden. Gut ist allerdings, diese Spieler noch in der Hinterhand zu haben für die Mission 2018, wenn das DFB-Team erstmals den Weltmeistertitel verteidigen will. „Die Perspektiven bleiben glänzend“, sagt Redakteur Marko Schumacher von der Stuttgarter Zeitung. Hinzu kommt, dass „die meisten Führungsspieler noch immer jung genug sind, die Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten weiter verlässlich Nachschub an hochbegabten Talenten liefern.“

Ob Schweinsteiger und Podolski dann auch noch weiterhin zum Stamm der deutschen Nationalmannschaft gehören darf nicht nur, weil die beiden Routiniers dann 33 Jahre alt sind, vorsichtig hinterfragt werden. Eine Frage nach diesem Turnier bleibt: War der Modus der EURO 2016 richtig? Mehr Mannschaften (von 16 auf 24), mehr Spiele, mehr Belastung: Diese Formel erklärt tatsächlich auch die schwache Form eines Thomas Müllers, der insgesamt in dieser Saison mit den Bayern und Länderspielen auf über 60 Spiele auf allerhöchstem Niveau kommt.

Während die Belastung zugenommen hat, nahm die Attraktivität der Spiele ab. Die Qualität etlicher Begegnungen sei einfach zu schlecht gewesen, kritisierte Borussia Mönchengladbachs Ex-Coach Lucien Favre im Spiegel. „Vor allem die Gruppenphase war unfassbar langweilig, ein Horror“, so der Schweizer. Tatsächlich war es so, dass sich die EM unglaublich in die Länge zog und es kaum Spannung gab, weil selbst der Gruppendritte noch gute Chancen aufs Weiterkommen hatte. „Wenn die Endrunde läuft, sollten die besten beiden Teams aus einer Gruppe weiterkommen und nicht noch irgendwie die Dritten mit einbezogen werden, das halte ich für falsch“, sagte Gladbachs Manager Max Eberl in einem Interview mit dem Fußballportal westline. Es sei ein etwas anderes Turnier gewesen, als man es kenne. Darüber wird zu diskutieren sein.

Über Bundestrainer Löw hingegen darf man nicht diskutieren. „Der Bundestrainer erweckt den Anschein, dass er nach all den Jahren der beste Löw geworden ist, der er sein kann“, schrieb Christof Kneer von der Süddeutsche Zeitung, nachdem Löw auf einer Pressekonferenz Raum für Spekulationen ließ. Der Bundestrainer habe „flexible Matchpläne erstellt, junge Spieler wie Draxler zu turniertauglichen Kräften entwickelt und gleichzeitig das Lebenswerk von Schweinsteiger und Podolski respektiert.“ Und auch die taktischen Kniffe des Bundestrainers sind voll aufgegangen“, bilanziert Thiemo Müller vom Fachmagazin Kicker.

In Deutschland werden die DFB-Trikots wieder eingemottet und die Autofahnen eingepackt. Die EURO ist Geschichte und die Fußballwelt dreht sich weiter. In weniger als 45 Tagen beginnt die neue Bundesligasaison, bis dahin haben sich die deutschen Nationalspieler wahrscheinlich wieder erholt. Vielleicht hat die EM aber sogar Auswirkungen bis in Europas Fußballligen: Die Kader werden immer breiter geplant, um die Belastung auf viele Beine zu verteilen. Für das DFB-Team kann das nur förderlich sein. Andernfalls gibt es 2018 erneut ein kreatives Fantasiespiel mit Deutschland von der Twittergemeinde.

Weitere Japan-Kolumnen bei Sportsnavi über die Fußball-Bundesliga:

Über die Bundesliga-Kolumnisten Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

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