Kolumne über Pep Guardiola und seinen Abschied nach drei Jahren Bayern München

DasSportWort goes Japan: Mia san Pep – Guardiolas Abschied aus München

„Time to say goodbye“ – dieser Song passt irgendwie ganz gut zu dem Pokalabend in Berlin. Es ist der letzte Auftritt von Pep Guardiola an der Seitenlinie als Trainer von Bayern München. Sieben Titel gewann der Spanier mit dem deutschen Rekordmeister. Seinen Auftrag, die Champions League zu gewinnen, erfüllte er aber nicht. Verlässt Guardiola als Unvollendeter die Bayern?  Für Yahoo  in Japan bei Sportsnavi habe ich das analysiert,  Francois Duchateau und Takashi Sugiyama haben übersetzt.

ペップがバイエルンにもたらしたもの最高の勝利だけは手にできなかったが―― 

ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト

感情をあらわにしたベルリンの夜

3年間での7つのタイトル以上の重みを持つものだった。ドイツでの最後の采配となった、5月21日(現地時間)のDFBポカール決勝が行われたベルリンの夜、ペップ・グアルディオラの目にあふれた涙には大きな感情が詰まっていた。ボルシア・ドルトムントとの激しいカップ戦決勝の後、喜ぶ選手たちの様子以上に心に残る一幅の絵だった。ドグラス・コスタが最後のPKを決めた直後、バイエルン・ミュンヘンの指揮官は顔を覆って涙をこらえなければいけなかった。weiterlesen… 

Was von Pep Guardiola nach drei Jahre Bayern München bleibt

Pep Guardiola verabschiedet sich mit dem Double von Bayern München. Meine Kolumne bei Sportsnavi
Pep Guardiola verabschiedet sich mit dem Double von Bayern München. Meine Kolumne bei Sportsnavi

Viel wichtiger als der siebte Titel in drei Jahren waren am späten Samstagabend in Berlin die von Tränen von Pep Guardiola. Dieser Bilder schmückten die Artikel vom umkämpften Pokaltriumph des Bayern Münchens über Borussia Dortmund, nicht etwa die Jubelbilder der Spieler. Schon direkt nach dem entscheidenden Treffer von Douglas Costa im Elfmeterschießen schlug Guardiola die Hände vors Gesicht und kämpfte mit den Tränen. Später, es ging auf Mitternacht zu, flimmerten die Bilder des weinenden Starcoaches über die Videoleinwand des Olympiastadions. Guardiola lief über die blaue Kunststoffbahn, verabschiedete sich von den Bayern-Fans. Und von der Bundesliga. Der Spanier zeigte die Emotionen, auf die die deutsche Medienlandschaft offenbar der Jahre lang gewartet hatte. Es war ein Ausbruch aus der Sachlichkeit. Endlich, möchte man schreiben.

„Guardiola – endlich Mensch“, titelte der Kicker, das Fußball-Fachmagazin in Deutschland „Guardiola ist eine ‚hoch komplexe Einrichtung‘“, schrieb Christof Kneer von der Süddeutschen Zeitung nach dem Finale. „Ein Abschied von einem Trainer, der möglicherweise noch wahnsinniger, jedenfalls vielgestaltiger war als der Verein, den er nun drei Jahre lang trainierte.“ Der Katalana setzte bei Bayern alles auf Erfolg, versuchte den Hype um seine Person professionell zu unterbinden und zeigte wohl auch deshalb kaum die Emotionen, die die Menschen bewegen. Guardiola, der Unverstandene. „Ich bin Pep, ich will immer den Fokus auf das nächste Spiel – und das haben wir geschafft“, erklärte der Trainer nach seinem siebten Titel in drei Jahren. Jetzt gibt es kein nächstes Spiel mehr für Pep Guardiola mit dem FC Bayern. „Jetzt kann er endlich auch mal Mensch sein“, erklärte Nationalspieler Thomas Müller am Abend den Reportern.

Bleibt Pep Guardiola unvollendet in München?

Pep Guardiola feierte mit Bayern München sieben Titel in drei Jahren.
Pep Guardiola feierte mit Bayern München sieben Titel in drei Jahren.

Auch wenn der Startrainer in seiner letzten Partie nun doch irgendwie im Klub angekommen zu sein scheint, das Manko des Unvollendeten wird ihm immer anhaften. Guardiola sollte in München die Champions League gewinnen, sollte Bayern erneut auf den europäischen Thron hieven. Das ist ihm nicht gelungen. „Er ist nicht gescheitert“, betont Niklas König im exklusiven Gespräch mit Sportsnavi. „Guardiola hat nicht nur den FC Bayern geprägt, sondern auch die Bundesliga und den europäischen Fußball“, sagt der Bayern-Reporter für goal.com. Der Trainer habe 2013 eine sehr gute Mannschaft von Jupp Heynckes übernommen und diese noch besser gemacht. „Er lässt einen Fußball spielen, wie er noch nie in Deutschland gespielt wurde. So dominant, so flexibel, so schön“, so König. Aber „er geht eben unvollendet – vor allem, weil er die Herzen nicht erreicht hat. Selbst Trapattoni war vollendeter“, erklärt Günter Klein, Sportredakteur beim Münchner Merkur. Für  Oliver Schmidt, der seit zehn Jahren als Breitenigge über seinen Lieblingsverein bloggt, ist das nur ein „Medienthema für Auflagen und Klicks.“ Das, was Guardiola dem Klub gegeben habe, werde noch eine lange Zeit vorhalten, so Schmidt.

Der Spanier hat in seiner Amtszeit die Bundesliga verändert. „Es wird mehr über Taktik und Systeme geredet“, weiß Klein vom Merkur und König ergänzt: „Seine Spielidee hat auch abgefärbt, etwa auf die Spielweise anderer Mannschaften gegen Bayern.“ Selten hätten sich die Teams von Platz drei abwärts in so einem Maße hinten eingeigelt. Und auch sei Guardiola eine Inspiration für andere Trainer gewesen. Der im Pokalfinale geschlagenen BVB-Coach „Thomas Tuchel ist bekanntermaßen ein Guardiola-Fan, setzt mit Dortmund auf ähnliche Prinzipien und orientiert sich auch taktisch an Peps Spielidee“, so der Goal-Journalist. Zudem habe Guardiola nahezu jeden seiner Spieler besser gemacht, „den meisten mindestens eine neue Position beigebracht. Er hat absurde Lösungen gesehen, die funktioniert haben“, so König und führt dabei die Beispiele um Joshua Kimmich als Innenverteidiger auf oder „die ultra offensive Ausrichtung mit nur zwei Verteidigern im Aufbau.“ Wer Guardiola ausschließlich am Henkelpott messe, mache einen Fehler.

Bayerns Vergangenheit Pep Guardiola – Ancelotti heißt die Zukunft in München

Nun geht der Trainer ohne den ganz großen Triumph, verlässt Bayern nach einer ausgiebigen Party mit Mannschaft und Fans als Teil der Bayern-Familie – volksnah, statt unnahbar – und ruft den tausenden Anhängern vom Rathausbalkon zu „Mia san Mia“. Die letzten fünf Monate seien nicht einfach für ihn gewesen, erklärte der Trainer rückblickend über die Zeit, seit er verkündet hatte, den FC Bayern zu verlassen und zu Manchester City in die Premier League nach England zu gehen. „Ich war glücklich, dass sie mich angerufen haben. Diese drei Jahre beim FC Bayern waren für mich überragend. Ich werde meine Spieler vermissen. Ich habe die Zeit in der Bundesliga genossen“, erklärt der 45-Jährige. Wie Guardiolas Werk – drei Jahre kann man nicht als Ära bezeichnen –  bei den Bayern letztlich einzuordnen ist, wird die Zukunft zeigen.

Carlo Ancelotti übernimmt das Amt von Pep Guardiola bei Bayern München
Carlo Ancelotti übernimmt das Amt von Pep Guardiola bei Bayern München

Die Zukunft an der Isar heißt Carlo Ancelotti. „Seine Aufgabe ist dieselbe wie die von Pep Guardiola“, so Reporter Niklas König: „Er soll das Niveau halten und wenn möglich verbessern. Und natürlich die Champions League gewinnen. Ich kann mir vorstellen, dass es insbesondere im kommenden Jahr nicht einfach wird. Ancelotti ist kein Trainer wie Guardiola mit einer klaren Philosophie, sondern eher ein coachendes Chamäleon.“ Blogger Breitenigge möchte „keine Erwartungshaltung“ schüren“. Die beiden Trainer miteinander zu vergleichen sei „im Prinzip schon wieder der falsche Ansatz“. Ancelotti solle einfach „den Karren nicht vor die Wand“ fahren, so Schmidt. Journalist Klein sieht es pragmatisch: „Ancelotti wird in seiner ersten Saison die Herzen wärmen, die Mannschaft spielt weiter Pep-Fußball. Eine Erfolgsformel.“

Bayern München auch dank Guardiola eine internationale Marke

Der Geist von Pep Guardiola wird also künftig weiterhin über der Bundesliga schweben. „So einiges, was Pep eingeführt hat, wird sicher bei einigen dieser jungen, neuen Trainergeneration hängen bleiben. Nicht bei all dieser Bestandstrainern, die mit ‚Heldenfußball‘ und Medizinbällen sozialisiert wurden, aber denen gehört ja auch nicht die Zukunft“, so Schmidt. Neben den sieben Titeln hat es Pep Guardiola geschafft, den FC Bayern München noch mehr zu einer internationale Marke zu machen, Spieler wie Trainerkollegen zu inspirieren und dem Klub eine Spielidee zu vermitteln. Ancelotti wird eine perfekt eingestellte Mannschaft übernehmen, die auch in der kommenden Saison wieder um den Champions-League-Titel mitspielen wird. Vielleicht gibt es dann ja ein Wiedersehen in München. Sollten die Bayern in der Königsklasse auf City treffen, Guardiola wird wohl mit Applaus begrüßt. Das hat er sich verdient. Nicht aber durch die Tränen am Samstagabend in Berlin.

Weitere Japan-Kolumnen bei Sportsnavi über die Fußball-Bundesliga:

Über die Bundesliga-Kolumnisten Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

Flattr this!

Kommentar verfassen