Der 1. FC Köln baut auf Yuya Osako. Meine Kolumne für Sportsnavi in Japan

DasSportWort goes Japan: Warum es Yuya Osako beim 1. FC Köln schwer hat

Yuya Osako hat einen Fan in Köln. Mindestens einen. „Ich habe selten mit einem talentierteren Fußballer zusammengearbeitet“, sagte FC-Trainer Peter Stöger in einer Situation, in der der Japaner einer Formkrise hinterher lief. Nur ein Tor hat der Stürmer der Kölner in dieser Saison erzielt. Zu wenig für die Abteilung Attacke des Bundesligisten, der vor allem bei den Heimspielen in der Domstadt der Kritik der Fans ausgesetzt ist. Für Yahoo  in Japan bei Sportsnavi habe ich die Situation Osakos analysiert,  Francois Duchateau und Takashi Sugiyama haben übersetzt.

ゴールを“忘れてしまった”大迫勇也攻撃に迫力を欠くチームをけん引できるか

ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト

時計に刻まれた1276分

時計は時を刻み続ける。無慈悲に毎分、毎秒が過ぎていく。大迫勇也の時計には、1276分間がカウントされている。

大迫は今季ここまで、わずかに1得点。歓喜の瞬間は、昨年の8月16日にまでさかのぼらなければならない。そう、今季の開幕戦だ。シュトゥットガルトと臨んだ今シーズン最初のブンデスリーガのアディショナルタイム、あの1点以降、ゴールを“忘れてしまった”のだ。weiterlesen… 

Formkrise – Kölns Osako läuft Erfolgserlebnis hinterher

Die Uhr tickt. Sie zählt erbarmungslos jede Minute, addiert sie schonungslos eine nach der anderen. 1.276 Minuten stehen mittlerweile auf dem Konto von Yuya Osako. 1.276 Minuten ohne eigenen Treffer für seinen Verein, den 1. FC Köln. „Torlos-Stürmer“ ist eigentlich das Attribut, das der Boulevard für erfolglosen Angreifer reflexartig auspackt. Sein letztes Tor ist auch sein bislang einziges in dieser Spielzeit. Datiert auf den 16. August 2015 muss man in dieser Saison ganz zum Anfang zurückblättern. Am ersten Spieltag beim 3:1-Sieg in Stuttgart traf Osako in der Nachspielzeit.

Meine Kolumne über Yuya Osako vom 1. FC Köln.
Meine Kolumne über Yuya Osako vom 1. FC Köln.

1.276 Minuten sind seitdem vergangen. Eine Ewigkeit. Bislang verzichteten die kritischen Medien auf polemische Zeilen über den 25-Jährigen; auch weil FC-Trainer Peter Stöger seine schützende Hand über den Japaner hält. „Er ist ein überragender Fußballer“, hörte man den Österreicher sagen und: „Ich habe selten mit einem talentierteren Fußballer zusammengearbeitet.“ Der Coach weiß, was Osako kann. Das sieht er jeden Tag im Training. Doch er weiß auch, dass der Japaner in dieser Saison mit sich, seiner Leistung und auch den Fans der Domstädter zu kämpfen hat.

„Bei den Anhängern des FC hat Osako einen schweren Stand“, weiß Philip Sagioglou. Der Redakteur vom Kölner Stadtanzeiger schrieb vor nicht allzulanger Zeit „ein Tor und eine Vorlage in 21 Einsätzen – das ist eine überschaubare Quote für einen Stürmer“. Die Erklärung für die Kritik der Fans ist einfach: Osako sei viel zu torungefährlich. Und zudem seinen viele Situationen des ehemaligen Japanischen Nationalspielers unglücklich. „Nach zwei, drei schlechten Aktionen oder Entscheidungen Osakas werden die Fans nervös und ein Raunen geht durch das Stadion“, so der Journalist. Das verunsichere den Spieler natürlich noch mehr.

Yuya Osako hat es bei Heimspielen in Köln besonders schwer

„Entweder der Spieler wird in Köln von den Fans geliebt oder hart kritisiert“, erklärt TV-Journalist Christopher Lymberopoulos, selbst fast sechs Jahre Pressesprecher der Domstädter. „Dass die Kölner Anhänger bedingungslos zu ihren Kicker stehen, muss man sich am Rhein erst erarbeiten“, so der Reporter des Bundesligasenders Sky. Einige Spieler seien an dieser Situation zerbrochen, weiß Lymberopoulos. „Kevin Pezzoni, Christopher Schorch oder Marvin Maitip hatten ebenfalls kein Standing bei den Fans“, aber wenn man dieses Stahlbad der Antipathie übersteht, wird man beim Bundesligisten in den Heldenstatus gehoben. „So wie einst bei Kevin McKenna oder Matthias Scherz.“

Torlos-Stürmer - Yuya Osako wartet auf ein Erfolgserlebnis
Torlos-Stürmer – Yuya Osako wartet auf ein Erfolgserlebnis

Davon ist Yuya Osako noch weit entfernt. So weit, dass Trainer Stöger ihn sogar bei Heimspielen im RheinEnergieSTADION aus dem Kader nahm. „Vom Gefühl her glaube ich, dass es für ihn bei Heimspielen schwieriger ist, weil er relativ wenig Bonus bei den Fans hat“, sagte der Coach Ende Februar. Es war die Zeit, in der der Japaner nur noch auf fremdem Feld spielen durfte. Und auch dort blieb der Erfolg aus. Mangelnde Motivation oder fehlenden Einsatz kann man Osako dabei nicht attestieren. Aber „es scheint, als habe ihn die Formkrise enorm beschäftigt – einem Erfolgserlebnis ist er zunehmend mehr hinterhergelaufen, hat es versucht möglichst zu erzwingen und kam danach gar nicht zum Zuge“, sagt Thomas Reinscheid, Chefredakteur des Online-Fanzines effzeh.com. Auch, „weil der FC nur mit einer Spitze spielt und vorne Anthony Modeste gesetzt ist“, erklärt Journalist Sagioglou.

Osako musste auf die Flügel ausweichen oder gar auf der Zehn spielen. Positionen, die dem Japaner nicht auf den Leib geschrieben sind. „Peter Stöger hat mir gesagt, dass er weiß, dass ich ein Stürmer bin“, erzählt der 25-Jährige in einem Interview auf der Website Geissblog.Köln. Stöger habe ihm gesagt, er brauche Osako als Zehner. „Deswegen spiele ich die Position, die ich bekomme und muss sie so gut wie möglich ausfüllen“, so Osako. Eine schwierige Situation für den Angreifer, der deshalb seinen Platz in der Japanischen Nationalmannschaft verloren hat. „Ich frage mich, wie es für mich weitergeht“, kommt Osako ins Grübeln. Seine Zukunft beim 1. FC Köln aber stellt er nicht in Frage. Er habe einen Vertrag bis 2017 und wolle in der kommenden Saison „eine richtig gute nächste Saison spielen.“ Sagioglou ist sich sicher, dass Osako auch weiterhin das Trikot mit dem Geissbock tragen wird, schon alleine, weil Stöger so große Stücke auf den Japaner halte.

Kölns Osako fehlt die Souveränität

Ganz so sicher, was Osakos Zukunft am Rhein betrifft, ist sich Redakteur Lymberopoulos nicht. Man könne es nie hundertprozentig sagen, ob ein Spieler bleibt. Auch wenn es wohl keine akuten Abwanderungstendenzen gebe, „es kommen letztlich ganz viele Dinge in der Kaderentwicklung zusammen“, so der ehemalige FC-Pressesprecher. Auch wenn Osako zuletzt wieder besser spielte, die torlose Partie beim FC Augsburg war wieder ein Rückfall in schwächere Zeiten. Und natürlich – bei einem 0:0 liegt das auf der Hand – konnte Osaka wieder nicht einnetzen. Die Autoren verschiedener Einzelkritiken in den Medien waren sich den Japaner betreffend einig: „Die Durchschlagskraft fehlte“, „nahezu wirkungslos“, „ein paar Fehlpässe und zu passiv in den Zweikämpfen – konnte seinen Formanstieg diesmal nicht bestätigen“ und „von einem Zehner erwartet man wenigstens irgendwelche Offensivaktionen, doch er fand kaum einmal Bindung zum Spiel.“

Bei Heimspielen des 1. FC Köln und den Fans des Effzeh hat es Yuya Osako besonders schwer.
Bei Heimspielen des 1. FC Köln und den Fans des Effzeh hat es Yuya Osako besonders schwer.

Osako wurde in der Pause ausgewechselt. Das nächste Spiel findet wieder vor den eigenen Fans statt. „Yuya braucht Erfolgserlebnisse – am besten zu Hause vor den eigenen Fans, damit sie merken, dass er mehr kann, als viele denken“, sagte Kölns Manager Jörg Schmadtke vor wenigen Wochen. Zumal Osako und seine Mitspieler befreit aufspielen könnten. Der Klassenerhalt ist schon  geschafft und nach dem Unentschieden bei den Fuggerstädtern ist die Wahrscheinlichkeit, sich noch für die Europa League zu qualifizieren, nur noch sehr gering.

Abteilung Angriff beim 1. FC Köln mit Verbesserungspotenzial

Trotzdem ziehen die Journalisten ein positives Saisonfazit. „Der Klassenerhalt wurde einen Spieltag früher als in der Vorsaison und somit äußerst souverän erreicht“, so Reinscheid und Lymberopoulos ergänzt: „Die Mannschaft hat eine tolle Entwicklung genommen, ist gefestigt und auf einem guten Weg.“ Zwar werde beim FC kein „Hurra-Fußball“ gespielt, aber es sei in dieser Saison mehr gewesen, als nur der Defensivfußball der vergangenen Saison. „Hier und da fehlt noch der spielerische Moment“, so Sagioglou, da gebe es klares Verbesserungspotenzial. So wie auch bei der offensiven Durchschlagskraft. „Vor dem Befreiungsschlag in Mainz hatte der FC lediglich 29 Tore in 29 Spielen erzielt. Das ist natürlich zu wenig, um noch frühzeitiger befreit aufatmen zu können“, erklärt Reinscheid.

Damit sind wir wieder bei der Abteilung Attacke und Yuya Osako. 1.276 Minuten ohne Torerfolg sind als Stürmer indiskutabel. Aber der Japaner weiß woran er arbeiten muss und in der nächsten Saison werden die Uhren wieder auf null gestellt.

Weitere Japan-Kolumnen bei Sportsnavi über die Fußball-Bundesliga:

Über die Bundesliga-Kolumnisten Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

 

Flattr this!

Ein Gedanke zu „DasSportWort goes Japan: Warum es Yuya Osako beim 1. FC Köln schwer hat“

Kommentar verfassen