Die Bilanz von Hannover 96 mit und ohne Hiroshi Kiyotake

DasSportWort goes Japan: Kiyotake soll Hannover 96 retten

Alles aussichtslos für Hannover 96 im Kampf um die Klasse? Die Niedersachsen stehen in der Fußball-Bundesliga im Tabellenkeller, stecken erneut dick im Abstiegskampf. Die Kollegen von Sportsnavi in Japan wollten für die neue Kolumne bei yahoo.jp wissen, ob Hiromi Sakai, Hotaru Yamaguchi und Hiroshi Kiyotake die Rettung schaffen und warum 96 schon wieder bangen muss. Vor allem auf den wiedergenesenen Kiyotake ruhen die Hoffnungen an der Leine. Für Yahoo  in Japan bei Sportsnavi habe ich die Situation analysiert,  Francois Duchateau und Takashi Sugiyama haben übersetzt.

1部残留へ、清武に寄せられる大きな期待ハノーファーで厳しい評価の山口と酒井 ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト

最下位に沈むハノーファー

新聞の見だしに祈りのようなフレーズが並んだり、いやに楽観的なものや希望的観測で紙面が占められた時は、そのブンデスリーガクラブの状態は怪しいとみることができるかもしれない。 だが、ハノーファーの状態を知るのに、もはやメディアに頼る必要はない。順位表を見れば、一目瞭然だ。ハノーファーはもはや、ほぼ望みが絶たれたように見える。第24節までを終えてリーグ最下位に沈んでおり、残留ラインは決して近くない。1部リーグに生き残れるとは、ほとんど誰も信じてはいない。weiterlesen… 

Hannover 96 hofft im Abstiegskampf auf Kiyotake

Wenn Durchhalteparolen von Mut und Hoffnung, von Optimismus und Chancen die Schlagzeilen eines Bundesligaklubs bestimmen, weiß man, es ist ernst. Bei Hannover 96 braucht es gar nicht den Blick in den Blätterwald, die Bundesligatabelle verdeutlicht die bedrohliche, ja fast schon ausweglose Situation der Niedersachsen erschreckend deutlich: Letzter der Liga mit gehörigem Rückstand auf das rettende Ufer. An den Klassenerhalt glauben die Wenigsten an der Leine.

Steigt Hannover 96 ab - meine Kolume über Sakai, Yamaguchi und Kiyotake für Sportsnavi von Yahoo in Japan
Steigt Hannover 96 ab – meine Kolume über Sakai, Yamaguchi und Kiyotake für Sportsnavi von Yahoo in Japan

Karsten Surmann gehört zu dieser Minderheit. „Der Verein redet schon jetzt so viel von der zweiten Liga. Wie kann ich eine Mannschaft so motivieren? Das ist eine Katastrophe“, sagt der Hannoveraner Aufstiegsheld von 1985 und ehemaliger 96-Kapitän in einer Talkrunde vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart. Es seien noch 36 Punkte zu holen, es seien nur sechs bis zum Relegationsplatz. „Das ist noch machbar.“

Durchhalteparolen, die von Mut und Hoffnung handeln. Doch wieso rutschte Hannover 96 erneut in  den Abstiegskampf? Und besteht tatsächlich noch eine realistische Chance? Nein sagt Dirk Tietenberg von der Neue Presse in Hannover. „Nach dem Aufstieg hat es im Klub nie eine sportliche Kompetenz gegeben“, erklärt der Journalist im exklusiven Gespräch mit Sportsnavi. Vor allem keine Konstanz auf den wichtigen Positionen. Erst als Manager Jörg Schmadtke kam, stellte sich nachhaltiger Erfolg bei 96 ein. „Er hatte ein gutes Händchen und die Hilfe von Jörg Jakobs, dem Leiter der Scoutingabteilung.“ Hannover spielte 2011 international in der Europa League, schloss die Tabelle als Vierter ab. Als Schmadtke 2013 nach Köln wechselte, ging es bei den Niedersachsen bergab. „Im Vergleich zu Schmadtke kam nachher nur heiße Luft“, weiß Tietenberg.

Hannover 96 im freien Fall in die zweite Liga?

„96 spielt seit drei Spielzeiten gegen den Abstieg, die jetzige Situation ist meiner Meinung nach also eine Folge langjähriger Versäumnisse“, erklärt auch Claas Philipp, ehemaliger Hannover-Reporter für GOAL.com. „Bei Spielerkäufen griff man meist daneben“, so Philipp. Hinzu kamen falsche Personalentscheidungen von Präsident Martin Kind, der bei der Trainer- und Sportdirektorwahl eigentlich seit dem zwischenzeitlichen Hoch mit den Europa-League-Teilnahmen kontinuierlich danebenlag. „Er entschied sich 2013 für Slomka und gegen Schmadtke, die beide nicht mehr miteinander auskamen“, so der Journalist und ergänzt: „Eine folgenreiche Fehlentscheidung, seitdem ging es langsam, aber stetig bergab. Weder die Trainer Tayfun Korkut noch Michael Frontzeck haben was gerissen, der Ertrag von Sportdirektor Dirk Dufner war auch eher übersichtlich.“ Nett ausgedrückt.

Der Japaner Hiroshi Kiyotake von Hannover 96. Foto: David Nienhaus
Der Japaner Hiroshi Kiyotake von Hannover 96. Foto: David Nienhaus

Nun befindet Hannover vor dem freien Fall in die zweite Liga. Dabei sollte in der Winterpause alles besser werden. Coach Frontzeck musste gehen, Werder Bremens ehemaliger Erfolgstrainer Thomas Schaaf übernahm die Mission Klassenerhalt und versprühte sogar etwas Aufbruchstimmung. Doch nur der Trainer alleine holt keine Punkte. „15 Millionen Euro hatte der Klub für Neuverpflichtungen zur Verfügung. Nur kommen wollte keiner“, erklärt NP-Redakteur Tietenberg. „Jonas Hofman, Josip Drmic, Alessandro Schöpf, ja gar Nigel de Jong und Jermaine Jones hatte Hannover auf der Liste. Niemand wollte zu 96.“

Einen Coup hätte Hannover mit Stefan Kießling landen können. „Der hatte sogar schon eine Wohnung gefunden und seinen Sohn  angemeldet.“ Bayer Leverkusens Sportdirektor allerdings legte sein Veto gegen den Wechsel ein. Stattdessen kam ein völlig unbekannter Spieler aus Japan und Alt-Star Hugo Almeida. Die Bilanz der Wintereinkäufe ist so erschreckend wie die Punkteausbeute: Marius Wolf fehlt die Spielpraxis nach Verletzung, Iver Fossum ist mit seinen erst 19 Jahren allenfalls ein Mann für die Zukunft, Stürmer Adam Szalai ist ein Schatten seiner selbst und bekommt seit zwei Jahren kein Bein mehr auf den Rasen, Almeida fehlt dem Team nach einer Tätlichkeit und Hotaru Yamaguchi zahlt trotz aller internationaler Erfahrung bitteres Lehrgeld in der Bundesliga, urteilt Michael Richter vom Fachmagazin „Kicker“ in seinem Artikel. Die Kollegen teilen seine Einschätzung.

Die Japaner Yamaguchi und Sakai sind keine große Hilfe für Hannover 96

Der 25-jährige Japaner muss bei 96 auf der rechten Außenposition spielen, statt zentral wie in seiner Heimat. „Das kann er nicht“, sagt Tietenberg. „Er kann im Augenblick Bundesliga noch überhaupt nicht. Yamaguchi muss sich gedanklich erst auf die Schnelligkeit in Deutschlands Eliteliga einstellen.“ Er sei nicht schlecht, habe ein gutes Passspiel, aber die Bundesliga sei noch zu schnell für ihn. So sieht das auch Jurek Rohrberg vom TV-Sender Sky Sport News HD. „Er tut mir fast ein bisschen leid, denn eigentlich ist er eine Maschine, so wie er marschiert.“ Yamaguchi sei in eine Konstellation reingerutscht, in der er nur schlecht aussehen kann. „Wenn du so einen Spieler im Winter holst, musst du einplanen, dass er drei, vier Monate, vielleicht ein halbes Jahr braucht, um anzukommen. Er ist für 96 jetzt keine Hilfe – das war naiv von Manager Martin Bader.“

Steigt Hannover 96 ab - meine Kolume über Sakai, Yamaguchi und Kiyotake für Sportsnavi in Japan
Steigt Hannover 96 ab – meine Kolume über Sakai, Yamaguchi und Kiyotake für Sportsnavi in Japan

Auch keine große Hilfe ist Hiroki Sakai. Der Abwehrspieler ist zwar „ein Kämpfer, ein Läufer, aber taktisch bekommt er es einfach nicht hin“, so Tietenberg von der NP. Man könne ihm weder Willen noch Einsatz absprechen, aber sein größtes Manko sei einfach: seine Aktionen verlaufen fast ausschließlich ins Leere. „Seine Flanken sind schlecht und egal, was er macht, es ist irgendwie immer das Falsche“, erklärt der Journalist. Kollege Rohrberg ergänzt: „Man spürt seine Verunsicherung, er ist ein sehr sensibler Spieler.“ Deshalb werde er von der verunsicherten Mannschaft mit runtergezogen. „Sakai war zuletzt – wie fast das gesamte Team – eine große Enttäuschung“, schlägt der ehemalige GOAL-Reporter in dieselbe Kerbe. „Mr. Zuverlässig war er ohnehin nicht, aber zuletzt war das noch übler.“

Alle Hoffnungen bei Hannover 96 ruhen auf Hiroshi Kiyotake. Der japanische Nationalspieler ist nach seiner Fußverletzung wieder zurück im Team und soll den wichtigen und nötigen spielerischen Impuls setzen. Kann Kiyotake die Niedersachen wie schon im vergangenen Jahr vor dem Abstieg retten?

Alle Hoffnungen ruhen auf Hiroshi Kiyotake

„Kiyotake ist der Einizige, der richtig Fußball spielen kann beim HSV“, so Tietenberg. Schaaf sei ein Trainer, der den Ball nach vorne haben will. Es geht „um den Transport nach vorne“ sagt Schaaf präzise. Kiyotake ist der Einzige der das kann im Team des Tabellenletzten: er kann den Ball anziehen und nach vorne bringen. „Es ist meine Aufgabe mich bei den Mitspielern anzubieten, den Ball zu fordern.“ Nach seiner Pause sei der Japaner aber noch nicht bei 100 Prozent. „Er ist gesund. Wir haben mit ihm Aufbauarbeit geleistet, aber er ist natürlich noch nicht voll drin“, sagte Trainer Schaaf vor dem Spiel gegen den VfB. „Wir werden ihn jetzt immer weiter Richtung volle Leistungsfähigkeit bringen.“ Je schneller, desto besser. Kiyotake muss es richten. Eine Last ist das für den erfahrenen 96-Regisseur nicht. „Ich spüre keinen Druck“, sagt der 26-Jährige in einer Presserunde. „Ich freue mich auf jedes Spiel, das ich bestreiten kann. Ich bin im Moment voller Tatendrang und werde durch die Erwartungen an mich eher angespornt.“

Er ließ seinen Worten Taten folgen. Hannover spielte gut bei seinem Comeback, holte sogar einen 0:1-Rückstand auf und drehte die Partie. Beim überlebenswichtigen 2:1-Erfolg gegen die Mannschaft der Stunde bereitete Kiyotake beide Treffer zum Sieg vor.

Alleine kann der Japaner aber nicht zum Retter von 96 werden. „Man sieht deutlich den Unterschied zwischen ihm und den anderen Spielern“, so Rohrberg, der ergänzt: „Er kann sicherlich das eine oder andere Spiel entscheiden.“ Aber die anderen Vereine seien ja nicht blind und werden das taktisch defensiv auffangen und ihn zustellen. Ist Kiyotake abgemeldet, ist Hannover abgemeldet. Claas Philipp hat dazu die passende Statistik: „In dieser Saison hat Hannover in den neun Spielen, in denen Kiyotake in der Startelf stand, zehn Punkte geholt – in den gesamten übrigen Partien waren es derer vier.“

Hannover 96 steht dicht vor dem Abgrund, Kiyotake denkt aber noch nicht ans Aufgeben. „Eines ist ganz wichtig: Wir müssen weiter so agieren und dürfen am Ende nichts bereuen. Auch wenn die Ergebnisse nicht stimmen, müssen wir weiterhin alles geben. Dann wird man sehen.“

„Es gibt nichts, was Hoffnung macht“ – Journalisten schreiben Hannover ab

Hoffnung haben die Journalisten, die den Klub begleiten, allerdings nicht. „Es gibt nichts, was mir Hoffnung macht. Die Mannschaft ist zu schlecht. Vier Dolmetscher in der Kabine, sechs Spieler, die du im Winter integrieren musst, nein, ich glaube nicht an den Klassenerhalt“, erzählt Sky-Reporter Rohrberg. Es sei ein großes Wunder, würde es doch klappen. So sieht das auch Dirk Tietenberg von der NP: „Dafür fehlt mir die Fantasie.“ Da helfen auch keine Durchhalteparolen mehr. Aber hilft Kiyotake?

Weitere Japan-Kolumnen bei Sportsnavi über die Fußball-Bundesliga:

Über die Bundesliga-Kolumnisten Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

Flattr this!

2 Gedanken zu „DasSportWort goes Japan: Kiyotake soll Hannover 96 retten“

Kommentar verfassen