Andre Greipel war 2015 als Sportler des Jahres für einen FELIX2015 nominiert. Foto: Roth & Roth

Der schnellste Mann der Tour – André Greipel rast allen davon

Jetzt also doch: Die Tour de France startet 2017 in Düsseldorf. Quasi vor der Haustür von dem deutschen Radprofi André Greipel. In diesem Jahr konnte der gebürtige Rostocker, der in Hürth bei Köln wohnt, dem wohl bedeutendsten Radrennen der Welt seinen Stempel aufdrücken. Greipel gewann vier Etappen der Tour und wurde deshalb auch als Sportler des Jahres in NRW nominiert. Für das Sportjahrbuch, das beim FELIX erschien, habe ich mit dem 33-Jähren gesprochen und ein Porträt verfasst.  (( Es war wegen der Zeitknappheit ein Interview via E-Mail))

Portrait André Greipel

André Greipel drückt Tour de France 2015 seinen Stempel auf

Der schnellste Mann der Tour – André Greipel rast allen davon

Mit 33 Jahren lässt André Greipel seine Konkurrenz alt aussehen. Der Radrennfahrer aus Hürth schreibt das erfolgreichste Jahr seiner Karriere. Seit zehn Jahren ist der Rostocker Profi, 2015 feiert er späte Genugtuung in seinem Sportlerleben. Lange stand Greipel im Schatten von Mark Cavendish und Marcel Kittel. Nicht aber in diesem Jahr: Vier Etappensiege bei der Tour de France, Sieger bei den Cyclassics in Hamburg und unter anderem ein Etappensieg beim Giro d’Italia – André Greipel ist nur schwer zu stoppen.

Als es um die letzte Kurve geht, hat André Greipel sieben Fahrer vor sich. Tausende Menschen säumen die Champs Élysées in Paris. Es ist die finale, die ruhmreichste Etappe der Tour de France, die Spannung gleicht einem Thriller von Jean-Christophe Grangé. Die Sprinter suchen das Hinterrad des Vordermanns, mit Körpereinsatz kämpfen sie um die beste Position. Der oberste Platz auf dem Siegestreppchen ist für Greipel eigentlich nicht mehr machbar. Eigentlich.

Mein Portrait über Andre Greipel erschien im Sportjahrbuch 2015
Mein Portrait über Andre Greipel erschien im Sportjahrbuch 2015

300 Meter noch bis zum Ziel. André Greipel schiebt sich links am seinen Konkurrenten vorbei, haut seine 2000 Watt in die Pedalen. Siebter, Sechster, Fünfter, Vierter. Der 33-Jährige rollt das Feld von hinten auf. Dritter, Zweiter, Erster! Mit einem sensationellen Schlussspurt setzt sich der Routinier gegen Bryan Coquard und Alexander Kristoff durch; sein ärgster Konkurrent Mark Cavendish landet nur auf Platz sechs. Greipel feiert auf der prestigeträchtigen Champs Élysées seinen vierten Etappensieg bei der 2015er Ausgabe des berühmtesten Radrennen der Welt. Spektakulär und mit viel Herz.

„Bei der Überquerung der Ziellinie habe ich den Arc de Triomphe im Blick gehabt und das war mit Abstand der schönste sportliche Moment meines Lebens“, erzählt Greipel. Es sei ein sehr emotionales Gefühl wenn ein Traum in Erfüllung gehe.

Es war der insgesamt zehnte Erfolg auf der Frankreich-Rundfahrt für den gebürtigen Rostocker, der einst im „Jan Ullrich Nachwuchsteam“ auf sich aufmerksam machte. Das liegt fast 15 Jahre zurück. Mittlerweile – im zehnten Profijahr –  ist der Sprinter unumstritten der schnellste Mann der Tour und längst kein Zuarbeiter mehr, wie noch in Zeiten, als er Anfahrer für Cavendish im Team T-Mobile und HTC-Highroad war. Greipel musste im teaminternen Kampf der Sprinter immer zurückstecken, Cavendish durfte die Tour de France fahren, Greipel nur den Giro in Italien und die spanische Vuelta. Zur Tour kam der bullige Athlet erst, als er das Team wechselte.

„Ohne meine Mannschaft bin ich nur ein schneller Sprinter, die Siege sind absolutes Teamwork“, erklärt ein glücklicher Greipel nach dieser Saison. „Mein Erfolgskonzept sind hartes Training, hohes Maß an Disziplin und der Respekt vor der Leistung aller Fahrer in meinem Team.“

Für den FELIX2015 habe ich mit Andre Greipel gesprochen
Für den FELIX2015 habe ich mit Andre Greipel gesprochen

Bei der neuen Mannschaft explodierte Greipels Leistung. Er ist ein Teamplayer. Und mit jedem Sieg wächst sein Selbstvertrauen: Er schlug Cavendish im Massensprint bei der Tour 2011, seiner Premiere in Frankreich, er holte im selben Jahr Bronze bei den Straßenweltmeisterschaften in Kopenhagen und gewann bis 2014 fünf weitere Etappen beim wichtigsten Radrennen der Welt. Dort wo Schatten war, ist nun Licht. Greipel gehört zum elitären Kreis der Radrennfahrer, die bei allen drei großen Rundfahrten (Giro, Tour und Vuelta) Etappensiege verbuchen konnten.

„Meine Frau und Kinder waren in Paris am Ziel und dort in die Arme zu nehmen war mir am Wichtigsten“, erinnert sich der Sportler über den Erfolg in Frankreich. Am Abend wurde mit dem Team, der Familie und Freunden gefeiert.

Wenn André Greipel über seinen Sport spricht, leuchten seine Augen. Verständlich. Der Wahl-Hürther genießt sein spätes Karriereglück in vollen Zügen. Die Tatsache, dass das tiefe Image-Tal des Radsports aus Dopingmeldungen, Epo-Skandalen und Betrugsschlagzeilen durchschritten ist, macht ihn glücklich. Sein Sport sei wahrscheinlich einer der saubersten der Welt,  schätzte der zweifache Familienvater in einer Radiosendung. Ohne Diskussion lässt er im Jahr hunderte und aberhunderte Kontrollen über sich ergehen. Ginge es nach Greipel, würden diese sogar noch verschärft. Er könne morgens ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen und sei stolz darauf, was er erreicht habe – mit sauberen Mitteln. „Von mir kann man gern in 20 oder 30 Jahren Proben rausholen – ich werde auch dann nur positiv auf Bier und Currywurst sein“, zitiert ihn eine Zeitung.

Mit 33 Jahren will der Sprintkönig nun auch bei Olympia 2016 in Rio angreifen und eine Medaille gewinnen. Von den Spielen vor vier Jahren in London schwärmt Greipel noch heute. Und natürlich will er wieder nach Frankreich. „Ich möchte bei der Tour 2016 wieder eine Etappe gewinnen“, so Greipel.

Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Mindestens sechs weitere Jahre will der Rostocker in die Pedalen treten und auch 2017 bei der Tour de France in NRW um den Sieg fahren: „Mein sportliches Ziel steht fest: Ich will am Start stehen, wenn es 2017 in Düsseldorf auf die Jagd nach dem Etappensieg geht.“ Für dieses Vorhaben, den „Grand Départ“ in die Landeshauptstadt zu holen, hat sich der Sprintspezialist Anfang Oktober stark gemacht. „Die Stadträte in Düsseldorf haben eine sehr gute Entscheidung getroffen und die Region und der deutsche Radsport können davon profitieren“, erklärt er.

Vor der Haustür starten und Paris als erster durch Ziel fahren. Den Reiz des Radsports verliert André Greipel ganz sicher nicht; jetzt, wo es gerade so viel Spaß macht.

 

Greipel wartet auf verbindliche Antwort von Bayern-StarThomas Müller

 

Interview mit André Greipel für das Sportjahrbuch 2015 // #FELIX2015

Das Sportjahrbuch zum FELIX2015.
Das Sportjahrbuch zum FELIX2015.

War der Moment, als Sie auf der Champs Élysées als erster durch’s Ziel gefahren sind, der schönste Moment Ihrer Karriere? 

André Greipel: Bei der Überquerung der Ziellinie habe ich den Arc de Triomphe im Blick gehabt und das war mit Abstand der schönste sportliche Moment meines Lebens. Es ist ein sehr emotionales Gefühl wenn ein Traum und Ziel in Erfüllung geht.

Sie waren auf den letzten 300, 400 Metern noch hinten im Sprinterfeld – an Position sieben oder acht. Wann haben Sie sich gesagt: Jetzt oder nie? 

Greipel: In der letzten Kurve war ich auf Position acht und bis nach ganz vor musste ich ein paar Meter zufahren. Ich war davon überzeugt, dass ich die Etappe in Paris gewinnen kann und wollte diesen Sieg. Unser Team hat sich diesen Sieg verdient, wir waren an diesem Tag die stärkste Mannschaft.

Was geht ihnen in diesen ein, zwei Minuten Sprint durch den Kopf? 

Greipel: Wenn ich das Ziel vor Augen habe und zum Sprint komme, dann kämpfe ich um den Sieg. Man spürt ob es gelingen kann und letztendlich spielt es sich dann in Sekunden aber ohne richtiges Zeitgefühl.

Haben Sie eine Ahnung, wie viel Watt sie dabei ein die Pedalen drücken?

Greipel: Nicht nur eine Ahnung, auf jedem Meter kann die Wattzahl ausgelesen werden.

Wie haben Sie dieses Tour-Ende in Paris gefeiert?

Greipel: Meine Frau und Kinder waren in Paris am Ziel und sie nach dem Ziel in die Arme zu nehmen war mir am Wichtigsten. Das gesamte Team und Sponsoren, Familie und Freunde haben die erfolgreiche Tour de France 2015 am Abend zusammen gefeiert. Aber man sehnt sich letztendlich auch nach Erholung und Entspannung und daher haben wir nicht überzogen.

Sie sind unumstritten der schnellste Mann der Tour – was ist Ihr Erfolgsrezept? 

Greipel: Ohne meine Mannschaft bin ich nur ein schneller Sprinter, die Siege sind absolutes Teamwork. Mein Erfolgskonzept sind hartes Training, hohes Maß an Disziplin und der Respekt vor der Leistung aller Fahrer in meinem Team.

Ist so ein Moment der Lohn für all die Jahre Quälerei über die Berge dieser Welt? 

Greipel: Die Berge dieser Welt mag ich nicht wirklich, aber ich muss über einige gut drüberkommen, wenn ich das Finale bestreiten möchte. Ich liebe meinen Sport und empfinde die meisten Trainingseinheiten und Rennen nicht als Quälerei.

Wann haben Sie Zeit, dieses so erfolgreiche Jahr in Ruhe zu verarbeiten und zu genießen? 

Greipel: Meine Rennsaison hat 2015 von Februar bis Oktober gedauert. Anschließend war ich noch einige Tage zu Hause. Dann wuchs die Vorfreude auf 2 Wochen Urlaub, ohne Termine, ohne Fahrrad und mit meinen 2 Töchtern und meiner Frau. Die Saison realisiert man erst, wenn der Motor etwas abgekühlt ist.

Wie viele Etappensiege haben Sie sich für die Tour 2016 vorgenommen? 

Greipel: Ich möchte bei der Tour 2016 wieder eine Etappe gewinnen. Das Team Lotto Soudal wird sich Chancen erarbeiten und wenn wir in Paris abgekommen sind, können wir auswerten.

2017 könnte die Tour in Düsseldorf starten. Dann sind sie 35 Jahre alt – wann hängen Sie Ihr Rad an den Nagel?

Greipel: Die Stadträte in Düsseldorf haben eine sehr gute Entscheidung getroffen und die Region und der deutsche Radsport können davon profitieren. Ich habe meinen Teil im Vorfeld, während der Entscheidungsfindung und werde auch auf dem weiteren Weg ins Jahr 2017 dazu beitragen. Und mein sportliches Ziel steht fest: Ich will am Start stehen, wenn es 2017 in Düsseldorf auf die Jagt nach dem Etappensieg geht.

Ihr Sportjahr könnte mit einer Auszeichnung enden – Sie sind nominiert als „Sportler des Jahres“ in NRW. Was würde Ihnen der FELIX bedeuten?

Greipel: Die Nominierung in der Kategorie Sportler des Jahres freut mich sehr. Faire sportliche Leistungen und der Athlet werden wahrgenommen und das macht mich auch Stolz. Der FELIX ist noch weit weg und wir werden sehen, ob mich die Sportfans als würdigen Preisträger sehen möchten.

Wann findet das Sprintduell mit Bayern-Star Thomas Müller statt? 

Greipel: Mein Angebot steht und noch habe ich von Thomas Müller keine verbindliche Antwort, mal abwarten. Thomas bringt konstante Top-Leistungen und schießt aktuell richtig viele und wichtige Tore. Er gehört zu den besten Fußballern der Welt und ich bin auf dem Rad nicht ganz schlecht. Wir könnten beide etwas voneinander lernen.

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