Makoto Hasebe und Eintracht Frankfurt - meine neue Kolumne für Sportsnavi in Japan

DasSportWort goes Japan: Die Probleme von Eintracht Frankfurt und Makoto Hasebe

Wie schnell sich diese Fußballwelt doch dreht. Vor 14 Tagen hätte man noch einen Abgesang auf die Eintracht aus Frankfurt schreiben können, mittlerweile hat sich die Diva vom Main wieder gefangen. Vor 14 Tagen spielte Makoto Hasebe noch auf der ungeliebten Rechtsverteidigerposition, mittlerweile hat er seinen angestammten Stammplatz im Defensiven Mittelfeld zurück. So dreht sie sich, die Fußballwelt. Und so passiert es, dass eine Kolumne in Japan bei Sportsnavi erschienen ist, die eigentlich hier und da hätte überholt werden müssen. Nun. Der Artikel wurde verfasst, nachdem die SGE das zweite Hessenderby gegen Aufsteiger Darmstadt 98 verloren hatte. Es folgte eine Klatsche gegen den BVB und ein Sieg gegen Werder Bremen. Francois Duchateau und Takashi Sugiyama haben übersetzt.  

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Eintracht Frankfurt und die Probleme von Makoto Hasebe - meine Kolumne für Sportsnavi. Screenshot.
Eintracht Frankfurt und die Probleme von Makoto Hasebe – meine Kolumne für Sportsnavi. Screenshot.

期待とはまったく違うシーズン

現在のフランクフルトは、小さなピッチを使って試合への準備のトレーニングを行うことがしばしばある。コメルツバンク・アレーナのメインスタンドの背後にある、小さなコートを使うのだ。理由はシンプルなものである。アルミン・フェー監督のもとでの練習時間が長くなると、ライトのスイッチをオンにしなければならない。そのライトが、大きな練習グラウンドには設置されていないのだ。weiterlesen… 
Warum Hasebe Eintracht Frankfurt momentan nicht helfen kann

Dass Eintracht Frankfurt in der Vorbereitung momentan häufig auf der kleinen Kampfbahn, dem kleinen Platz hinter der Haupttribüne der Commerzbank-Arena trainiert, hat ganz pragmatische Gründe: Wenn es unter Trainer Armin Veh mal wieder länger dauert mit den Übungseinheiten, wird das Flutlicht angeknipst. Das gibt es nicht auf dem großen Trainingsfeld. Mit dem Namen „Kampfbahn“ hat das wenig zu tun, auch wenn das auf der Hand liegen würde: Die Saison der launischen Diva vom Main ist auch in dieser Saison mehr Krampf und Kampf als alles andere.

Hasebe und die Stabilität in der Verteidigung

Dabei sollte es in der laufenden Spielzeit anders werden. Mit Veh wurde der erfolgreichste Coach der jüngeren Vereinsgeschichte zurückgeholt. Der 54-Jährige hatte die Eintracht bereits von 2011 bis 2014 betreut und sie nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga im zweiten Jahr sensationell in die Europa League geführt. Wegen fehlenden Perspektiven reichte er 2014 überraschend seinen Kündigung ein. Seit Mitte Juni ist Veh nun wieder an Bord. Die Perspektive, sie ist nicht wesentlich besser geworden.

Vom Selbstverständnis sieht sich der Klub aus der Bankenmetropole auf Augenhöhe mit Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04. Mindestens. Der ehemalige Deutsche Meister (1959), UEFA-Cup- und vierfache DFB-Pokalsieger gehört mit seinem grandiosen Fanpotenzial zu den großen Traditionsvereinen des deutschen Fußballs, die letzte Erfolgsära der Hessen allerdings endete Mitte der 1990er Jahre. Seitdem kämpft die SGE mehr um ihre sportliche und wirtschaftliche Existenz als um Titel – das Stadion beispielsweise ist dem Klub wegen der Hohen Miete ein Klotz am Bein.

Eintracht Frankfurt verliert beide Derbys

Und die Beine der Frankfurter Profis sind kurz vor der Winterpause zum Jahresabschluss schwer. Die beiden – vor allem in der Fan-Szene – prestigeträchtigen Derbys gegen den FSV Mainz 05 und gegen den Aufsteiger SV Darmstadt 98 wurden verloren. Die Leistung seiner Mannschaft in diesen Spielen ließ Veh den Kragen platzen. Frankfurts Trainer schäme sich für die Auftritte in den Partien. In einer Wutrede zählte er seine Führungsspieler wie Alex Meier und Marco Russ an – den Japaner Makoto Hasebe schließt er aus der Kritik aus. Doch warum krebst die Eintracht entgegen ihrer Ansprüche erneut im unteren Mittelmaß der Liga rum und muss – wenn es schlecht läuft – gar um den Klassenerhalt bangen?

„Veh muss aktuell immer wieder umstellen und ist auf der Suche nach einer stabilen Defensive“, erklärt Eintracht-Experte und DRF1-Redakteur Rafael Corradino im Gespräch mit Sportsnavi. Vor allem die anhaltende Verletzungsmisere mache ihm Probleme. „Tyson Chandler fand nach seinem Meniskusriss nicht zu alter Form zurück, Bamba Anderson fehlt an allen Ecken und Enden.“  Hasebe in die Defensive zu beordern, sei Vehs verzweifelter Versuch, der Defensive Stabilität zu verleihen – bislang erfolglos. Der erfahrene Japaner, der eigentlich am stärksten in der Defensivzentrale im Mittelfeld ist, muss seit Wochen als rechter Außenverteidiger aushelfen.

Eintracht Frankfurt verliert die Hessenderbys gegen Mainz und Darmstadt. Screenshot.
Eintracht Frankfurt verliert die Hessenderbys gegen Mainz und Darmstadt. Screenshot.

Alleine auf die dünne Personaldecke will es Marvin Mendel vom Eintracht-Podcast nicht schieben. Er sieht die Gründe für die Krise weitaus drastischer: „In Anbetracht der letzten Niederlagen muss konstatiert werden, dass es schlecht um die Eintracht steht“, so Mendel. „Die SGE verpasste es in der letzten Transferperiode, offensichtliche Vakanzen in der Defensive zu besetzen und ist nach den ersten positiven Ergebnissen von der Realität eingeholt worden.“ So sieht es auch Stefan Krieger von der Frankfurter Rundschau: „Der Kader ist schlecht zusammengestellt. Im Team gibt es zu viele Spieler ohne Tempo, ohne Dynamik.“ Hinzu komme Stürmer Meier, der sich im vergangenen Jahr in den Dunstkreis der Nationalmannschaft gespielt hatte. Nach einer Verletzung habe er aber nicht mehr die Form der letzten Saison gefunden. „Wahrscheinlich bekommt er sie nie mehr, so Krieger von der FR.

Muss Armin Veh um seinen Job bei Eintracht  bangen?

Kein Torjäger, schlechte Verteidigung – die Mannschaft wirkt enorm verunsichert, lässt selbst in Derbys jeglichen Kampfeswillen vermissen und „spielt einen furchtbar uninspirierten, gar hilflosen, Fußball, der – logischerweise – nicht zum Erfolg führt“, ergänzt der Podcaster. Diese Einschätzung führt final sogar die Frage auf, „ob es die richtige Entscheidung war, Veh zurückzuholen“, stellt Mendel zur Diskussion. Zwei Stunden wurde das im Podcast debattiert. „Wenn Veh nicht bald die Kurve bekommt, wird es ohne Frage eine schwierige Saison“, weiß Corradino. Die Offensive sei zu schwach und die Defensive viel zu anfällig. Und beides hänge mit erschreckend schwachen Zweikampfwerten zusammen. „In den vergangenen Jahren lebten die Frankfurter immer von guten ersten Saisonhälften, fanden darin die nötige Motivation und brachten die nötigen Punkte gut bis sehr gut über die Ziellinie“, so der Eintracht-Experte. „Darauf können sie dieses Jahr nicht setzen – allein das wird schon eine schwierige Aufgabe für Veh, der auch bald um seinen Job bangen muss, wenn sich nichts ändert.“

Die neue Kolumne für Sportsnavi - Takashi Inui und Makoto Hasebe bei Eintracht Frankfurt
Eine andere Kolumne über Hasebe. Damals.

Und Hasebe? Der Japaner war trotz der jüngsten Niederlagenserie eine Konstante bei den Frankfurtern, lobt Corradino. Mit recht deutlichem Abstand sei Hasebe mit seinen 31 Jahren ja auch tatsächlich der älteste Spieler bei der SGE und könne als einer der wenigen Frankfurter internationale Erfahrung vorweisen. „Wenn es bei der Eintracht aufwärts geht, dann nur mit Hasebe – ob im Mittelfeld oder auf der Rechtsverteidigerposition.“ Die taktische Einschätzung teilt Krieger nicht. „Wenn Hasebe auf der Sechs gespielt hat, war er deutlich besser. Als Außenverteidiger fühle er sich nicht wohl. „Das merkt man.“ Trotz der ungewohnten Position ist der japanische Nationalspieler immer noch einer der wichtigsten Spieler im bei den Hessen. „Er geht schon voran“, erklärt Krieger und kritisiert. „Leider auch beim meckern. Da hat er schon, in Diskussionen mit dem Schiri verwickelt, die Rückwärtsbewegung vernachlässigt.“ Das unterstreicht auch Mendel: „Wann immer eine strittige Entscheidung zu Ungunsten der SGE gefällt wird, steht Hasebe im nächsten Moment neben dem Schiedsrichter und diskutiert.“ Im Grunde übernehme er damit die Aufgaben, die eigentlich in der Zuständigkeit des recht stillen Kapitäns Meier liege.

Eintracht Frankfurt drückt „die Reset-Taste“

Makoto Hasebe muss bei der Eintracht als Rechtsverteidiger aushelfen. Screenshot.
Makoto Hasebe muss bei der Eintracht als Rechtsverteidiger aushelfen. Screenshot.

Allerdings könne der Routinier nicht alleine für den Umschwung sorgen. „Hasebe schafft es nicht, der Hintermannschaft die nötige Ruhe und Stabilität zu verleihen, allerdings dürfte dies auch den ständigen Positionswechseln geschuldet sein“, glaubt der Frankfurter Mendel und spekuliert, „womöglich spielt er bald wieder zentral.“ Spätestens in der Rückrunde. Die Verantwortlichen der Hessen haben angekündigt, personell in der Winterpause nachbessern zu wollen. „Wir brauchen einen neuen Geist. Das Gute ist, dass wir noch genügend Zeit haben, etwas zu ändern“, blickt der Trainer voraus. „Wir drücken die Reset-Taste“, erklärte Manager Bruno Hübner: „Wir müssen frisches Blut rein bringen, für neue Konkurrenz sorgen.“ Damit will der Klub die Fehler aus der Sommerpause beheben, um in der zweiten Saisonhälfte dann die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln.

Sollte Eintracht Frankfurt allerdings bis zur Winterpause weiter abrutschen, könnte Vehs Stuhl deutlich wackeln, zumal ihm selbst zuletzt offenbar etwas der Ansporn fehlte. „Man kann nicht verlangen, dass immer der Papi alles rettet“, sagte der Coach und nahm damit seine Spieler in die Pflicht: „Ich leide wie ein Hund. Ich habe zurzeit keine Freude und ich kann auch keine Freude vermitteln. Das gehört sich auch nicht, denn sonst lachen wir uns in den Abstieg.“

Die Stimmung bei der Eintracht ist gereizt, angespannt und das Bild, das der Klub nach außen transportiert ist nicht nur auf dem Platz schwach. Aus dem Hessen-Derby im Anfang Dezember wurde ein Hass-Derby. Die Frankfurt-Fans verbrannten Fahnen, Pyrotechnik und Böller wurden gezündet. Die Stimmung ist nicht mehr nur in der harmlose Wort „Enttäuschung“ zu fassen. Die Profis mit dem Adler auf der Brust sollen nun eine Reaktion zeigen. Auch deshalb lässt Veh auf der kleinen Kampfbahn trainieren. Lang. Und unter Flutlicht.

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Über die Autoren Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

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