Jonas Hector vom Effzeh Köln im Interview FELIX2015

Jonas Hector vom 1. FC Köln über die EM, Social Media und Bescheidenheit

Am vergangenen Freitag wurden in Düsseldorf die besten Sportlerinnen und Sportler in Nordrhein-Westfalen mit dem FELIX ausgezeichnet. Als bester Fußballer des Jahres NRWs war auch Jonas Hector vom 1. FC Köln nominiert. Für das  Sportjahrbuch, das bei der Veranstaltung auslag, habe ich den Außenverteidiger der Domstädter interviewt. (( Es war wegen der Zeitknappheit ein Interview via E-Mail))
Vom Ascheplatz ins DFB-Team auf dem Weg nach Frankreich zur EURO 2016.

Kölns Jonas Hector startet durch

Das Sportjahrbuch zum FELIX2015.
Das Sportjahrbuch zum FELIX2015.

Auf einmal ging es ganz schnell. 2009 kickte Jonas Hector noch in der Oberliga, jetzt trägt er das deutsche Nationaltrikot. Über seine konstant guten Leistungen beim 1. FC Köln hat sich der 25-Jährige Abwehrspieler ins DFB-Team gespielt und Bundestrainer Joachim Löw hält große Stücke auf den gebürtigen Saarländer. Im Interview spricht Hector über seine steile Karriere, Profilierungssucht und die Europameisterschaft 2016 in Frankreich.

Stammspieler in der Bundesliga, Nationalspieler, nominiert als Fußballer des Jahres in NRW – es läuft rund bei Ihnen.

Hector: Ich kann mich in der Tat nicht beklagen und es läuft sportlich wirklich sehr gut. Das alles ist aber nicht selbstverständlich und natürlich nur eine Momentaufnahme. Im Fußball kann es auch schnell wieder in die andere Richtung gehen. Momentan bin ich aber sehr glücklich und ausgesprochen dankbar.

Was waren Ihre Highlights 2015?

Hector: 2015 hat für mich wirklich viele Highlights bereitgehalten, sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft. Im Mai haben wir mit dem FC den Klassenerhalt vorzeitig perfekt gemacht und sind zudem gut in die laufende Saison gestartet. Aber auch jede erneute Nominierung für die Nationalmannschaft und jeder Einsatz im Trikot der Nationalelf waren Highlights.

Warum werden im deutschen Fußball immer wieder die fehlenden Alternativen auf den Außenverteidiger-Positionen beklagt?

Hector: Das sollten Sie diejenigen fragen, die sich beklagen (lacht). Da ich selber auf der Position spiele und auch andere gute Außenverteidiger kenne, teile ich diese Meinung nicht.

Die Position des Außenverteidigers ist sehr anspruchsvoll geworden.

Hector: Außenverteidiger müssen natürlich zunächst einmal gute Defensivarbeit leisten, aber gleichzeitig auch das Offensivspiel ankurbeln und das Spiel über die Außen schnell machen. Das macht die Position sehr lauf- und arbeitsintensiv.

Bezeichnend ist, dass außer Ihnen nur Offensivspieler für den Fußball-FELIX nominiert sind.

Hector: Das liegt für mich in der Natur des Fußballs. Beim Fußball geht es letztlich immer um Tore, weswegen Offensivspielern natürlich automatisch mehr Aufmerksamkeit zukommt.

Ein Wort vielleicht zu Ihren Konkurrenten Patrick Herrmann, Max Kruse, Karim Bellarabi und Leroy Sané.

Hector: Sie sind allesamt überragende Fußballer. Von ihren individuellen Qualitäten durfte ich mich als Abwehrspieler bereits überzeugen, als ich in der Liga gegen sie gespielt habe. Mit diesen Spielern in einer Kategorie nominiert zu sein, ist für mich nicht selbstverständlich.

Auch hier wirken Sie sehr bescheiden. Wie würden Sie sich selbst mit ein, zwei Sätzen beschreiben?

Hector: Ich beschreibe mich nicht gern selbst. Das können andere besser.

Grundsätzlich stehen Sie aber nicht gerne im Fokus.

Hector: Ich bin einfach von Natur aus ein ruhiger Mensch. Laut werde ich nur selten, was aber nicht heißt, dass ich mich nicht durchsetzen und für meine Meinung einstehen kann.

Sie sind der einzige Nationalspieler ohne Social-Media-Auftritt – warum?

Hector: Mich auf Social-Media-Profilen selbst darzustellen, passt einfach nicht zu mir und meiner Persönlichkeit. Hinzu kommt, dass es mir wichtig ist, mein Privatleben privat zu halten. Ich verstehe natürlich, dass es ein öffentliches Interesse an meiner Person gibt, meine Familie und meine Freunde möchte ich aber aus der Öffentlichkeit raushalten.

Ist es nicht wichtig, sich den Fans auf den Plattformen zu zeigen?

Hector: Natürlich ist der Kontakt zu Fans wichtig, aber Nähe kann man auch anders und abseits von Social-Media-Plattformen generieren. Ich freue mich etwa über jeden, der uns beim Training am Geißbockheim besucht, gebe im Anschluss natürlich gerne Autogramme oder mache Fotos mit den Fans.

Mit 19 Jahren spielten Sie noch in der A-Jugend auf Ascheplätzen, bis zum 20. Lebensjahr waren Sie noch Oberliga-Kicker. Sie sind ein Spätstarter.

Hector: 2009 sind wir mit dem SV Auersmacher in die Oberliga aufstiegen. Obwohl damals schon Profivereine ihr Interesse an mir bekundet hatten, wollte ich meine Heimat noch nicht verlassen und zumindest noch eine Saison in der Oberliga spielen.

Warum?

Hector: Ich habe Fußball damals eher als Hobby gesehen. Mein Plan war es immer, nach dem Abitur ein Studium zu beginnen. Ganz verworfen habe ich diesen Vorsatz auch nicht, heute studiere ich neben dem Profifußball noch Betriebswirtschaftslehre. Für mich ein willkommener Ausgleich.

Vom Hobby zur Europameisterschaft. Ist das Ihr großes Ziel für 2016?

Hector: Für die Nationalmannschaft ist es entscheidend, in der Liga konstant gute Leistungen abzurufen und möglichst verletzungsfrei zu bleiben. Persönlich habe ich es mir zum Ziel gesetzt, an meine Leistungen anzuknüpfen, sie zu bestätigen und zu verbessern.

Als Weltmeister ist Deutschland Favorit auf den EM-Titel.

Hector: Der Blick wird wegen des Weltmeistertitels in der Tat stark auf Deutschland gerichtet und die Erwartungen groß sein. Davon sollte sich aber niemand verunsichern oder unter Druck setzen lassen. Zwar ist es das Ziel der Nationalmannschaft, den Erwartungen und einer möglichen Favoritenrolle gerecht zu werden, aber bis dahin liegt noch ein langer und arbeitsintensiver Weg vor allen.

Ein Wort an die zahlreichen Athleten, die auch für einen FELIX nominiert sind.

Hector: Ich habe großen Respekt für alle nominierten Athleten. Sie sind alle faire Sportlerinnen und Sportler, die es für ihren Ehrgeiz, ihre Leistungen und ihre Persönlichkeiten verdient haben, hier nominiert zu sein.

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