Bochum und Leipzig im Vergleich - eine Kolumne über Tradition und Moderne im Fußball für Sportsnavi in Japan. Foto: David Nienhaus

DasSportWort goes Japan: Der Unterschied zwischen Bochum und Leipzig

Nein, auch an der Castroper Straße in Bochum ändert sich das Bild nicht. Als RasenBallsport Leipzig beim VfL gastierte, gab es Fan-Proteste, bitterböse Plakate und eine aggressive Stimmung gegen den Verein des Brauseunternehmens aus Österreich. Der Ruhrgebietsklub selbst verzichtete in seinen Publikationen auf das „RB“ und dass Leipzig in Deutschland polarisiert, ist selbst den Kollegen in Japan nicht verborgen geblieben. Ich habe einen kurzen Text über Tradition und Moderne geschrieben, über Fußballromantik und Kommerz.  Francois Duchateau und Takashi Sugiyama haben übersetzt.  

1部昇格を目指す金満ライプツィヒの野望ボーフムに見る“伝統的”クラブのあり方
ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャ

敵地で嫌われる成金クラブ

ブーイングを受け、やじられ、侮辱される。

ブンデスリーガ2部に所属するラーゼンボールシュポルト(RB)・ライプツィヒの選手は、面の皮が厚くなければ務まらない。14日ごとにやってくるアウェーのアリーナでの対戦で、いつも同じ光景が繰り広げられる。選手と監督だけではない。クラブ全体、さらにはファンが、ひどく反発的なリアクションを受けるのだ。アウエやカールスルーエといった街では、時に行き過ぎたものも見受けられる。weiterlesen…

Tradition und der „Moderne Fußball“ – VfL Bochum gegen RB Leipzig 

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Tradition und Moderne - eine Kolumne über den VfL Bochum und RB Leipzig
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Tradition und Moderne – eine Kolumne über den VfL Bochum und RB Leipzig

Sie werden ausgepfiffen, verhöhnt und als Bullenschweine beschimpft. Die Fußballprofis von RasenBallsport Leipzig müssen ein dicke Haut haben. Alle 14 Tage, immer bei Begegnungen in der Fremde, ist es dasselbe Spiel: Nicht nur die Spieler und die Verantwortlichen, sondern der ganze Klub und bis hin zu seinen Fans stoßen auf demonstrative Ablehnung, die wie beispielsweise in Aue oder in Karlsruhe Grenzen überschreitet.

RB Leipzig ist das Feinbild der Fußballfans

Auch in Bochum, beim Topspiel der zweiten Fußball-Bundesliga, zwischen dem VfL und RB Leipzig wurde protestiert. Auf der Ostkurve und Block A der heimischen Anhänger waren Plakate zu lesen „Tradition = 1848 – RBullshit = 2009“, „Es folgt eine DauerweRBesendung“ und „Ey RB, ihr seid nicht nur flüssig, ihr seid überflüssig!!!“ Und auch Abwehrspieler Lukas Klostermann, der zu Saisonbeginn 2014/15 aus dem Ruhrgebiet nach Leipzig gewechselt war, wurde mit „Klostermann du Judas“ beschimpft. Die Fans in Bochum sind stolz auf ihren Traditionsklub, der in unzähligen Liedern besungen wird. Reiche Emporkömmlinge wie der Rektorenverein aus Sachsen werden als Feindbild gesehen, als Produkt des  „Modernen Fußballs.“

Doch was ist Tradition? Und was ist der „Moderne Fußball“?

Die Fans des VfL Bochum sind stolz auf ihren Verein - eine Kolumne für Japan
Die Fans des VfL Bochum sind stolz auf ihren Verein – eine Kolumne für Japan

Anhand des VfL und RBL ist das gut zu erklären. Der VfL Bochum ist ein Verein, der zwar das Jahr 1848 im Logo hat, aber letztlich erst 1936 durch eine Fusion verschiedener Klubs gegründet wurde. Seit eh und je spielt der „Verein für Leibesübung“ und seine Vorgänger an der Castroper Straße in Bochum. Seit über 100 Jahren ist das so. Das Ruhrstadion wird im deutschen Fußball als „Schmuckkästchen“ gefeiert und ist beliebt bei den Anhängern der Gästeklubs.

Die Unabsteigbaren steigen ab – Bochum nur noch zweitklassig

Geographisch zwischen den Topvereinen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 gelegen, sucht der VfL seit eh und je seine Nische und hofft irgendwann einmal auf den ganz großen Coup. Sportlich galt Bochum in seiner 34-jährigen Bundesligageschichte lange als „unabsteigbar“, schaffte es der VfL doch immer wieder durch Kampf, Einsatz und Glück dem Abstieg in die 2. Liga zu entgehen. Bis 1993. Seitdem sind die Blauweißen ein Wanderer zwischen den Welten. Dem ersten Abstieg folgten der Abstieg 1995, der Abstieg 1999, der Abstieg 2001, der Abstieg 2005 und zuletzt der Abstieg 2010. Immer wieder schaffte Bochum den Sprung in Liga eins. Jetzt nicht mehr.

Meistens zu gut für die zweite, aber zu schlecht für die erste Bundesliga, versucht der Verein seit fünf Jahren wieder an sportlich bessere Zeiten anzuknüpfen. An Zeiten wie beispielsweise 1997 oder 2004, als Bochum Europa erobern wollte und im UEFA-Cup spielte. Das liegt lange zurück. Grau ist der Alltag beim VfL. Der Spitzname „die Graue Maus“ trifft den Nagel zwischenzeitlich auf den Kopf. Trotzdem ist man „anne Castroper“ stolz auf den Verein und trägt das Trikot mit dem VfL-Wappen mit Freude. „Keine Titel und Trophäen. Und so wird es weitergehen, trotzdem wird es weitergehn. So wie es schon immer war, VfL Bochum.“

Leipzig kam aus dem Nichts.

Ruhrstadion. Die Fans des VfL Bochum lieben das Stadion anne Castroper. Foto: David Nienhaus
Ruhrstadion. Die Fans des VfL Bochum lieben das Stadion anne Castroper. Foto: David Nienhaus

Dass der Sprung des Traditionsvereins ins Oberhaus mittlerweile eine Mammutaufgabe ist, liegt auch an Klubs wie RB Leipzig, einen Verein, den es bis vor sechs Jahren noch gar nicht gab. 2009  gründete er sich auf Initiative von Red Bull, dem Energydrink-Hersteller aus Österreich. Wie in New York oder auch in Salzburg wollte der Konzern nun auch im deutschen Fußball angreifen und übernahm zur Saison 2009/10 das Startrecht des SSV Markranstädt in der fünftklassigen Oberliga Nordost. Anders als in den USA oder Österreich ist eine Namensgebung zu Werbezwecken laut DFB-Satzung unzulässig und so nannte sich der Klub nicht Red Bull Leipzig sondern mit denselben Initialen „RasenBallsport“ Leipzig – die Abkürzung RB steht allerdings klar für das Milliardenunternehmen, den Brausehersteller.

Debatte über den „modernen Fußball“ im Gange

Binnen fünf Jahren hat sich RBL in den Profifußball hochgespielt und sorgte vor der Saison mit der Verpflichtung von U21-Nationalspieler Davie Selke vom Bundesligisten Werder Bremen für Wirbel. Insgesamt hat der Milliardärsverein mit über 18 Millionen Euro mehr Geld in der Sommerpause, als alle Klubs der zweiten Bundesliga zusammen. Mit diesem finanziellen Engagement soll nun in diesem Jahr den Sprung in die deutsche Eliteliga klappen. Unter lautstarken, aber doch letztlich versandenden Protest. Die Debatte über den „modernen Fußball“ ist bei genauerer Betrachtung eine emotionsgeladene Bekenntnisdebatte: Dafür oder dagegen? Sie wird geführt von vielen Fußball-Fans, die ein Feindbild brauchen, aber nicht selten nur an der Oberfläche kratzen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière mischte sich in die Diskussionen und Anfeindungen um den Retortenklub ein und sagte: „Was RB Leipzig angeht, ist alles von der DFL überprüft worden. Wollen wir anfangen, über den VfL Wolfsburg zu diskutieren? Oder über 1899 Hoffenheim? Oder über Bayer Leverkusen, die einen Firmentitel im Namen tragen?“ Da müsse die Kirche mal im Dorf bleiben. Der Verein habe seine sportliche Berechtigung im Profifußball zu spielen.

Kommerzialisierung im Fußball nicht mehr aufzuhalten

Nicht genannt hat de Maizière dabei übrigens Hannover 96, ein Klub der von seinem Präsidenten Martin Kind geführt wird und eventuell bald als erster Traditionsklub die 50+1-Regel des Deutschen Fußballs umgehen wird. Die besagt, dass es Kapitalanlegern nicht möglich ist, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgegliedert haben. Auch über den FC Bayern München hat der deutsche Innenminister nicht gesprochen. Beim Renommierklub und Rekordmeister sind unter anderem Ausrüster Adidas und Autohersteller Audi finanziell groß eingestiegen. Es ist die nicht aufzuhaltende Kommerzialisierung des Sports. Vereine brauchen Geld um dem Wettbewerb Stand zu halten. Nur mit Zuschauereinnahmen, dem Trikotsponsor auf der Brust oder dem Verkauf des Stadionnamens gewinnt kein Verein Titel. Weder national noch international. Es müssen andere Geschäftsmodelle entwickelt werden, um erfolgreich zu sein. Das weiß man in München, in Dortmund und auch in Leipzig.

RB Leipzigs Davie Selke war der teuerste Transfer der zweiten Liga in dieser Saison - eine Kolumne für Sportsnavi in Japan
RB Leipzigs Davie Selke war der teuerste Transfer der zweiten Liga in dieser Saison – eine Kolumne für Sportsnavi in Japan

Beim „RasenBallsport“ allerdings hat die Entwicklung eine neue Richtung genommen. Es geht nicht nur um den sportlichen Erfolg, es geht um den Verein als Markenträger, um den Verkauf von Getränkedosen anzukurbeln. Das sieht man unter anderem auch an der Vorgeschichte von RBL. Eigentlich wollte der Österreicher Dietrich Mateschitz groß beim FC St. Pauli einsteigen. Bei dem Klub, der für Werte steht, die kaum weiter weg von Kommerz sein könnten. Sowohl in Hamburg beim Kiezklub als auch bei der Fortuna aus Düsseldorf ist Red Bull krachend gescheitert mit dem Vorhaben, den deutschen Fußball zu revolutionieren.

Gibt die 50+1-Regel in der Bundesliga?

Das wird nun in Sachsen gemacht. Eine Tatsache, die zum Beispiel Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, beklagt: „Diese Entwicklung ist für die Bundesliga gesamtwirtschaftlich schlecht“, sagte Watzke im Magazin „Spiegel“ . Die Bundesliga sei „die schönste und aufregendste Liga in Europa, weil es die 50+1-Regel gibt.“ Dass RB Leipzig daran nun wackelt, sei ein Problem. Die Debatte um den Retortenklub wird nicht verstummen. Erst recht nicht, wenn Red Bull bald in der Bundesliga den Bayern Konkurrenz macht – das ist keine Utopie.

Der Sport dabei längst nicht mehr im Mittelpunkt. Fußball ist eine Geldmaschine, der Volksport wird längst nicht mehr von Trainern und Managern geleitet, sondern von Wirtschaftsunternehmen. Auch beim VfL Bochum sind sich die Fans dessen längst bewusst. Und das ist einer der Gründe für Abneigung und Pfiffe.

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Über die Autoren Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

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