Auch Shinji Kagawa profitiert von dem Trainerwechsel in Dortmund beim BVB. Foto: David Nienhaus

DasSportWort goes Japan: „System Tuchel“ stärkt BVB, Kagawa und Mkhitaryan

Okay, seitdem wir diese Kolumne geschrieben haben und sie dann in Japan erschienen ist, ist schon ein bisschen Wasser durch die Ruhr geflossen. Trotzdem passt sie immer noch zur aktuellen Situation von Borussia Dortmund. Thomas Tuchel hat den BVB von Jürgen Klopp zu seinem BVB gemacht und dabei das Gute seines Vorgängers erhalten und seine Ideen ergänzt. Davon profitieren vor allem Henrikh Mkhitaryan, aber auch Shinji Kagawa. Für Sportsnavi von Yahoo in Japan haben Francois Duchateau und ich die Situation des BVB analysiert. Takashi Sugiyama hat übersetzt.  

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Tuchel macht aus dem Klopp-BVB seine Borussia

Von David Nienhaus und Francois Duchateu

„Wir haben gegen eine der besten Mannschaften Europas gewonnen“, sagte Pep Guardiola nach dem klaren 5:1-Erfolg über Borussia Dortmund. Nach dem VfL Wolfsburg wurde auch der nächste Verfolger in München gedemütigt. Weltmeister Jerome Boatengs Worte nach dem hohen Sieg in Richtung Dortmund blieben nach Abpfiff: Der BVB bleibt weiterhin unser Verfolger.

Thomas Tuchel macht Borussia Dortmund schnell zu seinem BVB. Screenshot
Thomas Tuchel macht Borussia Dortmund schnell zu seinem BVB. Screenshot

Nach einem auch spielerisch überzeugenden Saisonstart hat Borussia Dortmund sich wieder Respekt in der Bundesliga verschafft. Der neue Trainer Thomas Tuchel hat Schwarz-Gelb weiterentwickelt. Die einstige Gegenpressing-Maschine kommt nun auch endlich bei eigenem Ballbesitz besser zurecht. In den ersten Wochen hat Schwarz-Gelb bereits bewiesen, wieder zum nationalen Spitzenfeld zu gehören. Dass zur absoluten nationalen Spitze, die man einst zwei Jahre lang bekleidete, noch ein großes Stück fehlt, machte die 1:5-Demontage von München deutlich. Die Bayern sind weiterhin das Maß aller Dinge.

Die Magie von BVB-Trainer Jürgen Klopp war gewichen

Nach dem überraschenden Einbruch in der vergangenen Saison ist man überhaupt wieder froh beim BVB, so schnell den Weg in die Spur nach oben gefunden zu haben. Zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr herrschte Untergangsstimmung an der Strobelallee in Dortmund. 13., 15. und 17. Tabellenplatz – der Vizemeister der Vorsaison strauchelte dem Abgrund entgegen; es war der Beginn von Durchhalteparolen, Erklärungsversuchen und letztlich völliger Ratlosigkeit. Die Magie von Erfolgstrainer Jürgen Klopp schien gewichen. Der Klub, der seine treuen und zahlreichen Anhänger über die vergangenen Jahre mit Vollgasveranstaltungen begeistert, den Fußball in Deutschland ein kleines bisschen revolutioniert hatte, stand vor einem Scherbenhaufen. #EchteLiebe? Auf dem Prüfstand.

Der BVB überwinterte als Vorletzter – auf einem direkten Abstiegsplatz. Sollte Borussia Dortmund, der für neue Verhältnisse im deutschen Fußball gesorgt, der Rekordmeister Bayern München das Fürchten gelernt hatte, wirklich den Gang in die zweite Liga antreten müssen? Nein, die Wende schaffte Schwarzgelb ab dem 20. Spieltag – mit 31 Punkte aus 17 Spielen gelang Dortmund sogar noch den Sprung in die Europa-League-Playoffs. Doch die Spuren, die diese katastrophale Spielzeit hinterlassen hatte, waren enorm. Der Zauber war verflogen. Klopp verkündete Mitte April seinen Rücktritt – ein Erdbeben für den Verein und die Liga.

Kolumne über Borussia Dortmund in Japan bei SportsNavi. Screenshot
Kolumne über Borussia Dortmund in Japan bei SportsNavi. Screenshot

Für neuen Zauber sollte ein anderer sorgen: Thomas Tuchel übernahm das Ruder zur neuen Saison und hat frischen Wind ins Team gebracht. Der BVB mauserte sich binnen sechs Spieltagen wieder zum legitimen Top-Vier-Team und überzeugte mit etwas anderem Fußball als zu Klopp Zeiten.

Tuchel entwickelt das „System Klopp“ beim BVB weiter

„Der Trainer hat neue Euphorie in den Klub gebracht und spielerische Dinge verändert“, erklärt Stefan Döring von GOAL.com gegenüber Sportsnavi. Der BVB spiele inzwischen mit viel mehr Ballbesitz und einem sichereren sowie ausgeprägteren Passspiel. „Darüber hinaus hat Tuchel Kleinigkeiten verändert, die den BVB im Gesamten besser machen“, so der Journalist, der ins Detail geht: „Jeder Spieler nimmt den Ball mit dem Fuß an, der weiter vom Ball weg ist. So kann der Spieler schneller reagieren und hat einen besseren Überblick. Das Team lässt den Ball besser und mehr laufen. Der Ball wird sich so lange hin-und hergespielt, bis der freie Raum gefunden wurde. Der Überfallfußball der Marke Klopp wurde weiterentwickelt, es gibt mehr Struktur.“

Sein Kollege Sebastian Weßling von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) fügt hinzu: „Tuchel hat das Offensivrepertoire erheblich erweitert, dadurch kommt man auch gegen extrem defensive Gegner zu Chancen.“ Das komme spielstarken Akteuren wie Henrikh Mkhitaryan, Shinji Kagawa und Ilkay Gündogan zugute, die stark wie selten spielen. Außerdem hatte man durch die Europa-League-Qualifikation und Spielplan das Glück, erst auf schwächere Gegner zu treffen, wo man die Abläufe verfeinern und Selbstbewusstsein tanken konnte.

Vor allem Mkhitaryan, der Mozart am Ball, hat nun seine Position im Team gefunden und drückt den BVB-Spielen seinen Stempel auf. „Tuchel setzt erheblich stärker auf Ballbesitz. Es wird nicht mehr nur auf Umschalten gesetzt, auf überfallartiges Attackieren, sondern es wird geduldiger hin- und hergepasst, Lücken gesucht und Angriffe auch mal abgebrochen“, so Weßling. Diese Taktik ist wie gemalt für den intelligenten Armenier. „Er ist ein genialer Ballverteiler und Stratege“, erklärt Redakteur Döring.

Auch Dortmunds Japaner Kagawa profitiert von Tuches

Aber Mkhitaryan ist nicht der einzige Grund für den Aufschwung unter dem neuen Coach. „Ohne Pierre-Emerick Aubameyang wäre der BVB in dieser Saison aufgeschmissen, sagt Döring. Alleine zehn Tore hatte der Gabuner bis zum vergangenen Wochenende erzielt. „Er ist der wichtige Vollstrecker.“ Auch Mats Hummels als Kapitän und Roman Bürki als mitspielender Keeper ergänzen die Reihe der wichtigen Stützen. Weßling lobt zudem Gündogan. Ohne den deutschen Nationalspieler und Mkhitaryan fehle dem BVB-Spiel erkennbar Struktur.

Und Kagawa? Der Japaner erinnert endlich wieder an den überragenden Kicker, der er einst in Dortmund war. „Kagawa fordert wieder mehr den Ball oder holt ihn sich, falls nötig, auch vor der Abwehr ab“, erklärt Stefan Döring die Wandlung des Japaners. Kagawa spiele variabler. Das Ballbesitz- und das Passspiel komme dem technisch starken Offensivmann deutlich entgegen. Journalist Weßling ergänzt: „Die ganze Mannschaft blüht auf, und davon profitiert natürlich auch Kagawa.“ Der Japaner sei kein Profi, der das Spiel alleine machen könne, „er braucht funktionierende Strukturen. Nur dann kommen seine Stärken – gutes Positionsspiel, schnelle , direkte, kurze Pässe – zum Tragen. Aber auch zwei technisch starke lange Diagonalpässe auf Matthias Ginter führten bereits zu zwei Toren.

Der „alte“ Kagawa will der Japaner aber nicht mehr sein. „Er hat sich weiterentwickelt“, betont der Japaner bei jeder Gelegenheit. „Er ist der ‚neue‘ Kagawa, der aber noch immer an seiner Beständigkeit arbeiten muss“, weiß Döring. Außerdem sei es ein „schwieriger Vergleich, da seine Rolle nun eine etwas andere ist“, ergänzt Weßling. Kagawa teile sich die Spielmacherrolle stärker mit Mkhitaryan. „Aber er ist auf einem ähnlichen Niveau und derzeit unumstrittener Stammspieler.“

Die neue Kolumne für SportsNavi in Japan - wie Thuchel den BVB verändert hat. Screenshot
Die neue Kolumne für SportsNavi in Japan – wie Thuchel den BVB verändert hat. Screenshot

Die vergangene Spielzeit wird in Dortmund als Ausrutscher gewertet, aus der der Klub Lehren gezogen hat. Mittlerweile ist die Borussia wieder zu den Top-Teams Deutschland zu zählen. „Im Verein ist die Stimmung hervorragend, alles schwärmt vom neuen Trainer“, berichtet WAZ-Redakteur Weßling. Komplett rosa ist die neue Welt an der Strobelallee allerdings nicht. „Nach den zwei Unentschieden und der deutlichen Niederlage gegen die Bayern in der vergangenen Woche ist die Stimmung ein wenig getrübt“, so Döring. Beispielhaft dafür sei der kleine Disput zwischen Hummels und Trainer Tuchel. „Im Umfeld des Klubs ist die Stimmung aber schlechter, als man meinen sollte“, erzählt Weßling und erklärt: „Die Fans genießen zwar den Erfolg, kritisieren aber die ihrer Meinung nach immer größeren kommerziellen Auswüchse: teurere Eintrittskarten, die Marketingreise nach Asien, Platzierung von Sponsorenlogos dort, wo zuvor an Vereinslegenden erinnert wurde.“ Die Stimmung rund um Borussia Dortmund ist ein zartes Pflänzchen und nicht ausschließlich vom sportlichen Erfolg abhängig.

Boss Watzke bremst Hype um Tuchel beim BVB

Dieser wird sich beim BVB in der aktuellen Spielzeit ganz sicher wieder einstellen. „Die Borussia hat den Anspruch am Ende der Saison einen Champions-League-Platz zu erobern. Nicht mehr und nicht weniger“, sagt Döring. „Nach der vergangenen Saison hegt keiner die Ambition, der Bayernjäger zu sein.“ Den Grund erklärt Kollege Weßling: „Die Borussia ist noch nicht so konstant und gefestigt wie der FC Bayern.“ Für den BVB gehe es in dieser Runde und das erneute Erreichen der Königsklasse. „Ich bin sicher, dass das klappt“, so Weßling.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte bereits vor kurzem gemahnt, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Den jüngsten Hype fand er „jetzt schon wieder ein bisschen zu übertrieben.“ Man macht nie alles richtig und nie alles falsch. Wir haben letztes Jahr eine extrem schwierige Saison gehabt. Und trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass wir nichts Grundlegendes falsch machen. Die neue Saison beweist das bislang: In Bürki und Weigl spielen zwei Neuzugänge, der Rest war auch im letzten Jahr schon dabei.“

Jürgen Klopp habe dem BVB zum guten Saisonstart gratuliert, ergänzt Watzke. “Er hat sieben Jahre Toparbeit abgeliefert. Aber das wurde ja nicht leichter. Es gibt immer Mechanismen, die sich einschleifen. Du kannst nicht jeden Tag das Rad neu erfinden. Das heißt: Der Reiz des Neuen ist jetzt da.” Tuchel hat an den richtigen Details angesetzt. Dem BVB ist wieder viel zuzutrauen. Aber nicht der Sprung, die Bayern wieder vom Thron zu stoßen.

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Über die Autoren Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

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