Ryo Miyaichi beim FC St. Pauli - der Hoffnungsträger als Unglücksrabe

DasSportWort goes Japan: Ryo Miyaichi – St. Paulis Kreativlösung mit Kreuzbandriss

Manchmal ist der Fußball auch gemein. Beim FC St. Pauli drehte sich in der Saisonvorbereitung fast alles um den Japanischen Kicker Ryo Miyaichi, den Hamburgern gelang ein Coup mit der Verpflichtung des Nationalspielers vom FC Arsenal. Die Kolumne für yahoo in Japan war schon fertig geschrieben, da riss sich der Hoffnungsträger der Kiezkicker das Kreuzband. Bitter für den Spieler und den Klub. Trotzdem habe ich mich mit Miyaichi und dem FCSP beschäftigt. Der Kollege  Takashi Sugiyama hat  übersetzt.  Titelbild: Screenshot.

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Ryo Miyaichi – von St. Paulis Hoffnungsträger zum Pechvogel

von David Nienhaus

Schwarze Fahnen wehen über dem Gebäude am Heiligengeistfeld in Hamburg. Nicht auf halbmast, auch wenn es sportlich Grund genug dafür gäbeein paar Tage für Saisonstart. Das Stadion ist besetzt. Hier regiert der FC St. Pauli und von den Plakaten am Millerntorstadion grüßen Totenköpfe. Während andere Vereine ihre Identität oder eine Nische suchen, in Hamburg hat der Klub vom Kiez sein Image nie geleugnet – im Gegenteil: der Zweitligist ist zum Kult geworden.

Spieler, die neu nach Stankt Pauli kommen, beschreiben es als „etwas andere Welt“ im Fußballgeschäft. Der Verein macht keinen Hehl daraus, anders zu sein. Die Paulianer stehen wie kein anderer Verein in Deutschland für die gelungene Vermengung zwischen Fußball und Politik, im linkspolitischen Leitbild ist abzulesen: für Toleranz, Weltoffenheit, Respekt – gegen Rassismus und Diskriminierung. Auch deshalb nennen viele Fußballfans in Deutschland den FC St. Pauli als ihren liebsten Zweitverein – über elf Millionen Sympathisanten soll der Klub hierzulande haben.

Die neue Kolumne für Sportsnavi von Yahoo in Japan: Ryo Miyaichi und der FC St. Pauli.
Die neue Kolumne für Sportsnavi von Yahoo in Japan: Ryo Miyaichi und der FC St. Pauli.

Und mittendrin: Ryo Miyaichi. Eigentlich. Der junge Japaner kam vor der Saison vom FC Arsenal nach Hamburg, zum letzten Stadtteil-Club im deutschen Profifußball, und will nach etlichen Leihvereinen in den vergangenen Jahren – Feyenoord Rotterdam (2011), Bolton Wanderers (2012), Wigan Athletic (2013) und zuletzt Twente Enschede – endlich eine sportliche Heimat finden. Die Hansestadt und der etwas andere Verein scheinen dafür wie gemacht zu sein. „Neue Spieler bekommen zu Beginn jeder Saison erst mal eine Führung durch das heimische Gelände und werden im „Jolly Roger“ auf ihre Fans losgelassen, die sie später im Stadion am Millerntor euphorisch unterstützen“, beschreibt die Zeitung „taz“ die ersten Tage von Neuzugängen beim FC St. Pauli. „Nur dann versteht man diesen Verein wirklich“, wird der ehemalige Trainer Holger Stanislawski in den Artikeln zitiert.

Zeit dafür, die Stadt und die Menschen in Hamburg kennenzulernen, hat Miyaichi in den kommenden sechs bis acht Monaten genug. Dann steht Reha auf seinem Tagesplan, schuften mit den Physiotherapeuten an seinem Comeback. Am Donnerstag ergab eine Untersuchung seines lädierten Knies: Kreuzbandriss! Pause für den Japaner, statt Punk auf dem Platz.

Dabei hatte Miyaichi schnell verstanden, was St. Pauli bedeutet. Auf seiner ersten Pressekonferenz begrüßte er die Journalisten mit den Worten: „Guten Tag, ich bin Ryo“, schon nach wenigen Tagen kannte er alle Mitspieler mit Vornamen „ und war sofort ein Herz und eine Seele mit Lasse Sobiech“, erzählt Stefan Krause von der „Hamburger Morgenpost“. Ryo sei ein äußerst angenehmer Mensch, der sich schnell und überragend eingelebt habe, weiß der Journalist.

Sobiech war dem Japaner dabei eine große Hilfe. „Er ist ein geiler Typ“, schwärmte der Verteidiger über seinen neuen Mitspieler und adoptierte Miyaichi. „Wir unterhalten uns auf Englisch und ich habe mit ihm auch schon Wohnungen besichtigt und eine passende gefunden. Mir macht es Spaß, weil er charakterlich top und sehr lernwillig ist. Auch seine Frau, die bald nach Hamburg kommt, lernt Deutsch“, erzählt Sobiech. „Wir liegen auf einer Wellenlänge. Zum Beispiel, was dicke Autos angeht. Die brauchen wir beide nicht.“ Das kommt gut an auf dem Kiez, dort, wo der Profifußballer nicht mit einer Luxuskarosseaufbieten muss – auch wenn Statussymbole bei den Freibeutern nicht verpönt sind.

Die neue Kolumne für Sportsnavi von Yahoo in Japan: Ryo Miyaichi und der FC St. Pauli.
Die neue Kolumne für Sportsnavi von Yahoo in Japan: Ryo Miyaichi und der FC St. Pauli.

Immerhin: Ryo Miyaichi könnte der neue Star am Millerntor werden – wenn auch mit langem Anlauf nach seiner Knie-Operation. Neben Sobiech, der schon vergangenen Saison vom Hamburger SV an den Kiezbklub ausgeliehen war, ist der Japanische Offensivmann der bislang einzige Neuzugang beim FC St. Pauli. Neun Spieler haben den Klub verlassen, darunter die Leistungsträger wie Dennis Daube, Sebastian Schachten, Julian Koch und Christopher Nöthe. Die Hoffnungen, dass Miyaichi das Team sofort auf einanderes Level hebt, waren groß: „In den vergangenen Jahren schwächelte der Verein insbesondere in der Offensive“, weiß Maik Krükemeier vom Übersteiger-Blog, dem Fanzine des FC St.Pauli. „Dies mag an den Stürmern selbst gelegen haben, aber eben vielleicht auch an den fehlenden Alternativen über außen.“ Diese Aufgabe sollte Miyaichi erfüllen, wobei ihn seine Stärke mit beiden Füßen sowie seine Schnelligkeit natürlich als Option für beide Außenbahnen zulässt, wo er sich links mit Daniel Buballa und rechts mit Waldemar Sobota um einen Startplatz hätte duellieren sollen. „Er sollte die Vorbereiterrolle ausfüllen“, erklärt Krükemeier.

Auch daran krankte es in der Vergangenheit. Als Tabellenfünfzehnter ging St. Pauli in der zurückliegenden Saison durchs Ziel, lange bangte der Kultklub um den Klassenerhalt in der zweiten Fußball-Bundesliga. Das soll in dieser Spielzeit nicht passieren. Langsam möchte sich der FC St. Pauli wieder nach oben pirschen, einen Weg der kleinen Schritte vollziehen, um dann irgendwann wieder im Konzert der ganz Großen mitspielen zu können. Ein langer Weg.

Miyaichi kam als Hoffnungsträger mit großen Vorschusslorbeeren nach Deutschland. „Japan-Juwel“, „St. Pauli-Rakete“, „Ryodinho“ und „Japan-Messi“ war in den Medien schon zu lesen.

„Er passt voll in unser Anforderungsprofil, zudem ist er charakterlich ein super Junge. Wir sind davon überzeugt, dass er unser Offensivspiel mit seinen Qualitäten voranbringen wird“, sagte Sportchef Thomas Meggle bei der Vertragsunterschrift des Nationalspielers. Ewald Lienen erklärte die Stärken des Youngsters: „Ryo ist ein schneller und technisch guter Spieler, ist sowohl auf der linken als auch auf der rechten offensiven Außenbahn zu Hause.“ Und er ist schnell. Blitzschnell, so Assistenzcoach Ramdane: „Ich war als Spieler schnell, aber Ryo ist eine Rakete.“

„Sportlich konnte er wegen einer Achillessehnenverletzung bislang nur andeuten, was er drauf hat“, sagt Krause im Gespräch mit Sportsnavi. Aber die Geschwindigkeit habe er schon angedeutet, genau so wie die Tatsache, dass er „keinen Zweikampf scheut und auch Kopfbälle gewinnt.“ Ausgerechnet im Saison-Eröffnungsspiel dann der Schock: St. Pauli schlug Rayo Vallecano mit 4:2, verlor aber – Ryo Miyaichi.

„Ich freue mich auf das Stadion und kann es nicht abwarten, hier auf dem Rasen zu stehen“, sagte der 22-Jährige bei seiner Vorstellung vor einigen Wochen. „Der FC St. Pauli ist in Japan ein sehr bekannter Verein“, erklärte er. „Und ich weiß, dass der Klub fantastische Fans hat.“

Diese werden den Youngster trotz des schweren Rückschlags feiern, wenn er sich im Stadion blicken lässt. Zur Rückrunde dürfte der Japaner dann sein Comeback feiern. Wo sein Verein dann tabellarisch stehen wird, steht natürlich noch nicht fest. Der Verlust des Hoffnungsträgers hinterlässt aber eine herbe Lücke auf der Außenbahn.

Eigentlich lässt „die Gesamtmixtur vermuten, dass Miyaichi in St. Pauli über kurz oder lang zum Publikumsliebling wird, wenn es mit der Leistung stimmt“, so Krause. Spätestens nachdem er den deutschen Kultsong von Das Bo: „Türlich, türlich, sicher, Dicker“ performt hat, ist das der Fall. Und mit der tragischen Geschichte im Gepäck erst recht.

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Über die Autoren Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

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