Hosogai und Haraguchi von Hertha BSC - offenbar kann immer nur ein Berliner Japaner gut spielen. Foto: TwitterHosogai und Haraguchi von Hertha BSC - offenbar kann immer nur ein Berliner Japaner gut spielen. Foto: Twitter

DasSportWort goes Japan: Rollentausch bei Berlins Japanern – Haraguchi top, Hosogai flop

Was ist los mit Berlins Japanern? Erst spiel Hajime Hosogai überragend, Genki Haraguchi war erst nur eine Investition in die Zukunft. Jetzt ist Hosogai kein Faktor mehr, in einem Formtief und verletzt und Haraguchi startet durch. In der 46. Kolumne für sportsnavi in Japan habe ich die Gründe dafür gesucht.  Die Kollegen Francois Duchateau und  Takashi Sugiyama haben übersetzt.

対照的なヘルタ・ベルリンの2人 苦しむ細貝と試合に出続ける原口の未来 – ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト

大きく変貌を遂げたヘルタ

5カ月前にわれわれは細貝萌と原口元気、そしてヘルタ・ベルリンについて執筆した。移ろいやすいサッカーというビジネスの世界で、5カ月というのはあまりに長い時間だ。数週間のうちに順位表はガラリと変わりうるし、監督交代が行われていることだってある(残念ながら、1度とは限らない)。選手が目覚ましい変貌を遂げていることだってあるし、そのまったく反対の状況に陥ることもある。ヘルタはその本拠地たる巨大都市ベルリンよろしく、その表情を大きく変えてきた。weiterlesen…

Rollentausch bei Berlins Japanern –  Haraguchi top, Hosogai flop

Fünf Monate ist es her, da haben wir an dieser Stelle über Hajime Hosogai, Genki Haraguchi und den deutschen Hauptstadtklub Hertha BSC aus Berlin gesprochen. Fünf Monate sind im schnelllebigen Fußballgeschäft eine sehr lange Zeit. Eine Tabelle kann schon in wenigen Wochen komplett ihr Bild verändern, Trainer kommen und gehen und Spieler können in ihrer Entwicklung explodieren. Oder auch stagnieren. Berlin bietet die komplette Palette.

Die „Alte Dame“ aus dem Westen der Stadt stand, als wir uns im November 2014 mit ihr beschäftigt haben, auf dem 14. Rang der Bundesliga-Tabelle. Ein Platz höher verabschiedete sich der Klub in die Winterpause, danach ging es nach zwei Niederlagen auf einen Abstiegsplatz. Trainer Jos Luhukay wurde entlassen und Pal Dardai, ehemaliger Hertha-Spieler und Trainer der ungarischen Nationalmannschaft, übernahm das Ruder im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. In gesichertem Fahrwasser ist der Verein auch kurz vor Saisonende noch nicht. Aber dazu später mehr.

Haraguchi und Hosogai von Hertha BSC. Foto: Twitter
Schon im November 2014 haben wir über Haraguchi und Hosogai geschrieben. Die Kolumne gibt es hier. Foto: Twitter

Die Karten im Team wurden unter Dardai neu gemischt. Der unter Luhukay noch so wichtige Hajime Hosogai spielte plötzlich keine Rolle mehr. Journalist Jörn Meyn von der Berliner Morgenpost kennt die Gründe. „Der Trainer hat sich entschlossen, Fabian Lustenberger im defensiven Mittelfeldspielen zu lassen“, erklärt Meyn gegenüber Sportsnavi. Unter Luhukay lief der Kapitän immer als Innenverteidiger auf; für Dardai ist der Schweizer „der beste Mittelfeldspieler“. Die Position vor der Abwehr war also besetzt. Neben Lustenberger setze der neue Coach auf spielstärkere Sechser: Per Skjelbred spielte dort oder auch Peter Niemeyer.

Hosogai ist offensiv schwächer als Lustenberger, fußballerisch besser als Niemeyer, aber er ist keiner, der die Offensive belebt“, weiß auch Andreas Hunzinger vom Fußball-Fachmagazin „kicker“. Er sei der klassische Verwalter dieser Position. Er war plötzlich nur noch vierte Wahl.   Das sind die rein sportlichen Gründe für Hosogais Nicht-Berücksichtigung. Nur: die ganze Wahrheit ist das noch nicht. Malte Achilles von der „Bild“ in Berlin beobachtete „schlechte Körpersprache“ Hosogais, die dem Trainer überhaupt nicht gefallen haben. Hosogai wirkte schon unter Luhukay überspielt, konnte nicht mehr an die überragende Leistung der vergangenen Saison anknüpfen.

„Vielleicht ist Hosogai mit dem Anspruch, führen zu wollen, nicht klar gekommen.“ Diesen Eindruck hatte jedenfalls Hunzinger im Berliner Wintertrainingslager in der Türkei. Vor der Partie gegen den VfB Stuttgart, sechs Spiele später, Anfang Februar baten Dardai und Sportdirektor Michael Preetz den 28-Jährigen zu einem „Sechs-Augen-Gespräch“, um zu ergründen, warum Hosogai in einem Tief steckte. „Durch die Blume soll Hosogai gesagt haben, dass die Nicht-Nominierung für die Weltmeisterschaft im Sommer und auch für den Asien-Cup sehr beschäftigt hat“, erzählt Reporter Achilles, der ergänzt: „Man merkte, dass er viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt war.“ Mit sich. Und mit Genki Haraguchi.

Als der junge Japaner nach Deutschland kam, nahm Hosogai ihn unter seine Fittiche. „Er war sein ‚Mädchen für alles‘ – auf und neben dem Platz“, sagt Meyn. „Darunter hat seine eigene Konzentration auf die Arbeit gelitten. Er hat sich um den Neuzugang gekümmert, aber sich selbst dabei vergessen“, ergänzt Achilles.

Hosogai selbst bestreitet all das. Er wisse, dass er in einem Tief stecke. Gerade als ihm der Coach attestierte, besser zu trainieren und an der Körpersprache gearbeitet zu haben, kam die Verletzung, die ihn bis heute aus dem Verkehr zieht. Der Japaner hat eine offene Wunde am Fuß, die nur schwer verheilt. Vereinsarzt Dr. Ulrich Schleicher versucht, mit Antibiotika den Heilungsprozess zu beschleunigen, aber „für Hosogai wäre kein Platz im Kader, selbst wenn er gesund wäre“, glaubt der Bild-Mann. Er glaube, „dass er diese Saison keine Rolle mehr spielen wird.“

Die 46. Kolumne bei sportsnavi - Hosogai und Haraguchi von Hertha BSC Berlin
Die 46. Kolumne bei sportsnavi – Hosogai und Haraguchi von Hertha BSC Berlin

Ganz anders sieht das hingegen bei Haraguchi aus. „Die Rollen der beiden haben sich in die entgegensetze Richtung entwickelt“, erklärt Achilles. Hosogai sei vom Leistungsträger und unumstrittenen Mittelfeldmann zum Tribünenhocker geworden; Haraguchi wurde vom Nobody zum Stammspieler. „Nach einem guten, kurzen Start bei seinem neuen Klub warf ihn eine Verletzung zurück“, erinnert sich Meyn, der das auch im November für Sportsnavi analysierte. Andere Spieler konnten punkten und der erst 23 Jahre junge Japaner verlor das Selbstbewusstsein. Als der neue Trainer kam, hatte Haraguchi einen schweren Stand. In den ersten fünf Spielen unter dem neuen Coach spielte der Japaner keine einzige Minute. Er trainierte fleißig und hatte Glück, dass sich Änis Ben-Hatria verletzte und Dardai Valentin Stocker ins Zentrum beorderte. Die linke Außenbahn war frei für Haraguchi. Er nutzte seine Chance auf Schalke, wo er sein erstes Tor für die Hertha erzielte.

Dardai lobt den Youngster mittlerweile in höchsten Tönen: Haraguchi sei immer eine Waffe, schnell, beweglich und fabriziere „immer etwas Überraschendes“. Auch seine gesteigerte Aggressivität hebt der Trainer hervor. „Er kommt besser zurecht mit dem Zweikampf- und physisch harten Fußball in Deutschland“, erklärt Hunzinger. An seinem Talent besteht kein Zweifel. Das bedeutet aber auch, dass der Spieler „noch Luft nach oben hat.“ Beispielsweise sieht der „kicker“-Reporter noch „Probleme, wenn in den Offensivduellen die Physis ins Spiel kommt.“  Hunzinger erinnert sich an ein Interview, dass der ehemalige Spieler der  Urawa Red Diamonds dem Fachmagazin gegeben hatte: „Den Zweikampf gewinnt am Ende immer der Deutsche“, hat Haraguchi gesagt. „Ich muss versuchen, mit Tempo und Beweglichkeit am Gegner vorbeizukommen. Wenn er mich zu packen kriegt, ist der Ball meistens weg.“ Mittlerweile aber leiste er deutlich mehr Widerstand und sei taktisch viel besser geworden, so der Redakteur.

Auch privat ist der 23-Jährige in der deutschen Hauptstadt angekommen. Sein Freundin kommt ihn besuchen, er hat das Gitarre spielen für sich entdeckt und mit einem kleinen Hund einen treuen Wegbegleiter. „Mit dem Welpen geht er ziemlich häufig in der Stadt spazieren, der lenkt ihn ab und hat ihm durch die schwierige Zeit geholfen“, lacht Achilles.

Für den Rest der Saison steht wohl fest: Hosogai wird nicht mehr zum Zuge kommen, an Haraguchi führt kein Weg dran vorbei. Hertha hat ein schwieriges Restprogramm im Kampf um den Klassenverbleib. Ein Hochkaräter jagt den nächsten. „Das kann noch mal dunkel werden“, ahnt Meyn. Aber: sie kämpfen richtig um den Klassenverbleib. Dardai hat der Mannschaft neue Stabilität verliehen. Die Hertha steht stabiler, ist ein Stück weiter nach hinten gerückt. Außerdem „haben sie auch Glück, dass die individuellen Fehler nicht mehr so bestraft werden, wie in der Hinrunde“, sagt der Mann der Berliner Morgenpost. Die Spieler würden deutlich mehr laufen und seien wesentlich zweikampfstärker geworden.  „Die Abstände in den Blocks sind besser geworden“, bestätigt auch Hunzinger. Das sei eigentlich etwas, was Hosogai in die Karten spielen würde. Aber er steht ja zur Zeit nicht zur Verfügung.

Sollte der Hauptstadtklub die Klasse halten und in der Fußball-Bundesliga bleiben, wird Pal Dardai einen neuen Vertrag bekommen. Doch wie sieht dann die Zukunft von Hosogai und Haraguchi aus? Um den Youngster braucht sich keiner Sorgen zu machen, auch „wenn man ihn erst in der kommenden Saison richtig bewerten kann“, sagt Achilles. Bei Hosogai liegen die Dinge anders. Hertha will sich auf der Sechserposition verstärken, der Japaner trägt die Last der schlechten Saison mit sich herum. Der Ungar sei keiner, der nachtragend ist oder Spieler auf Dauer abschreibt, glaubt Hunzinger: „Wenn er sich extrem steigert, bekommt er wieder eine Chance.“ Das sagt auch Meyn: „Ich persönlich halte eine Menge von Hosogai. Ich glaube, dass er für einen Klub wie Hertha ein richtig guter Sechser sein kann. Mein Gefühl sagt mir, dass sie ihn nicht weggeben.“

Bleibt Berlin in der Liga, werden die Karten zur kommenden Saison wieder neu gemischt. Dann kann es wieder ganz schnell gehen. Vielleicht ja sogar mit einem wiedererstarkten Hosogai und einem immer noch starken Haraguchi.

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Über die Autoren Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

(Auf der nächsten Seite gibt es die englische Übersetzung …)

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