Der VfL Wolfsburg mausert sich zur zweiten Kraft der Bundesliga. Screenshot Twitter

DasSportWort goes Japan: Warum Wolfsburg Bayern München gefährlich wird

In Wolfsburg herrscht die neue Sachlichkeit. Seitdem der ruhige Dieter Hecking das Traineramt und der erfahrene, nicht weniger besonnene Klaus Allofs den Posten des Managers beim VfL übernommen haben, zeigt der Trend des Klubs klar noch oben. In der Fußball-Bundesliga haben sich die Niedersachsen als zweite Kraft etabliert, die Champions League haben die Wölfe klar im Visier. Ebenso wie einen Titel in dieser Saison.  In der 45. Kolumne für sportsnavi in Japan habe ich mich dem Verein befasst.  Die Kollegen Francois Duchateau und  Takashi Sugiyama haben übersetzt.

驚くべき進化を遂げたヴォルフスブルク 資金力で王者を脅かす小クラブの野心
ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト
タイトルへの大きな渇望

Die 45. Kolumne bei sportsnavi - Der VfL Wolfsburg greift Bayern an
Die 45. Kolumne bei sportsnavi – Der VfL Wolfsburg greift Bayern an

「まるで今シーズンのタイトルを勝ち取るかのような勢いだ」。『キッカー』誌でヴォルフスブルクを担当し、クラブのポテンシャルを知るトマス・ヒーテはそう話す。また、『スカイスポーツ』のユレク・ローベルグは確信を込めて語る。「今年のヴォルフスブルクは、カップは獲るだろうね」。

インテル相手のヨーロッパリーグでも、ヴォルフスブルクが問題を抱えることはなかった(2戦合計、5−2で勝利)。ドルトムントと似たような危機に直面しているこの伝統あるイタリアのクラブは、フォルクスワーゲンの工場の影の中でまともに動けずにいた。次に当たるのがナポリだろうが、ヨーロッパのカップさえもヴォルフスブルクはその視野に収めている。weiterlesen…

Der VfL Wolfsburg wird den Bayern gefährlich werden

„Gefühlt holen die diese Saison einen Titel“, sagt Thomas Hiete und der muss es ja wissen. Für das deutsche Fußball-Fachmagazin „kicker“ begleitet der Journalist den VfL Wolfsburg und weiß um die Möglichkeiten des Vereins. Auch Jurek Rohrberg vom Fernsehsender „Sky Sport News HD“ ist sich sicher: „Dieses Jahr holen die Wolfsburger einen Pokal.“ Spielerisch leicht setzte sich der VfL in der Europa League gegen Inter Mailand durch – der italienische Renommierklub steckt zwar in einer sportlichen Krise, wie hierzulande Borussia Dortmund, aber so viel Wahrheit verträgt man locker im Schatten der VW-Werke zu Wolfsburg. Der Gewinn des Europapokals ist auch nach dem Los mit SSC Neapel nicht ausgeschlossen in Niedersachsen.

Dort, im beschaulichen Nordwesten Deutschlands, ist die Sehnsucht nach einem Titel groß. Vor allem bei der Volkswagen AG. Der Mutterkonzern, Europas größter Autobauer, ist der potenter Geldgeber für den Werksklub. Der Verein ist PR-Instrument für VW. „Der Konzern sieht den VfL als Imageträger und versucht, ihn mit welchen Mitteln auch immer zum Erfolg zu bringen“, erklärte Sportbusiness-Experte Prof. Dr. Alfons Madeja jüngst im Handelsblatt. Geld ist das Mittel, mit dem Volkswagen den Erfolg des Klubs herbeiführen will. So viel Geld, dass in der zweitkleinsten Bundesliga-Stadt der europäische Fußballverband UEFA ganz genau hinschaut. Der Verband beobachtet Wolfsburg wegen möglicher Verstöße gegen das viel diskutierte „Financial Fairplay“. Mit einer Mischung aus Investment und Sponsoring schöpft der Wirtschaftsriese den Rahmen der „50+1-Regel“ voll aus. Zahlen machen das deutlich: „223,5 Millionen Euro bezahlte der VfL seit 2010 an Ablösesummen, durchschnittlich 44,3 Millionen Euro pro Saison“, rechnete Sportredakteur Lutz Wöckener Anfang des Jahres aus. Der Journalist der „Welt“ erklärte weiter: „Rechnet man die Transfererlöse ein, bleibt ein Fehlbetrag von 108,28 Millionen Euro. Eine Differenz, die nur vom FC Bayern übertroffen wird.“

Jubel bei den Wölfen - die Fans feiern das bei Twitter. Screenshot
Jubel bei den Wölfen – die Fans feiern das bei Twitter. Screenshot

Mit Bayern München wollen sich die Wolfsburger mittelfristig um die Deutsche Meisterschaft messen, in dieser Saison ist der deutsche Rekordmeister mit acht Punkten Vorsprung auf den VfL wohl nicht mehr einzuholen. Den sportlichen Abstand des deutschen Topklubs aber will man in Niedersachsen einholen. Erstaunlich, blickt man auf die Historie des Klubs. Es ist ein steiler Aufstieg eines kleinen Vereins, der zwischen den Traditionsklubs Hannover 96 und Eintracht Braunschweig immer um Wahrnehmung kämpfen musste und muss.

Lange dümpelte der VfL in unteren Ligen herum, ehe Manager Peter Pander Mitte der 1990er die Strukturen des Vereins änderte und maßgeblich daran beteiligt war, den Aufbruch in ein neues Zeitalter zu schaffen. 1997 gelang dem Werksklub der Aufstieg in die Bundesliga, mehr als Mittelmaß aber war Wolfsburg nie. Da half auch nicht die neue, moderne „Volkswagen-Arena“, die sich der Verein 2002 gönnte. Trainer kamen und gingen, alternde Stars, wie beispielsweise Stefan Effenberg, wurden geholt, um dem Klub Profil zu schaffen und trotzdem stieg der VfL 2006 und 2007 fast ab. Erst als Felix Magath die Ruder übernahm, feierte der Verein den großen Wurf. 2009 wurde der VfL Wolfsburg mit dem japanischen Mittelfeldmann Makoto Hasebe überraschend Deutsche Meister. „Das hatten die damals gar nicht geplant“, erinnerte sich Hiete im Gespräch mit Sportsnavi. Volkswagen spielte in der Champions League, wähnte sich bereits am Ziel, und verschwand danach wieder im Mittelmaß – nachhaltiger Erfolg war mit Magath nicht käuflich.

Mit einer neuen Strategie erhofft sich der Konzern nun dauerhaften Erfolg. Der wirtschaftliche Kraftakt, bei dem die Einnahmeseite zu vernachlässigen ist, wird zwar nicht geringer, aber mit Klaus Allofs als Sportchef und Dieter Hecking als Trainer will der VfL Wolfsburg nachhaltig zum Angriff auf den Ligakrösus blasen. „Konzept, Kontinuität und Geld“, seien die Stichpunkt für das neue Wolfburger Projekt, weiß Redakteur Hiete: „Das alles ergibt eine explosive Mischung.“ Allofs gehört zu den besten Managern der Liga, „er hat ein glückliches Händchen bei Transfers“, so Sky-Reporter Rohrberg. Jahrelang hat das in Werder Bremen gezeigt und die Norddeutschen zum Erfolg geführt. Hecking gilt als bodenständiger Mensch, der „ein gutes Feeling für die Spieler hat“, erklärt der Fernsehjournalist. Hecking redet von „Schicht“ und „harter Arbeit“, wohlwissend um das Klientel und die Kundschaft vor der eigenen Haustür. „Sie harmonieren unglaublich gut zusammen“, erzählen Hiete und Rohrberg unisono. Sie funken auf einer Wellenlänge. „Wir wollen dieses Projekt nach vorne bringen“, erklärt der Coach, und korrigiert sich: Von „Projekt“ könne man jetzt eigentlich nicht mehr reden, „weil viel zu viel Emotionen drin sind. Der sympathische Hecking soll den Klub nahbar machen. Er spricht von Bier und Currywurst, nicht von Champagner und Kaviar.

Auf dem Weg nach Europa - die Wölfe greifen die Champions League an.
Auf dem Weg nach Europa – die Wölfe greifen die Champions League an.

Ein Schicksalsschlag ließ den Verein in der Winterpause näher zusammenrücken. Der belgische Jung-Nationalspieler Junior Malanda starb mit nur 20 Jahren bei einem tragischen Autounfall. Ein Schock für die Bundesliga, ein harter Schlag für den VfL. „Ich glaube, wir haben gezeigt, dass der VfL Wolfsburg nicht nur der Werksclub ist. Wir haben ein menschliches Bild abgegeben“, erklärt Hecking die Wochen nach den traurigen Ereignissen. Der Trainer führte viele Einzelgespräche, half den Spielern bei der Trauerarbeit. „Junior war der Gute-Laune-Bär in der Truppe und bei allen beliebt“, so Rohrberg gegenüber Sportsnavi. Bis heute sprechen seine Teamkollegen regelmäßig von ihm. Er ist noch immer Teil der Mannschaft. In Fußball-Deutschland wurde diskutiert: Wie verkraftet der Verein diese Tragödie um den Spieler, der aus ihrer Mitte gerissen wurde? „Junior würde sich freuen, wenn wir die Bayern schlagen“, sagte Hecking vor dem Rückrundenauftakt und Wolfsburg gewann. Nein, sie demütigten die Über-Bayern mit einem 4:1-Sieg, der den Tabellenführer aufschrecken ließ. „Wir zehren von diesem Tag“, gesteht der Coach, der mit seiner Mannschaft in diesem Jahr bislang nur ein Spiel verloren hat.

In Wolfsburg bekommen die Fans Spektakel geboten – 4:1, 5:4, 5:3 in der Liga, dazu noch die Siege gegen Inter Mailand in der Europa League und das Erreichen der letzten Acht im nationalen DFB-Pokal. „Wir liegen vor unserer zeitlichen Zielsetzung deutlich voraus. Herausragend“, freut sich Hecking über den Status Quo. Der Trainer hat eine Mannschaft entwickelt, die sich als zweite Kraft in dieser Saison etabliert hat. Ein Spieler ragt dabei im grünweißen Dress ganz besonders heraus: Kevin de Bruyne. „Überragend“, nennt Rohrberg den Offensivmann. Trainer und Spieler haben „zueinander gefunden“, lacht Hecking., der den belgischen Nationalspieler als einen seiner „Wichtigsten“ bezeichnet. Aber nicht nur de Bruyne, Topscorer der Liga mit neun Toren und sage und schreibe 17 Vorlagen, ist für den derzeitigen Erfolg des Teams verantwortlich. „Klar, es steht und fällt vieles mit De Bruyne“, analysiert der „kicker“-Journalist für Sportsnavi, aber der gesamte Kader sei sehr homogen. „Die Achse mit Naldo, Luiz Gustavo, de Bruyne und Bas Dost funktioniert klasse“, so Hiete. Auf den niederländischen Stürmer hätte der Redakteur „vor drei Monanten nichts gegeben“. Aber wenn es erst mal läuft, dann läuft’s. Der Angreifer erzielt bereits elf Tore in der Rückrunde.

Weltmeister André Schürrle wartet hingegen noch auf seinen ersten Treffer im neuen Trikot. Für 32 Millionen Euro holte Wolfsburg den Offensivmann vom FC Chelsea zurück in die Bundesliga – und setzte damit nicht nur finanziell ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz. Seht her, wir machen jetzt ernst, so das Signal an den Rest der Liga und damit natürlich auch an dem Primus aus München. Ähnlich viel Aufsehen erregte der VfL, als er Xizhe Zhang vorstellte. Allerdings weniger in Deutschland, als mehr in China. Rund 40 Millionen Menschen saßen in Zhangs Heimat gebannt vor dem Fernseher, als der chinesische Nationalspieler bei seinem neuen Klub vorgestellt wurde. Hecking bezeichnet den 23-Jährigen als seine „Geheimwaffe“, einsetzen aber wollte der Trainer sie noch nicht. Während Schürrle nach seinem Wechsel nach Deutschland noch „ein paar Prozent“ fehlen, um wieder anzugreifen, dürfte Xizhe Zhang vor allem ein PR-Transfer für VW gewesen sein, denn der Auto-Riese sieht in der Volksrepublik seinen wichtigsten Wachstumsmarkt. Und da ist sie wieder, die Verbindung zwischen Investment und Sponsoring.

Hierzulande will der VfL Wolfsburg weiter wachsen. Der Klub gehört mittlerweile zu den zehn besten Fußball-Teams der Welt, darf man Frank Verweijen glauben. Der Holländer betreibt die Internetseite clubworldranking.com und für seine Ranglisten wertet der 66-Jährige die 40 Top-Ligen der Welt aus. Aber auch ohne so eine Tabelle, würden die Bayern deutlich wahrnehmen, dass es den VfL gibt, erklärt Hecking und Hiete weiß: „Ja, der VfL kann München irgendwann gefährlich werden!“ Natürlich müsse Bayern auch schwächeln, „aber mit dem Geld im Hintergrund und einer Teilnahme in der Königsklasse“ sei ein Angriff auf die den deutschen Rekordmeister auf Dauer möglich. „Das spricht noch keiner aus, aber sie wollen selbstverständlich die Deutsche Meisterschaft holen“, so Rohrberg. Im kommenden Jahr werden sie schon wesentlich enger um den Titel konkurrieren.

Ob es Wolfsburg allerdings gelingt, sein Tafelsilber mit beispielsweise Kevin de Bruyne zu halten, stellen beide Journalisten zur Diskussion. Wenn ein Verein wie Real Madrid anklopfe, wäre de Bruyne wohl nicht zu halten. Und vielleicht reichen sogar schon Klopfzeichen aus München. Letztlich bleibt der VfL ein „Ausbildungsverein für die ganz großen Klubs“ (Hiete).

Von einem ganz großen Klub ist der VfL Wolfsburg noch weit entfernt – denn Name und Historie spielen dabei eben doch noch eine entscheidende Rolle. Nicht nur der jüngste Erfolg und die vermeintlich golden Zukunft. Titel allerdings könnten den Niedersachsen helfen, auf die nächst höhere Stufe zu gelangen.

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Über die Autoren Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

(Auf der nächsten Seite gibt es die englische Übersetzung …)

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