Atsuto Uchida vom FC Schalke steht den Japanischen Journalisten Rede und Antwort Foto David Nienhaus

DasSportWort goes Japan: Uchidas neue Aufgaben auf Schalke

Wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist, zeigt sich an den folgenden Zeilen über Atsuto Uchida vom FC Schalke 04. Der Japaner und die Königsblauen waren vor kurzem noch die Deppen, die das Derby gegen Dortmund chancenlos verloren, jetzt, eine Woche später fahren die Königsblauen mit einem souveränen 3:1-Sieg gegen Hoffenheim im Rücken zu Real Madrid.  Die Kollegen von sportsnavi in Japan wollten in der 44. Kolumne lesen, wie sich Uchida im Hinspiel (0:2) gegen Cristiano Ronaldo gemacht hat und ob sich seine Rolle unter Roberto Di Matteo geändert hat. Mein Kollege Takashi Sugiyama hat die Story übersetzt.

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Atsuto Uchida gegen Cristiano Ronaldo - die 44. Kolumne für sportsnavi in Japan befasst sich mit dem Schalker Abwehrspieler. Screenshot
Atsuto Uchida gegen Cristiano Ronaldo – die 44. Kolumne für sportsnavi in Japan befasst sich mit dem Schalker Abwehrspieler. Screenshot

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Schalkes Publikumsliebling Uchida hat unter Di Matteo mehr Verantwortung

Von David Nienhaus

Atsuto Uchida liegt am Boden und schaut dem Ball hinterher. Das Spielgerät zappelt in den Maschen, die vom frenetischen Jubel der Südkurve vor Freude zu tanzen scheinen. Uchida vergräbt den Kopf unter dem Armen, den dufte der Derbyniederlage in der Nase. Schalke verliert das wohl prestigeträchtigste Spiel des Jahres völlig chancenlos mit 0:2 bei Borussia Dortmund. Der nächste Rückschlag für die Königsblauen nach der Niederlage in der Champions League gegen Real Madrid vor wenigen Tagen.

Japan-Buch über Schalke-Spieler Atsuto Uchida von Francois Duchateau und David Nienhaus
Japan-Buch über Schalke-Spieler Atsuto Uchida von Francois Duchateau und David Nienhaus

Dort hatte es Schalkes Japaner mit keinem geringeren als dem Weltfußballer des Jahres zu tun. Im engen Defensivkorsett mit einer Fünferkette vor dem eigenen Tore, musste sich Uchida nicht selten um Superstar Cristiano Ronaldo kümmern – eine Mamutaufgabe für den Außenverteidiger, die er solide erfüllte. Der Japaner störte seine Gegenspieler „meist effektiver als Aogo auf der linken Seite – nur einmal nicht“, schrieb WAZ-Journalist Andreas Ernst in seiner Einzelkritik zum Spiel. In der Szene legte Ronaldo das 2:0 auf.

Auch erwähnt der Journalist, dass Uchida fast den Ausgleich gegen die Königlichen erzielt hätte. Erst legte der Japaner für Youngster Felix Platte auf, im Nachschuss scheiterte Uchida dann selbst nur knapp. Es wäre ein bemerkenswert seltener Moment gewesen, ist Uchida mit genau einem Bundesligatreffer doch nicht unbedingt als Torjäger auf Schalke bekannt. Tatsächlich aber zeigte diese Szene gegen Real Madrid Uchidas formierte Rolle in der Taktik von Trainer Roberto Di Matteo. „Aktuell ist die Verantwortung für Uchida noch ein bisschen größer geworden“, erzählt Schalke-Reporter Elmar Redemann im Gespräch mit Sportsnavi. Er sei nun auf der Außenbahn ganz allein sowohl für offensive Aktionen und Defensivarbeit zuständig.

Schalkes Trainer Roberto Di Matteo lässt mit Fünferkette spielen - Atsuto Uchidas Aufgabenfeld ist größer geworden.
Schalkes Trainer Roberto Di Matteo lässt mit Fünferkette spielen – Atsuto Uchidas Aufgabenfeld ist größer geworden.

Uchida „war einer der wenigen Schalker, die sich um geordnetes Aufbauspiel bemühten“, analysierte Goal.com die Leistung des Japaners im Revierderby. Und das, obwohl er gegen die schnellen Außen wie BVB-Star Marco Reus eigentlich defensiv ausgelastet war. „Im Zweifelsfall wird sich ‚Uschi‘ immer auf die Aufgabe in der Abwehr konzentrieren“, erklärt der Journalist vom Fachmagazin RevierSport. Das lasse „Rückschlüsse auf seinen Charakter zu: Nie geht es ihm darum selbst zu glänzen, stets steht der mannschaftliche Erfolg im Vordergrund“, weiß Redemann.

Mit dieser Einstellung hat es Atsuto Uchida auf 100 Bundesligaspiele gebracht. Vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen wurde der Japaner von den Schalke-Fans gefeiert. In zivil, er konnte wegen muskulärer Probleme selbst nicht auflaufen, verbeugte er sich für den königsblauen Anhängern, S04-Manager Horst Heldt übergab ihm ein Trikot mit der Rückennummer 100. „Ein Gänsehaut-Moment“, erklärt ein Mitarbeiter der Schalker Presseabteilung gegenüber Sportsnavi.

Uchida ist ein Publikumsliebling auf Schalke. Immer fröhlich begegnet er den unzähligen Fans am Trainingsgelände auf Augenhöhe. Autogramme, Selfies und ein kurzer Plausch – für den Japaner keine Verpflichtung, sondern eine Ehre. Und nicht nur bei den Fans ist er beliebt. Auch im Team hat er längst seine Rolle gefunden. Als Spaßvogel. Seinem besten Freund Julian Draxler schickte Uchida eine kleine Liebesbotschaft: „Ales krar? oda Asch ab?“, kritzelte Uchida auf ein kleines Stück Papier. „Uchi miss du Schatzi“, stand dort weiter geschrieben. „Das ist ja wohl das allerniedlichste“, schreibt ein weiblicher Anhänger auf Facebook. Dort hatte Draxler die Botschaft veröffentlicht.

Atsuto Uchida vom FC Schalke steht den Japanischen Journalisten Rede und Antwort. Foto: David Nienhaus
Atsuto Uchida vom FC Schalke steht den Japanischen Journalisten Rede und Antwort. Foto: David Nienhaus

„Anfangs war Uchida für mich offen gestanden nur ein ‚Mauerblümchen‘ für mich“, gesteht Elmar Redemann und ergänzt: „Sehr unspektakulär in seiner Spielweise, für einen Außenverteidiger aber augenscheinlich etwas zu zweikampfschwach, um sich im Haifischbecken Bundesliga oder gar auf internationalem Niveau durchzusetzen.“ Längst aber habe Uchida auf Schalke alle seine Skeptiker überzeugt und der 26-Jährige gilt mittlerweile als eine der besten Hinterlassenschaften aus der Ära Magath. Schien er anfangs nur ein Notstopfen zu sein, der mangels Konkurrenz auf seine Einsatzzeiten kommen konnte, hat er sich als Rafinhas Nachfolger und unumstrittener Stammspieler in Gelsenkirchen etabliert.

Ein Manko hat der Japaner allerdings nie ablegen können. „Ihm fehlt einfach die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor“, sagt Redemann. Man würde ihm nicht selten ein bisschen mehr Egoismus gönnen. Und wenn ich noch ein Haar in der Suppe finden muss, dann scheint es so, als begegne er den Topstars manchmal mit zu großem Respekt. Falsche Bescheidenheit!“, so der Journalist.

Bei aller Lobhudelei bleibt aber der bittere Moment. Uchida liegt auf dem Boden und möchte am liebsten im selbigen versinken. In der Kabine der Schalker herrschte Totenstille nach dem Abpfiff. Der Japaner weiß, dass eine Derbyniederlage eine Schande für den Klub ist und wenn die Spieler dann noch so einen schwachen Auftritt hinlegen, ist die Kritik verehrend. „Wir müssen uns bei unseren Fans entschuldigen“, sagte sowohl der Schalker Trainer Di Matteo als auch der Schalker Manager Horst Heldt nach dem Spiel. Im Kollektiv habe man versagt, es sei ein „Komplettausfall“ von einigen Spielern gewesen. Nur „Marco Höger, Benedikt Höwedes und auch Timon Wellenreuther“ klammerte der Sportdirektor aus. Auf Schalke stellte sich nicht mal 24 Stunden nach der Pleite die „Charakterfrage“. Am Sonntag bat der Coach zur Aussprache. Einige Profis haben wohl nicht verinnerlicht, für welche Werte der Verein steht. Kämpfen, so ist das Motto des FC Schalke, geht immer.

Uchida - hier gegen Bayerns Philipp Lahm - hat auf Schalke mehr Verantwortung. Screenshot
Uchida – hier gegen Bayerns Philipp Lahm – hat auf Schalke mehr Verantwortung. Screenshot

Uchida weißt das. Der Japaner hat sich mit seiner „unglaublichen Laustärke, Ausdauer und taktischen Disziplin“ (Redemann) über die Jahre längst zum Malocher-Typen entwickelt. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass er beim zweiten Gegentor des BVB Henrikh Mkhitaryan aus den Augen verlor. Die Fans werden an dieser Derbypleite noch lange zu knabbern haben. Ein Wunder in Madrid könnte helfen, die Wunden zu heilen. Aber dafür müsste Schalke bei Real gewinnen. Mit den zurückliegend gebrachten Leistungen kaum vorstellbar. (( Die Kolumne wurde vor dem Schalker Sieg gegen Hoffenheim und vor der Real-Pleite in Bilbao geschrieben))

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Über die Autoren Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

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