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DasSportWort goes Japan: Die Erben von Kicker-Legende Heimann

„Da hat doch der Redakteur wieder gewürfelt!“ Nicht nur die Ergebnisse oder Leistungen der Fußballprofis wird am Wochenende reichlich diskutiert, auch die Arbeit der Journalisten, die die Artikel über ein Fußballspiel schreiben. Ganz besonders heiß sind die Diskussionen, wenn den Profis ein Zeugnis ausgestellt wird. Die Notenvergabe ist selbstredend subjektiv, trotzdem versuchen (die meisten) Redaktionen die Beurteilungen zu begründen. Die Kollegen von  sportsnavi in Japan wollten das Prozedere genauer wissen.  Ich habe das in der 41. Kolumne  aufgeschrieben; Francois Duchateau hat es übersetzt.

ドイツ専門誌による選手採点の基準 前半戦を終えた日本人選手の評価とは? ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト

 採点を始めたのは『キッカー』誌
2010年に亡くなったカール=ハインツ・ハイマンが存命であれば、昨年12月で90歳になっていた。サッカーの天国へと去った彼の遺産は、スポーツジャーナリストに不死の価値を与えた。『キッカー』誌の編集長として、彼は同誌に独特のアイデンティティーを残したのだ。weiterlesen…

Vergangene Woche wäre Karl-Heinz Heimann 90 Jahre alt geworden, wäre er 2010 nicht in den Fußballhimmel aufgestiegen. Sein Erbe aber hat den Sportjournalisten unsterblich gemacht. Als Chefredakteur des „Kickers“ gab er dem Fußball-Fachmagazin einen unbestechlichen, ganz eigenen Stil und machte das Blatt zur Pflichtlektüre der Bundesliga. Heimann erfand die Torjägerkanone, für den treffsichersten Kicker der Liga, und führte die Spielernoten ein. Für viele Fans, aber auch für die Profis ist es montags ein Ritual, die Bewertungen von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) mit den eigenen Eindrücken abzugleichen. Noten polarisieren – sowohl positiv als auch negativ – und sorgen für reichlich Gesprächsstoff in der Kabine und an den Stammtischen.

Längst ist das Spielerzeugnis einer Partie nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal des „Kicker“. Auch Deutschlands größtes Boulevardblatt „Bild“ oder das Onlineportal der größten Regionalzeitung „WAZ“ bewerten die Leistungen der Fußballprofis – in der Regel mit sehr ähnlicher Tendenz. Dabei stellt sich die Frage, wie entsteht eigentlich die Note? Was sind die Kriterien für eine gute oder schlechte Bewertung?

Während im europäischen Ausland die Leistungen der Spieler oft ausschließlich anhand statistischer Daten bewertet werden, fließen in die Notenvergabe deutscher Redaktionen noch viele andere Eindrücke aus den Stadien mit ein. Fußball ist schon lange nicht mehr nur über Tore und Vorlage zu bewerten; Laufwege, Defensivarbeit und Motivation sind ausschlaggeben und längst mehr als das Zünglein an der Waage, wenn es um Tendenzen, Halbnoten oder gar ganzen Notenabstufungen geht.

Während der „Kicker“ seine Noten erst am Montag veröffentlicht und die Spielerzeugnisse in einer Art Konferenz diskutiert und beschließt, beruhen die Noten der „WAZ“ auf den subjektiven Eindrücken zweier Redakteure, die die Bewertung mit Abpfiff verschriftlicht und – im Unterschied zur „BILD“ – begründet haben.

So bekommt jeder Spieler des FC Schalke 04 oder von Borussia Dortmund einen kurze Absatz, in der die Endnote erklärt wird. Der häufig herangetragene Vorwurf, die Noten seien nur „ausgewürfelt“ worden, soll damit entschärft werden. Schalkes Atsuto Uchida spielte am Samstag beim torlosen Remis gegen den Hamburger SV defensiv solide, aber in der Offensive fehlte dem Japaner der Schwung und das auf die Abwehrspieler immer wichtiger werdenden Durchsetzungsvermögen. Die Note „3“ erklärte der „WAZ“-Redakteur wie folgt: Uchida „spielte sehr aufmerksam, ließ die Hamburger auf seiner Seite nur selten passieren. (…) In der gegnerischen Hälfte scheiterte er oft im letzten Moment.“

Shinji Kagawa von Borussia Dortmund durfte nur eine Halbzeit bei der 2:1-Niederlage des BVB bei Werder Bremen ran und der japanische Nationalspieler konnte die Pleite seines Teams nicht verhindern, blieb in 45 Minuten blass. Die zweitschlechteste Note „5“ gab ihm der „WAZ“-Mann, weil Kagawa „freistehend vom Elfmeterpunkt weit vorbei“ schoss und ihm „auch ansonsten wenig gelang“ – der Offensivmann scheiterte sogar noch ein zweites Mal aus aussichtsreicher Position.

Während sich die „WAZ“ allerdings ausschließlich auf die Spiele der Teams im Fußball-Westen Deutschlands konzentriert, haben „Kicker“ und „Bild“ die komplette Republik im Blick. In der Gesamtbetrachtung der Hinrunde – das letzte Spiel vom Wochenende allerdings noch ausgeklammert – ist laut „Kicker“ Arjen Robben der notenbeste Spieler in der Liga des Weltmeisters, wobei übrigens insgesamt sechs Torleute unter den Top-15-Spielern sind. Der Offensivmann des FC Bayern erzielte in 13 Spielen zehn Tore und bereitete drei Treffer vor – aber auch fern ab der nackten Statistiken, verdiente sich Robben durch seine Rolle in der Mannschaft eine glatte „2“.

Wer sind die japanischen Musterschüler der Saison? Uchida kommt in der „Kicker“-Statistik mit einer durchschnittlichen 3,13 auf Platz 38 als bester Spieler aus Fernost; ist aber in der Detailbetrachtung der Abwehrspieler auf einem guten neunten Platz. Shinji Okazaki taucht mit einer 3,30 erst auf dem 68. Platz in der Gesamtstatistik auf, obwohl der Stürmer schon acht Tore erzielt hat und sich zum treffsichersten Japaner in der Bundesligageschichte gemausert hat. In der Abteilung „Attacke“ ist der Mainzer immerhin siebtbester Spieler. Nach den anderen Japanern muss man hingegen beim „Kicker“ lange suchen. Kagawa taucht in der Kategorie Topspieler erst auf Platz  129 auf, die Eintracht-Frankfurt-Spieler Takashi Inui (138) und Makoto Hasebe (148) liegen noch dahinter. Hannovers Hiroshi Kiyotake (161), Hiroki Sakai (172), Berlins Hajime Hosogai (178) und Gotoku Sakai vom VfB Stuttgart (193) reihen sich auf den hintersten Plätzen ein. Kölns Yuya Osako und Herthas Genki Haraguchi tauchen nicht unter den Top 200 auf. Nicht bewertet wurden Kazuki Nagasawa (Köln) und Maruoka Mitsuru (BVB).

Wer Nagasawa oder gar Talent Mitsuru in einem der unter Fans so beliebten virtuellen Manager-Spielen in seinem Team hat, braucht sich keine großen Hoffnungen auf viele Punkte machen. Die Benotung des „Kickers“ oder beispielsweise des Onlineportals „Sportal“ fließen automatisch in die Onlinespiele ein, wo Fußballfans mit ihren zusammengestellten Teams um Meisterschaften ringen.  Auch deshalb sind Noten mittlerweile nicht mehr wegzudenken aus dem Fußball. „Die Noten sind absolutes Top-Thema bei den Spielern – auch wenn das kaum jemand zugibt“, erzählt der stellvertretende Sportchef Matthias Müller der „BILD“ auf Anfrage des Blogs ligainsider.de. Dort wird auch Ex-Profi Thorsten Legat zitiert: „Ich weiß nicht, was die Redakteure sich bei diesen Noten denken. Vielleicht würfeln sie ja! Ich habe mich lieber darauf berufen, wie der Trainer mich beurteilt hat”, sagt der Ex-Bochumer im „Spiegel“.

Kritik hin oder her, die Noten sind in der Bundesliga eine harte Währung. Und das hat selbst Yasuhiko Okudera ins seiner Zeit erlebt. Der erste Japaner der Bundesliga-Historie spielte in Deutschland, als  Heimann Chefredakteur beim „Kicker“ war. An die Benotung seiner Auftritte im Trikot vom 1. FC Köln, Hertha BSC und Werder Bremen musste sich Okudera erst gewöhnen – zum seinem Glück gehörte der Japaner immer zu den Notenbesten seines Fachs.

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Über die Autoren Francois Duchateau und David Nienhaus:

ダ ビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト フランソワ・デュシャト 1986年生まれ。世界最大級のサッカーサイト「Goal.com」でドイツ語版の編集長を務め、13年からドイツで有数の発行部数を誇る「WAZ」紙の サイト(http://www.derwesten.de/)でドイツ西部のサッカークラブを担当する。過去には音楽の取材もしていた。ツイッターアカウ ントは@Duchateau。自身のサイトはwww.francoisduchateau.net。 ダビド・ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

(Auf der nächsten Seite gibt es die englische Übersetzung …)

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