KSC-Manager Jens Todt ist ein Japan-Experte und holte zuletzt Hiroki Yamada nach Deutschland. Foto: David Nienhaus

KSC-Manager Jens Todt sieht Japan als Nische für kleinere Vereine

Wie die Jungfrau zum Kinde kam Jens Todt zum Ruf als Japan-Experte. Im Interview, das ich mit ihm für die neue Sportsnavi-Kolumne über Hiroki Yamada geführt habe, erzählt mir der Sportdirektor vom Karlsruher SC, warum er auf japansiche Spieler steht und wie er zu seinem Netzwerk in der J-League kam. 

Herr Todt, mit Takashi Inui und Yusuke Tasaka haben Sie schon zwei Japaner nach Deutschland geholt, jetzt folgt Hiroki Yamada ihrem Ruf. Wie sind Sie zum Japan-Epxerten geworden?

Todt: Das ist in der Entstehung am Anfang nicht von langer Hand geplant gewesen. Ich habe nach meiner Zeit beim Hamburger SV ein paar Monate Übergangszeit bis ich meinen nächsten Job angetreten habe. Ich bin dann privat nach Japan geflogen und habe dort meine alten Trainer Volker Finke und Karsten Neitzel bei den Urawa Red Diamonds besucht und mir 14 Tage japanischen Fußball angeguckt: Wie spielen die, wie wird trainiert und wie ist das Niveau? Das war eigentlich mein Einstieg. Seitdem bin ich jedes Jahr ein-, zweimal nach Japan geflogen, dann aber beruflich, und wollte einfach auf dem Laufenden bleiben, Kontakte knüpfen und pflegen.

Warum Japan?

Todt: Vereine wie Bochum und auch der KSC müssen eine Nische finden – die Teiche in denen man fischen kann sind ja begrenzt. Top-Stürmer aus der 2. Liga in Deutschland wechseln in die Bundesliga, nicht zum Karlsruher SC. Japan ist ein Markt, der gerade auf den Offensivpositionen immer wieder Spieler ausbildet, die auch für deutsche Zweitligisten erschwinglich sein können. Außerdem mag ich das Land, die Kultur und habe jeden Aufenthalt dort sehr genossen. Ich bin sehr gerne dort.

Wie kamen Sie auf Yamada – der war auch schon zu Ihren Bochumer Zeiten immer mal wieder Thema.

Jens Todt: Ich kenne Hiroki schon einige Jahre und habe ihn auf meinen Reisen nach Japan mehrfach live in Spielen beobachten können. Ich war schon lange daran interessiert, ihn nach Deutschland zu holen. In meiner Zeit beim VfL ist es allerdings an der zu hohen Ablösesumme gescheitert. Jetzt hat es die Chance gegeben, den Spieler zu machbaren Konditionen für den KSC bekommen und die wollten wir nutzen, weil wir beim KSC genau so einen variablen Offensivspieler noch gesucht haben.

Wenn Sie ihn so genau kennen, beschreiben Sie Ihren neuen Spieler mal.

Todt: Hiroki ist total beidfüßig, technisch gut und hat ein sehr gutes Auge für das Spiel und seine Mitspieler. Er ist torgefährlich und ein guter Vorbereiter, hat Erstligaerfahrung und ist mit seinen erst 25 Jahren mehrere Jahre Kapitän von Júbilo Iwata gewesen. Das ist für japanische Verhältnisse relativ ungewöhnlich, spricht umso mehr für ihn. Er ist charakterlich einbandfrei und hat vom ersten Tag Gas gegeben und wir sind froh, dass wir ihn haben.

Er hatte im Dezember 2013 ein Probetraining bei Celtic Glasgow. Das Interesse eines europäischen Topklubs spricht für den Spieler.

Todt: Ich bin überzeugt von Hiroki und deshalb wundert mich das nicht. Er bringt ganz viel mit, was in der Bundesliga und in der 2. Liga hilft. Er ist eine langfristige Investition für uns und ich bin froh, dass unser Verein das in der nicht ganz einfachen wirtschaftlichen Situation mögliche machen konnte. Er ist einfach ein Guter. Und er hat die Mentalität, sich in Europa durchzusetzen.

Japanische Kicker sind technisch stark, schnell und ballsicher. Körperlich haben sie meistens Nachholbedarf, oder?

Todt: Die 2. Fußball-Bundesliga ist eine physisch sehr stark geprägte Liga. Yamada war bislang gewöhnt, dass viele Dinge spielerisch gelöst werden; hier geht es auch mal rustikal zur Sache. Das ist sicherlich ein kleiner Anpassungsprozess. Aber er macht das gut und da mache ich mir keine Sorgen.

Funktioniert die Kombination zwischen Robustheit und Spritzigkeit?

Todt: Wir haben ihn nicht geholt, weil er ein 1.95 Meter langer Innenverteidiger ist, der alles weggrätscht. Er soll das, was ihn ausmacht, das technisch feine Spiel, das gute Auge und die Schnelligkeit, pflegen und bei uns einbringen. Die Anpassung an das physisch höhere Niveau wird schnell passieren.

Schneller als vielleicht der Deal mit Júbilo Iwata, der sich etwas rauszögerte. Bei Celtic scheiterte es an der Ablösesumme…

Todt: Da will ich jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen. Die Verzögerung lag nicht am Karlsruher SC, so viel ist sicher. Wir waren uns sicher, dass wir den Transfer hinbekommen und mit ein bisschen Geduld dürfen wir uns nun freuen, dass Júbilo Iwata am Ende kooperativ gewesen ist und Yamada in unseren Reihen spielt. Wir wünschen seinem alten Klub natürlich alles Gute und den Aufstieg in die J-League.

Häufig ist die Integration der japanischen Spieler eine große Hürde. Bei Inui ist das beispielsweise ein Problem. Yamada spricht fließend Englisch.

Todt: In der Vorbereitung des Transfers hatten wir uns um einen Dolmetscher gekümmert, der jeden Tag in der Kabine, bei jeder Trainingseinheit und auch bei den Spielen dabei sein und ihn eigentlich rund um die Uhr betreuen sollte. Das war hinfällig, als Hiroki dann bei uns war. Er versteht alle taktischen Anweisungen, sitzt wie jeder andere Spieler ganz normal in der Kabine und hört zu, seine Kommandos bekommt er auf Englisch und auch die Mitspieler übersetzen für ihn. Die Integration ging rasend schnell und er hat vom ersten Tag an mit der Mannschaft kommuniziert. Das ist sehr erfreulich und wir haben nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht.

Nicht so erfreulich ist die WM aus Sicht der Japaner gelaufen. Was macht die schlechte WM mit den Japanern und deren Stellung in Deutschland?

Todt: Die Enttäuschung ist riesengroß. Vielleicht wird jetzt beim Nationalteamder Reset-Knopf gedrückt und ein Neuanfang mit einem neuen Trainer geplant. In Japan hatte man wohl das Gefühl, schon ein bisschen weiter in der Entwicklung zu sein. Die hohe Anzahl der Europa-Legionäre tut der Nationalmannschaft schon gut, aber man hat auch gesehen, dass es noch ein großes Defizit auf dem körperlichen Niveau gibt. Das sind Dinge, die nicht immer durch die technische Versiertheit vieler japanischer Spieler ausgeglichen werden können.

Ist der Reset-Knopf eine neue Chance auch für Yamada?

Todt: Hiroki hat 2013 zwei Länderspiele für die Blue Samurai bestritten und er hat natürlich gehofft, in Brasilien dabei zu sein. Er hat es letztlich nicht in den WM-Kader geschafft und das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum er unbedingt nach Europa wollte. Damit will er seine Chancen auf die Nationalmannschaft erhöhen; gerade jetzt, wo die vor einem Umbruch steht.

In Japan blickt man folglich jetzt auch gespannt nach Karlsruhe. Wenn Sie den KSC in Asien repräsentieren und vorstellen, welche Worte finden Sie dann?

Todt: Der KSC ist einer der großen, deutschen Traditionsvereine mit einer tollen Vergangenheit. Aber auch mit einer sehr schwierigen jüngeren Vergangenheit, wenn man sich die wirtschaftliche und sportliche Lage mal anguckt. Der KSC ist aber ein Verein, der im Aufwind ist, der wieder ein ernst zu nehmender Zweitligist geworden ist. Der KSC ist ein liebenswerter Verein, der in den vergangenen Jahrzehnten von anderen Vereinen des gleichen Kalibers überholt worden ist und diesen Rückstand wollen wir jetzt aufholen.

Sportlich klappte das in der vergangenen Saison ziemlich gut.

Todt: Wir haben eine gut funktionierende Mannschaft mit einem sehr guten Defensivkonzept. Im vergangenen Jahr hatten wir etwas Probleme, uns Torchancen herauszuspielen. Deshalb haben wir versucht, den Kader so zu verändern, dass uns das in diesem Jahr etwas leichter fällt – ohne unsere defensive Stabilität zu verlieren.

Was ist in dieser Spielzeit möglich?

Todt: Wir gehen mit einem nahezu unveränderten Etat von sieben Millionen Euro in die Saison – das ist ein absoluter Durchschnittsetat in der Liga. Wir sagen, wenn wir in einem Jahr als Verein besser dastehen, als heute – sportlich und wirtschaftlich – dann war es eine erfolgreiche Saison. Wir lassen uns nicht auf einem Tabellenplatz festnageln. Wichtig ist, dass sich die Mannschaft spielerisch entwickelt.

Erhoffen Sie sich von Yamadas Wechsel zum KSC eigentlich auch einen wirtschaftlichen Vorteil?

Todt: Wir planen keine japanische Website. Aber wir merken, dass das Interesse in seiner Heimat groß ist. Wir haben jedes Spiel japanischen Journalisten vor Ort und natürlich wollen wir das ausbauen. Wenn wir merken, dass das Interesse noch größer wird, sind wir natürlich absolut daran interessiert, beispielsweise mit japanischen Unternehmen zu kooperieren. Wir gucken mal, wie weit das führt.

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