Takashi Inui bei seiner Vorstellung in Bochum. Vom VfL wechselte der Japaner nach Frankfurt. Foto: David Nienhaus

DasSportWort goes Japan – Inui auf dem Abstellgleis – aus Gründen

Ein schlauer Mann hat mal gesagt: „Es wird alles immer gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht.“ Über diesem Spruch über Sprache von Hermann Hesse sollte Takashi Inui mal nachdenken – es würde sein Leben vielleicht vereinfachen. Der Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt erlebte einen steilen Aufstieg in der Bundesliga, gefolgt von einem ebenso steilen Abstieg bei den Hessen. Inui war erst der personalisierte Erfolg des damaligen Aufsteigers, der die Liga verzückte und steht nun auf dem Abstellgleis der Eintracht. In der 25. Kolumne für sportsnavi habe ich mich mit den Gründen für Inuis Situation befasst und bin nach Gesprächen mit Frankfurter Kollegen auf die Problematik und ein weiteres schlaues Zitat gestoßen: „Sprache ist keine Heimat, man nimmt eine Sprache ja mit in ein anderes Land.“ (Herta Müller).

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Inui will sich in Frankfurt nicht quälen – Eintracht baut im Klassenkampf nicht auf ihn

Von David Nienhaus

In der 25. Kolumne für SportsNavi beschäftige ich mit Takashi Inui von Eintracht Frankfurt
In der 25. Kolumne für SportsNavi beschäftige ich mit Takashi Inui von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt hat sich im Konzert der Großen etabliert. Die Hessen stellen die Bundesliga auf den Kopf, greifen Borussia Dortmund und Schalke 04 an und Takashi Inui ist der kreative Geist der frechen Frankfurter. Diese Geschichte war nur von kurzer Dauer. Die Gegenwart hat die Adlerträger längst wieder eingeholt.

Anfang der vergangenen Saison war Inui das Gesicht des sensationellen Erfolges des Aufsteigers. Seine Auftritte erinnerten an die großen Künstler der Vergangenheit; der Japaner bewegte sich auf den Spuren des Offensivgenies Jay-Jay Okocha: Inui führte die Mannschaft von Trainer Armin Veh mit sechs Toren und acht Vorlagen auf einen überraschenden Europa-League-Platz. Heute heißt die Realität Abstiegskampf. Takashi Inui spielt kaum noch eine Rolle bei der Eintracht. In einer Zeit, in der nicht nur Kampf und Einsatz gefordert ist, sondern auch körperliche Robustheit und mentale Stärke, ist der 25-Jährige außen vor. Längst baut Coach Veh auf andere Spieler, Inui wirkt uninspiriert, wankelmütige. Fast schon so, als habe er die Situation hingenommen. Ein Aufbäumen des Mittelfeldspielers, ein Signal, dass er weiß, was die Stunde geschlagen hat, ist nicht erkennbar.

Warum fristet Inui das Dasein des Bankdrückers und gibt sich damit zufrieden? Die Gründe dafür liegen auf der Hand. „Ganz allgemein hat er Probleme mit dem Tempo in der Ersten Liga mitzuhalten“ weiß Stefan Krieger von der Frankfurter Rundschau. Inui habe zwar eine gute Technik, aber „immer wieder unfassbare Ballverluste“ in der Vorwärtsbewegung. Die Eintracht habe sich schon  „einige schöne Konter nach Ballverlusten von Inui eingefahren“ – teilweise mit direkter Torfolge. „Dabei kann er eigentlich Bundesliga“, erklärt Ralf Weitbrecht von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, FAZ. Das habe er doch in der vergangenen Saison gezeigt. Dass Inui nicht mehr zentral, sondern nun links offensiv zum Einsatz kommt, dürfe kein Grund für den Leistungsabfall sein.

Zur (Fahr-)Lässigkeit auf dem Platz komme auch die Lustlosigkeit neben dem Platz. Wohl mit der schwerwiegendsten Grund für die Krise Inuis. „Er hat einfach keinen Bock, Deutsch zu lernen“, so Weitbrecht. Der Japaner führe „ein Solistendasein“. Dass er Deutschkurse am Goethe-Institut mache, sei nur Geschwätz. „Er will sich nicht quälen. Nicht auf dem Platz und nicht neben dem Platz.“

Das weiß auch Alex Bonengel, der die Eintracht für den Fernsehsender „Sky Sport News HD“ regelmäßig begleitet und die Spieler auch beim täglichen Trainingsgeschehen beobachtet. Inui tue zu wenig, um sich zu integrieren. „Er steht zwar auf dem Trainingsplatz, es ist aber deutlich erkennbar, dass er kein Teil der Mannschaft ist“. Vielleicht ist Deutsch für einen Japaner ja sehr schwer, spekuliert Weitbrecht von der FAZ, in der allgemeingültigen Sprache „Fußball“ aber könne sich der Japaner doch beweisen. Während Alex Meier beispielsweise nach einer Trainingseinheit noch länger auf dem Platz bleibt und 50 bis 60 Freistöße schießt, „trottet Inui in die Kabine, geht duschen und dann nach Hause. Ein Bundesliga-Profi trainiert in der Regel einmal am Tag – dass er keine Zeit hat, Deutsch zu lernen, ist Quatsch“, so der FAZ-Redakteur.  Inui ziehe sich zurück, verbringt die meiste Zeit mit seiner Familie, seinem Dolmetscher Yu Nishimura oder den FFC-Damen Asuna Tanaka Kozue Andō. Bei Auswärtsfahrten sitzt der 25 Jahre alte Junggeselle abseits, mit einem Kopfhörer auf den Ohren und einem Tablet-PC in der Hand, auf dem er Manga-Filme aus der Heimat anschaut, berichtet Goal.com.

In Bochum war Takashi Inui gleich beliebt. Das Intermezzo beim VfL war nicht von langer Dauer. Foto: David Nienhaus
In Bochum war Takashi Inui gleich beliebt. Das Intermezzo beim VfL war nicht von langer Dauer. Foto: David Nienhaus

„Armin Veh ist Kommunikation sehr wichtig und er will sich mit seinen Spielern auf Deutsch unterhalten können“, erklärt Tizian Borzaga von „eintrachtpower“, dem Fanzine von Eintracht Frankfurt. Der Coach sei immer ein Fan von Inui gewesen. Fan und Förderer – „das ist er auch heute noch, aber es wurmt ihn, dass die sprachliche Barriere so groß ist“, so Borzaga. Ein Ende oder viel mehr eine Lösung ist nicht in Sicht. „Es ist schwierig reinzukommen in die Gruppe, wenn man die Sprache nicht spricht“, sagt der Cheftrainer, der Inui aber nicht zwingen können, Deutsch zu lernen.

Vom Leistungsträger wurde Takashi Inui binnen eines Jahres zum Mittläufer im Team. Der „sehr sensible, feinfühlige“  Nationalspieler (Bonengel) verspielt nicht nur seine Chance in der Bundesliga, sondern auch die letzten Hoffnungen auf die Weltmeisterschaft in Brasilien. Ein anderer – ausgerechnet sein Konkurrent um den Platz im Team – macht es ihm im Moment vor. „Tranquillo Barnetta hat das hervorragend gemacht“, erklärt Weitbrecht. Der Schweizer Nationalspieler will zu WM und hat von Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld den klaren Auftrag bekommen, auf seine Einsätze zu kommen. Er wechselte vom FC Schalke an den Main und verkörpert in der aktuell schwierigen Situation genau das, was Frankfurt braucht: Der Mittelfeldspieler krempelt die Ärmel hoch,  „das, was Veh vorlebt“.

Der Trainer verlangt harte Arbeit von seinen Spielern. Barnetta liefert die ab. Inui nicht. Die fünf jüngsten Partien stand die Schalker Leihgabe ständig in der Anfangsformation – „er macht es gut und tut der Mannschaft gut“, lobt Veh. Das Vertrauen, das Inui vom Chef spüren müsste, um wieder in die Spur zu finden, bekommt derzeit ein anderer. „Ein zartes Geschöpf“, nannte Veh den kleinen Japaner und sagte: „Wir können es uns nicht leisten, einen Spieler durchzuschleppen, der zu wenig arbeitet“ – klingt mehr nach Abschied als nach Momentaufnahme.

Ist Takashi Inui also ein Auslaufmodell bei der Eintracht? „Das kann man jetzt noch nicht sagen“, sagt Weitbrecht. Armin Veh hat vor einiger Zeit angekündigt, den Verein am Saisonende zu verlassen, die Verantwortlichen der SGE konzentrieren sich „gerade voll auf die Suche nach einem neuen Trainer“. Das könnte auch eine Chance für Inui sein. Sollte die Eintracht die Klasse halten – sechs Spiele verbleiben im Abstiegskampf – könnte der Japaner im Sommer unter einem neuen Coach wieder angreifen. Ganz ohne Integration aber wird es sicherlich auch beim neuen Chef nicht gehen. Die Wahrheit liegt nämlich nicht nur auf dem Platz.

 

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ニーンハウス 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト (http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.david- nienhaus.de

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