Football Summit 2013 - Das Buch über Schalke-Japaner Atsuto Uchida

Anekdoten über Schalkes Atsuto Uchida – „ein Wahnsinnstyp!“

Schmal ist der Grad zwischen Jubel und Frust. Das musste auch Atsuto Uchida am vergangenen Wochenende beim 2:0-Sieg von Schalke gegen Hannover 96 erleben. Der Japaner zeigte große Spielfreude, leitete den Treffer von Max Meyer ein und nur einen Tag später wurde beim Abwehrspieler ein Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel diagnostiziert. Uchida muss pausieren und kann sich nun wieder um ein paar neue Anekdoten kümmern. Zusammen mit den Kollegen Francois Duchateau und Takashi Sugiyama habe ich im vergangenen Jahr an einem Buch über Uchida mitgeschrieben;  ein Kapitel befasste sich mit Guido Buchwald und Gert Engels, die über den 25-Jährigen sprachen, ein anderes mit der Einschätzung von Journalisten über den Außenverteidiger. Zu guter Letzt habe ich auch ein paar Geschichte fern ab des Fußballs über den Japaner rausgekramt.

Das Buch kann man in Japan hier bestellen. Die Artikel, die ich geschrieben habe, gibt es zwischen Weihnachten und Neujahr hier bei DasSportWort.

Ob strahlender Sonnenschein oder eiskaltes Regenwetter, die Frisur von Atsuto Uchida sitzt. Genauso wie sein Lächeln im Gesicht. Den kleinen Japaner des FC Schalke 04 sieht man nur selten schlecht gelaunt. Und mit dieser Leichtigkeit zieht er seine Mannschaftskollegen mit.  Uchida ist beliebt im Team der Königsblauen, das lässt der Umgang miteinander leicht erkennen.

Jermaine Jones, Schalkes harter Hund im defensiven Mittelfeld, nimmt den 25-Jährigen beim Interviewtermin in den Arm und grinst die Journalisten an: „Der spricht gut deutsch. Lasst seine Ausreden nicht gelten“. Und „Uschi“, wie der Verteidiger im Ruhrgebiet gerufen wird, hat verstanden, winkt ab und schüttelt den Kopf. Natürlich hat er verstanden, aber einen Gespräch komplett auf der Sprache zu führen, die ihm so schwer fällt, das klappt selbst im dritten Jahr in Gelsenkirchen nicht. „Beim Sprachunterricht ist er einer der fleißigsten“, berichtet allerdings Schalkes Sportdirektor Horst Heldt. Uchida sei „verbal schlagfertig“ habe einen „feinen Humor“.


Dass zeigte Uchida vor der aktuellen Spielzeit – gewollt oder ungewollt, darüber zerbrechen sich noch heute einige Schalke-Fans bei Youtube die Köpfe. „Leck mich am Arsch. Danke. Leck mich am Arsch“, brüllte der Japaner bei der offiziellen Saisoneröffnung vor tausenden Fans ins Mikrophon und verkroch sich umgehend hinter den Schultern von Tim Hoogland. Mitspieler Sead Kolasinac kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. „Leck mich am Arsch“? Es kursiert die Mär, dass sich Uchida von Joel Matip einen Satz zuflüstern ließ, um sich bei den Anhängern für den Applaus für die gelungene WM-Qualifikation zu bedanken. Matip aber erlaubte sich einen Spaß und…   Der Rest ist Geschichte.

Die Schalke-Fans nehmen Uchida den lustigen Fauxpas nicht übel. Im Gegenteil. Und der Verteidiger? Der ist das gewohnt. „Julian Draxler sitzt in der Kabine neben mir“, erzählt Uchida und gibt zu, „der veräppelt mich immer.“ Dabei ist der deutsche Nationalspieler der beste Freund des Japaners in der Mannschaft. Uchida übernachtet schon mal nach einer Party auf Draxlers Coach und es wirkt ein bisschen so „wie in einer Studentenbude mit prominenterer Besetzung“, wie eine Sportzeitschrift feststellte. In dieser Wohngemeinschaft lernt Uchida, sich der deutschen Mentalität zu öffnen und Draxler erzählt aus dem Nähkästchen: „Er wird zugänglicher und macht jeden Quatsch mit“, so der Youngster, der weiter erzählt, Uchida sei der höflichste Mensch, den er kenne. „Ich verstehe mich super mit ihm und wir sind mittlerweile richtig gut befreundet“, schätzt Schalkes Offensivjuwel den Defensivspieler.

Im Trainingslager in Österreich teilte sich die temporäre WG ein Zimmer und der Japaner brachte einmal mehr seinen Freund zum Lachen. „Uchi go training platz keine zurück“, stand auf einen Zettel, der auf Draxlers Bett lag und der Mittelfeldmann postet umgehend im sozialen Netzwerk Facebook: „Mein Zimmerpartner Uchi hatte vor dem Training eine super Nachricht für mich hinterlassen , dass ich weiß wo er ist. Uchida , ein Wahnsinnstyp!“

Japan-Buch über Schalke-Spieler Atsuto Uchida von Francois Duchateau und David Nienhaus
Japan-Buch über Schalke-Spieler Atsuto Uchida von Francois Duchateau und David Nienhaus

In Deutschland sei „Atsuto schon lange angekommen“. Doch nach seinem Wechsel nach Europa musste Uchida erstmal lernen, sich in einer neuen Kultur zu Recht zu finden. „Ich mache sehr gerne Spritztouren durch das Ruhrgebiet“, erzählte der Japaner in einem Interview während seiner ersten Saison in der Fußball-Bundesliga. Die Angst vor der hohen Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen hat er längst abgelegt. Und auch, dass er anfänglich den japanischen Reis vermisst hat, ist mittlerweile nur noch ein kleines Problem.

Dafür bleibt Uchida eigentlich auch keine Zeit mehr. Mit Schalke tourt er in der Champions League quer durch Europa und auch mit der japanischen Nationalmannschaft ist der kleine Außenspieler in der Weltgeschichte unterwegs. Uchida ist Stammspieler auf Schalke, profitiert dabei allerdings von der nicht vorhandenen Konkurrenz auf seiner Position. Trotzdem: „Es macht Spaß, wie er die rechte Seite mit Jeff bespielt und dort immer rauf und runter rennt“, lobte Mitspieler Draxler seinen Freund und meint damit das Zusammenspiel mit Jefferson Farfan. Eigentlich ist der Peruaner für das Tore schießen bei den Knappen verantwortlich, aber immer mal wieder kann sich auch Uchida über Treffer freuen. Zu selten, wenn es nach den Experten geht, und die Treffer des Japaners fielen zuletzt eher kurios. „Das hat Uschi sehr überlegt gemacht, erst nach oben geschaut und dann den Ball ins lange Eck geschlenzt“, sagte Schalke-Manager Heldt  nach Uchidas Treffer in der Königsklasse gegen Steaua Bukarest und grinste dabei über das ganze Gesicht. Auch in der Bundesliga „zwang“ er Eintracht Frankfurts Spieler Johannes Flum zu einem Eigentor mit einer scharfen Flanke.

Mit diesen Treffern ist Uchida auf dem besten Weg zum Klut-Spieler auf Schalke. Wie einst beim Eurofighter Yves Eigenrauch ein langgezogenes „YIiiiiiiives“ durch die Arena erklang, zieht heuer ein lautes „Uschiiiii“ durch das Stadion, wenn der Japaner am Ball ist. Die Fans lieben ihren „Uschi“ und er genießt die Wertschätzung. „Die Fans auf Schalke sind so emotional und powerful, das ist fantastisch“, erzählt der 25-Jährige in einem Video-Interview. „Sie helfen uns, wenn wir müde werden und nachlassen. Dann pushen sie uns mit aller Macht an und wir holen unsere Kraftreserven hervor“, so Uchida. Er dürfe mit Schalke und für die Fans in Europas höchster Wettbewerb auflaufen,  „und es macht mich stolz, hier spielen zu dürfen“. Schon in Japan habe er sich früher die Champions League im Fernsehen angeguckt und jetz t „möchte ich unser Fans glücklich machen und ihnen ein Lachen schenken“. Da ist es wieder. Lachen und Uchida ist eine Einheit, wie der Verein und die Fans auf Schalke. „Hier spürt man, dass Fans und Spieler eine Einheit sind. Das Wir-Gefühl gefällt mir sehr gut“, so der Japaner.

Schalkes Atsuto Uchida ist ein Superheld in Japan - seine Autogramme heiß begehrt
Schalkes Atsuto Uchida ist ein Superheld in Japan – seine Autogramme heiß begehrt.

Und zu dem Wir-Gefühl gehört auch die gelebte Rivalität mit dem Ruhrgebietsverein Borussia Dortmund. „Ich spüre die Bedeutung des Fußballs hier in der Region“, erzählt Uchida in einem Interview mit sportsnavi. „Die Fans sind ehrlich und immer mit voller Leidenschaft dabei.“ Und gerade die Rivalität zu Dortmund sei  immer präsent: „Egal, gegen wen wir spielen, die Fans singen immer ‚Scheiße BVB‘“, lacht Uchida. Das Erste, was ich hier gelernt habe war, bloß keine gelben Klamotten zu tragen. Schwarzgelb, die Farben des BVB, an einem Schalke-Spieler – nein, das weiß Uchida ist verboten.

Fast allerdings hätte er nicht mehr in den Genuß des Revierderbys gekommen. Vor der Saison hieß es, sei der FC Arsenal an Uchida interessiert. Andere behaupten, Schalke wolle den deutschen Nationalstürmer Lukas Podolski nach Gelsenkirchen lotsen. Es soll Gespräche zwischen den beiden Klubs stattgefunden haben, die Gunners waren angeblich bereit, sieben Millionen Euro für den Rechtsverteidiger auf den Tisch zu legen. Weder dieser Deal, noch ein Tauschgeschäft kam zustanden und Uchida trägt immer noch das Schalker Trikot mit der Nummer 22. Dabei könnte sich der Japaner sehr wohl vorstellen, bald auf der Insel zu spielen:  „Wenn Schalke mich nach 2015 noch haben möchte, würde ich  sehr gerne hier bleiben. Aber wenn Schalke sagt, wir brauchen dich nicht mehr, kann ich mir vorstellen, nach England zu wechseln.” Aber – und er lächelt – „Ich möchte so lange wie möglich auf Schalke bleiben. Ich liebe diesen Klub.“

Die beiden anderen Texte über Atusto Uchida:

Mein Kollege Francois Duchateau und ich schreiben übrigens eine Kolumne für yahoo.jp. Zu allen Artikeln geht es hier lang…

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