DasSportWort goes Japan – Kolumne No.7: Takashi Usami – zur falschen Zeit am falschen Ort

Takashi Usami von der TSG Hoffenheim. Foto: David Nienhaus
Takashi Usami von der TSG Hoffenheim. Foto: David Nienhaus

Transfers von Japanern nach Deutschland sind oft Perspektivwechsel. Kaum ein Talent aus dem Land der aufgehenden Sonne wechselte mit so vielen Vorschusslorbeeren in die Bundesliga wie Takashi Usami. Kaum ein Kicker aus Fernost ist so schnell so hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet wie der ehemalige Gamba-Osaka-Profi. Takashi Usami ein gutes Beispiel dafür, wie falsche Entscheidungen zum falschen Zeitpunkt der Karriere einen drastischen Knick verleihen können. Für die siebten Kolumne haben Kollege Francois Duchateau und ich die Situation von Usami beleuchtet. Von Bayern München über die TSG Hoffenheim bis hin zum Arbeitsamt.

戦力外の宇佐美貴史、明らかだった問題点 キャリア修正に求められること
ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト

ポテンシャルに疑いの余地はなかったが
日本人選手のドイツへの移籍は往々にして、長期的な視野に立ったものである。その中でも宇佐美貴史ほどに、移籍前の称賛が高かった日本人選手はいない。そして同時に、彼ほどに大きな落胆を味わった選手もいない。残念ながら若きアタッカーは、悪い時期に悪い決断を下すとどれほどキャリアを傷つけるものなのかという、典型的な例となってしまった。weiterlesen…

Takashi Usami – zur falschen Zeit am falschen Ort

Von David Nienhaus und Francois Duchateau

Takashi Usami von der TSG Hoffenheim ist Thema der 7. Kolumne bei SportsNavi Yahoo.jp
Takashi Usami von der TSG Hoffenheim ist Thema der 7. Kolumne bei SportsNavi Yahoo.jp

In Sinsheim sollte alles besser werden. Takashi Usami hatte sich 2011 mit seinem Wechsel zu Bayern München übernommen. Dabei gab es weniger Zweifel am Potenzial des 1,78-Mannes, sondern höchstens am Durchsetzungsvermögen. Eigentlich wollte ihn Coach  Jupp Heynckes als günstigen, Stand-In für Arjen Robben aufbauen, doch obwohl der beidfüßige Dribbler nach technisch vielversprechenden Auftritten während der Saisonvorbereitung hohen Kredit bei der FCB-Anhängerschaft genoss, vertraute “Don Jupp” dem Londonder Olympiateilnehmer lediglich während fünf Pflichtspielen (total 195 Einsatzminuten) – davon drei Einwechslungen. Über die volle Distanz stand Usami lediglich für Bayern II in der Regionalliga auf dem Platz.

Doch Usami ist nicht der erste Youngster, der an der Säbener Straße nicht zur Entfaltung kam. Man denke nur an Alexander Baumjohann oder gar Lukas Podolski. Und für Usami kam erschwerend hinzu, dass er sich als Teenager in einen neuen (Fußball)-Kulturkreis zu Recht finden musste –  von der J-League zu einem der besten Vereine der Welt, ohne die Sprache zu beherrschen, machte das Unterfangen nur noch schwieriger. Eben wegen genau dieser Umstände schwebte Usami selbst eigentlich eine Zwischenstation bei einem kleineren Bundesliga-Verein vor, doch vor allem sein privates Umfeld wollte den Junioren-Nationalspieler im roten Trikot des Rekordmeisters sehen und pochte auf einen Wechsel zum großen Klub von der Isar.

Ob man sagen kann, dass Usami schlecht beraten war? Nun, nicht wenige Kicker erliegen dem Glamour und den Gehaltsschecks der bayrischen Landeshauptstadt, aktuell selbst ein Nationalspieler Mario Götze nicht, der mit dem BVB die Chance auf den Gewinn der Champions League hat. Für Usamis sportliche Entwicklung wäre ein kleinerer Verein mit ruhigerem Umfeld sicherlich förderlicher gewesen, ein Verein, in dem der Youngster jede Woche spielen kann.

Nach einem Jahr korrigierte das Usami-Lager seinen Kurs und entschied sich für eine Leihe ins beschauliche Hoffenheim, dort wo alles zwei Nummern kleiner ausfällt als in München. Dank der Investitionen von SAP-Mogul Dietmar Hopp ist Hoffenheim zwar in der Lage, ambitioniert zu investieren, doch gleichzeitig auch dafür bekannt, auch mit jungen Spielern zu arbeiten. Auf Papier offenbar der ideale Klub für Usami. Doch wo Millionen liegen, schlummern Erwartungen. Werden diese nicht erfüllt, bricht schnell das Chaos aus.

War die TSG nach dem Bundesliga-Aufstieg im Dezember 2008 noch sensationeller Herbstmeister, so bestimmen Abstiegskampf und Abstiegsangst das Bild in dieser Saison beim Dorfklub (der Sinsheimer Ortsteil zählt etwa 3.000 Einwohner). In dieser Spielzeit hat Usami bereits mit vier Trainern (Markus Babbel, Frank Kramer, Marco Kurz, Markus Gisdol) und drei Managern (Ernst Tanner, Andreas Müller, Alexander Rosen) zusammengearbeitet. Der Hopp-Klub wollte mit den vielen Panikreaktionen dem Untergang entgegensteuern, doch in Wirklichkeit wirkten die vielen personellen Wechsel wie ein Brandbeschleuniger.

Bei der TSG Hoffenheim konnte sich Takashi Usami nicht durchsetzen. Foto: David Nienhaus
Bei der TSG Hoffenheim konnte sich Takashi Usami nicht durchsetzen. Foto: David Nienhaus

Der Saisonverlauf der TSG und von Takashi Usami weisen viele Parallelen auf: Nach vielen Startelfeinsätzen im Juli und August, ging es für den Japaner mit jedem Trainerwechsel bergab in der Hierarchie, so wie in der Tabelle für die TSG. Die Zitate über Usami von verschiedenen Trainern machen das Dilemma deutlich: „Ich habe seinen Werdegang verfolgt und bin fußballerisch voll von ihm überzeugt“, sah Markus Babbel zu Saisonbeginn noch das Potenzial des Offensivspielers, den er vor allem auf links einsetzte. „Der Junge ist gut, hat Spielintelligenz, ist ballsicher und dribbelstark. Kann vorne alles spielen.“ Allerdings bemängelte der Ex-Nationalspieler neben defensiven  Schwächen, vor allem im Umschaltspiel, die physischen Defizite beim Japaner, die ihm bereits in München im Weg standen. „Wenn er seine körperlichen Defizite aufholt, hilft er uns weiter. Aber Takashi macht nicht den fittesten Eindruck“, sagte er. „Das ist klar, weil er bei Bayern diese Belastung nicht hatte. Er spielte kaum, trainierte nicht so viel, da Bayern durch Champions League und so dauernd unterwegs war.“

Im Dezember wurde Babbel entlassen, der heutige Fürth-Coach Frank Kramer übernahm für kurze Zeit als Interimstrainer und in dieser Phase verzichtete er auf Usami und Kollegen Joselu wegen mangelnder Deutschkenntnisse. „Die Spieler müssen verstehen, was sie zu tun haben. Wir hatten aber nur drei Tage Zeit. Man hat im Training gesehen: Die beiden denken hinterher. Die anderen verstehen einfach schneller. Bei uns muss alles auf aggressive Laufwege abgestimmt sein, sonst läuft man ins Leere.“

Marco Kurz sollte Hoffenheim vor dem Abstieg bewahren. Der ehemalige Kaiserslautern-Coach sah zwar das Potenzial bei Usami, allerdings auch, dass er es nicht ausschöpfte. „Takashi hat seine Stärken im Dribbling, wenn er Haken schlagen und nach Innen ziehen und zum Abschluss mit seinem starken rechten Fuß kommen kann“, lobte Kurz, der immerhin sieben Mal auf Usami setzte.

Völlig überraschend zog der Hopp-Klub ein noch weiteres Mal die Reißleine in dieser Saison und Usami musste sich ein weiteres Mal an ein neues Spielsystem gewöhnen. Während der zwischenzeitliche Manager Andreas Müller (Ex-Schalke) eine Verpflichtung des ehemaligen Bayern-Spielers noch offen ließ, plant Taktik-Experte Markus Gisdol – Hoffenheims vierter Trainer in diesem Jahr – ohne Usami und die Kollegen Filip Malbasic, Afriyie Acquah und Luis Advincula. „Ich sehe keine realistische Chance, dass sie in den letzten vier Spielen noch zum Einsatz kommen.” Stattdessen beorderte der einstige Co-Trainer von Ralf Rangnick drei A-Jugendliche zu den Profis. Die jüngsten sportlichen Ergebnisse geben Gisdol Recht. Die Frist für Usamis Kaufoption (Ablöse: 2,7 Millionen Euro) ließ der Verein verstreichen.

Usami wollte sich gegenüber SportsNavi nicht zur aktuellen Situation äußern. Sein Berater sagte in einem Interview (( leider wollten weder Usami noch sein Berater Ludwig Kögl mit uns sprechen)), dass er „gerne in Europa und Deutschland bleiben möchte“ und „wahrscheinlich“ auch kommendes Jahr in der Deutschland kicken wird. Anfragen aus der Bundesliga sollen vorliegen. Es bleibt nur zu hoffen, dass Usami dann ein besseres Händchen bei der Wahl seines Vereins beweist. Er muss lernen, härter an sich und seinen Schwächen zu arbeiten und die richtige Einstellung an den Tag legen.  Usami weilt zwar noch nicht lange in Deutschland, aber dass bereits fünf Trainer (die immerselben) Makel vorfanden, spricht Bände.

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