DasSportWort goes Japan – Kolumne No.2: Mu Kanazaki

Mu Kanazaki vom 1. FC Nürnberg war seiner Ankuft in Deutschland und dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach ein gefragter Mann. Foto: David Nienhaus
Mu Kanazaki vom 1. FC Nürnberg war nach seiner Ankuft in Deutschland ein gefragter Mann. Foto nach dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach: David Nienhaus

Am Samstag feierte Mu Kanazaki seinen 24. Geburtstag. Nicht im Kreise seiner Freunde und Familie, sondern mit seinen neuen Mannschaftskollegen beim 1. FC Nürnberg. Seiner neuen Familie. Das größte Geschenk schnürte ihm das Trainerduo Michael Wiesinger und Armin Reutershahn, denn der Neuzugang aus Japan durfte einen Tag später sein Debüt auf der Bundesliga-Bühne feiern. Knapp eine halbe Stunde spielte Kanazakit gegen Hannover 96 und wusste zu gefallen. Um den Neu-Franken dreht sich auch unsere zweite Bundesliga-Kolumne auf dem größten japanischen Sportportal SportsNavi von Yahoo.com.jp, die Kollege Francois Duchateau und ich geschrieben haben. Dafür haben wir mit Club-Manager Martin Bader, Kanazakis Betreuer und Ex-Dortmunder Jumpei Yamamori und Mu Kanazaki (( E-Mail-Interview)) selbst gesprochen.  ニュルンベルクが金崎夢生に寄せる期待 清武弘嗣とのライバル関係が生む相乗効果

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Mu Kanazaki feiert Debüt und soll Nürnberg sofort helfen ­
Warum Nürnberg vielleicht nicht mehr auf anderen Kontinenten scoutet ­- auch der „Club“ sucht seinen eigenen Kagawa

David Nienhaus & Francois Duchateau

Die zweite Kolumne bei SportsNavi - Mu Kanazaki vom 1. FC Nürnberg
Die zweite Kolumne bei SportsNavi – Mu Kanazaki vom 1. FC Nürnberg

Obwohl der „Club“ zu den Traditionsvereinen der Bundesliga gehört, ist das Medieninteresse am 1. FC Nürnberg vergleichsweise bescheiden. Nürnberg ist nicht Borussia Dortmund und schon gar nicht der FC Bayern München. Aber Dinge ändern sich. Urplötzlich reisen TV­-Sender aus Fernost ins Frankenland und auch japanische Touristen kommen in die Lebkuchenstadt ­- nicht aber wegen des berühmten Christkindlmarktes. Mu Kanazaki und Hiroshi Kiyotake heißen die Magnete, das weiß auch FCN­-Sportvorstand Martin Bader. “Natürlich spüren wir ein erhöhtes Medieninteresse aus Japan. Bereits als wir Kiyotake verpflichtet haben, sind Kamerateams mitgeflogen. Nach Mu Kanazaki ist natürlich ein noch größeres Interesse da, aber wir haben nicht das Gefühl, dass halb Japan sich die Spiele des 1. FC Nürnberg anschaut”, sagte er im exklusiven Interview mit SportsNavi. Der Manager hofft, dass die Aufmerksamkeit „zunimmt, was bedeuten würde, dass beide einen herausragenden Job bei uns machen und Nürnberg noch ein paar Highlights in dieser Saison setzen konnte.”

„Haben ihn nicht geholt, um ihn langsam aufzubauen“

Nachdem die Süddeutschen bereits mit Kiyotake einen gutes Händchen hatten, soll mit Kanazaki nun die zweite Kirschblüte an der Pegnitz aufgehen. Dabei ist Kanazaki keine Knospe mehr, sondern schon aufgeblüht. Oft werden japanische Talente als Perspektivspieler geholt. In Mu sehen die Clubberer aber eine Soforthilfe. Bader: „Ich glaube, dass die Erwartungshaltung von uns an ihn genau dieselbe ist, die er an sich hat“, bestätigt der 45­-Jährige: „Er will so schnell wie möglich spielen.“ Man habe Kanazaki nicht geholt, um ihn langsam aufzubauen. „Er ist nicht 19 Jahre alt, sondern 24. Insofern haben wir uns gesagt: Er hat erste Liga in Japan, in Asien Champions League und für die Nationalmannschaft gespielt. Er hat den Anspruch und die Möglichkeiten, Bundesliga zu spielen und uns relativ schnell zu helfen.“

Am diesem Wochenende war es so weit. Nach drei Wochen in Deutschland hallten schon laute „Muuuuu“-Rufe durch das Frankenstadion und Kanazaki durfte einen Tag nach seinem 24. Geburtstag sein Debüt im Trikot des Bundesligisten feiern. Vor allem wegen guter Trainingseindrücke kam der Japaner in der 63. Spielminute für Mike Frantz in die Partie und führte sich gleich stark ein – kein Zeichen von Umstellungsproblemen, als er klug die Großchance seines Mannschaftskollegen Markus Feulner kreierte. Mit Kanazaki im Spiel erkämpfte sich Nürnberg ein 2:2-Unentschieden gegen Hannover 96 und der Neuzugang empfahl sich für weitere Einsätze. Die braucht er auch, um wieder für seine Nationalmannschaft nominiert zu werden.

Einen Nationalspieler ablösefrei zu bekommen, ist heutzutage eine Besonderheit, weiß auch Bader. Man habe Mu im letzten halben Jahr immer wieder beobachtet, berichtet Bader. „Nach dem zufriedenstellenden Kiyotake­-Transfer haben wir weiterhin den Kontakt nach Japan gehalten und immer wieder Spiele von Nagoya, Gamba und Cerezo angesehen.“ Allerdings sei es in Japan nicht unüblich, dass Spieler einen auslaufenden Vertrag trotzdem noch einmal verlängern, „weil eine sehr hohe Loyalität und Solidarität zu den Vereinen besteht.“ Somit müsste man tief in die Tasche greifen. Bei Kanazaki haben die Nürnberger gesagt: „Wenn er nicht verlängert, kann es für uns eine interessante Konstellation sein.“ Das habe den Unterschied im Vergleich zu anderen Kandidaten gemacht. „In teuren Kategorien werden wir uns nicht bewegen“, sagt Bader. „Es gibt mit Sicherheit Spieler, die einen Marktwert haben, der sehr hoch ist“, aber das müsse man von Fall zu Fall beurteilen.

Wiedersehen mit Freund und Konkurrent Kiyotake

Beim Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Borussia Mönchengladbach kam ein Einsatz für Mu Kanazaki noch zu früh. Foto: David Nienhaus
Beim Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Borussia Mönchengladbach kam ein Einsatz für Mu Kanazaki noch zu früh. Foto: David Nienhaus

Auch der Schritt von Nagoya Grampus nach Europa war bewusst gewählt vom Mittelfeldspieler. „Ich habe Herrn Bader und dem Trainer gesagt, dass ich meine Karriere in Europa fortsetzen möchte“, berichtet Mu Kanazaki gegenüber SportsNavi. „Nürnbergs Absicht, sich in der Tabelle weiter nach oben zu entwickeln, um die Europa League zu erreichen, hat mich sehr fasziniert.“ Auch die Begeisterung der Anhänger sei ein Grund für ihn gewesen, beim 1. FC Nürnberg zu unterschreiben. Dass mit „Kiyo“ bereits ein alter Bekannter und Freund beim Club unter Vertrag steht, mit dem er jahrelang bei Oita Trinita zusammengespielt hat, spielte überraschenderweise keine große Rolle bei Mus Wechsel: „Ich hatte nicht die Möglichkeit, ihn zu sprechen, nachdem ich das Angebot aus Nürnberg erhalten hatte.“ Er habe sich nicht wegen Kiyotake für einen Wechsel entschieden. Aber es sei gut, „dass er da ist“, das gebe ihm Sicherheit. „Wir sind beste Freunde seit der Zeit, in der wir für Oita Trinita gespielt haben ­- sowohl auf, als auch neben dem Platz.“ Die ersten Schritte in Deutschland werden dem Neuling damit wesentlich einfacher fallen.

Aber: Kiyotake und Kanazaki sind beide Offensivspieler. Und damit Konkurrenten. Aus ihrer gemeinsamen Zeit in Japan wissen sie, wie es ist, Freunde zu sein und gleichzeitig um den Platz auf dem Platz zu kämpfen. Für Martin Bader ist das alles andere als ein Problem: „Wir haben den Eindruck, dass ‘Kiyo’ richtig aufblüht, seitdem Mu hier ist.“ Die japanische Doppelbesetzung bereite ihm keine Sorgen. „Ja, sie können beide in der Offensive spielen, aber sie spielen doch unterschiedliche Positionen.“ Grundsätzlich würde gesunder Konkurrenzkampf doch keinem schaden. Diesen schürt Nürnberg ohne Risiko. Der Honorarspiegel der J­-League liegt immer noch deutlich unter dem der höchsten Spielklasse in Deutschland. Der sechsfache Nationalspieler hatte seinen Vertrag nicht verlängert. Eine Ablöse wurde somit nicht fällig.

Nach den jüngsten Erfahrungen ist damit zu rechnen, dass sich der Club generell mehr in Richtung Fernost orientieren wird. Es sei für Nürnberg “spannender, Spieler aus Asien zu scouten und zu verpflichten, anstatt aus Afrika oder Südamerika“, sagt Bader. „Diese außergewöhnliche Fußballerqualität werden wir dort nicht bekommen, die im Verhältnis mit den Integrationsschwierigkeiten steht, die es nachweislich gibt.“ Sprache sei mit Sicherheit ein wichtiger Punkt, „aber Integrationsfähigkeit ist noch viel wichtiger.“ Die Spieler müssen hier vor Ort versuchen, sich mit den deutschen Gebräuchen und der Kultur auseinanderzusetzen. Pünktlichkeit, Ordentlichkeit, Respekt, alles Grundwerte, die für Deutsche selbstverständlich sind, „bringen Asiaten von Haus aus mit.“

Bereits auf Kanazakis erster Pressekonferenz wurde sichtbar ­- oder besser hörbar, was Bader damit meint. Mu begann seine Vorstellung auf Deutsch. „Ich denke, das ist typisch für die japanische Mentalität: Sie sind unheimlich schnell, sehr integrierfreudig und offen für neue Sachen.“ Er habe sich wahrscheinlich so sehr auf die Sache gefreut, „dass er sich am Abend vorher mit seinem Dolmetscher eine Stunde zusammengesetzt und die Sätze auswendig gelernt hat.“ Das bestätigt Mus neuer Schattenmann und Dolmetscher Jumpei Yamamori, der in der Bundesliga kein Unbekannter ist. Der Spieler habe die Absicht, sich auf etwas Neues einzulassen. Er „hat das Ziel, Deutsch zu lernen und sich über die Sprache zu integrieren“, so Yamamori im exklusiven Interview mit SportsNavi.

Kagawa-Betreuer Jumpei Yamamori steht Mu zur Seite

Yamamori ist mehr als bloß ein Dolmetscher. Der ehemalige Übersetzer von Borussia Dortmunds Ex-Star Shinji Kagawa hilft sowohl Kanazaki als auch Kiyotake dabei, in Europa Fuß zu fassen. Die Integration von Kagawa, der mittlerweile in der Premier League bei Manchester United spielt, lief beim zweimaligen Meister so erfolgreich, dass auch Bader fasziniert war: „Wir wussten, sobald wir einen japanischen Spieler verpflichten, brauchen wir Unterstützung. Wenn wir einen Spieler mit Qualität holen, dann muss er sich wohlfühlen, um zu funktionieren.“ Sonst könne er seine Leistungen nicht abrufen und der Verein würde fahrlässig Geld verbrennen. Kiyotake wird vom gleichen Berater wie Kagawa betreut, so sei der Kontakt zustande gekommen. Und auch beim Coach des BVB habe man sich erkundigt: „Wir haben uns mit Jürgen Klopp unterhalten, der uns zu Jumpei geraten hat.“ Der Dolmetscher sei „zu einem festen Teil des Dortmunder Funktionsteams geworden“, und das habe „hervorragend gepasst.“ Yamamori freut sich über diesen Tipp: „Es war eine Weiterempfehlung, über die ich sehr froh und dankbar bin. Das zeigt, dass man mit meiner Arbeit in Dortmund zufrieden war.“

Jumpei Yamamori betreut Mu Kanazaki und Hiroshi Kiyotake vom 1. FC Nürnberg. Foto: David Nienhaus
Jumpei Yamamori betreut Mu Kanazaki und Hiroshi Kiyotake vom 1. FC Nürnberg. Foto: David Nienhaus

Der kleine Dolmetscher war Kagawas Schattenmann und immer an der Seite des japanischen Nationalspielers. Für Yamamori ein spannender Job: „Ich musste meine Arbeit erst selbst erfinden“, erklärt Jumpei: „Es gab ja in dieser Richtung kein Präzedenzfall. Einen Fußballdolmetscher in dieser Konstellation gab es nicht. Ich habe mir überlegt, wie ich dem Job gerecht werden kann.“ Der Dolmetscher wurde in Dortmund bekannt, als das rasende Verbindungsstück zwischen Meistertrainer Jürgen Klopp und einem seiner wichtigsten Spieler. Mit bahnbrechendem Erfolg. Kagawa war Leistungsträger beim BVB und Yamamori Teil der Mannschaft – mit Trainingsanzug und allem, was dazugehört. „Auch in Nürnberg bin ich Teil des Teams und immer mit dabei. Da gibt es keinen Unterschied im Vergleich zu der BVB­-Zeit“, so Yamamori. Er sei Berater, Übersetzer und derjenige, der den Japanern beim Club auch bei alltäglichen Dingen zur Seite steht.

„Nicht jeder Verein braucht zwei oder drei Japaner, um guten Fußball zu spielen“
Ob Jumpei bald weitere Spieler aus Fernost beim Club betreuen muss, steht noch nicht fest. Weiterführende Kooperationen mit japanischen Clubs sind “primär erst einmal nicht angedacht”, blickt Bader in die nahe Zukunft. „Wir wollen uns nicht auf einen Verein festlegen.“ Man habe sehr gute Beziehungen zu Cerezo. Auch die Abwicklung mit Nagoya sei hochprofessionell gewesen. Aber „Südkorea ist ebenfalls ein interessanter Markt.

Und das Japan längst kein Geheimtipp mehr ist, dessen ist sich auch Bader bewusst. Der Manager drückt auf die Bremse: „Wir müssen aufpassen, dass nicht jeder Japaner gleich als Bundesligaspieler betrachtet wird.“ Die Bundesliga habe das Glück, japanische Nationalspieler, also die besten ihres Landes, bekommen zu können. „Der Fundus ist irgendwann aber auch ausgeschöpft.“ Aktuell merke man, dass in Japan eine Entwicklung stattgefunden hat und „sie sehen, dass sie mit ihrer guten, soliden Arbeit in der Jugend, in den Vereinen, in den Ligen, immer wieder neue Talente herausbringen, die für den europäischen Markt interessant sind.“ Man könne aber nicht davon ausgehen, „dass jetzt jeder Verein zwei oder drei Japaner braucht, um guten Fußball zu spielen.“ Die Ausbildung hierzulande sei genauso gut. „Allerdings kann es sein, dass man sich einen deutschen Spieler nicht leisten kann, einen Japaner von vergleichbarer Klasse hingegen schon.“

Nürnberg hat zwei Japaner in ihren Reihen und beide werden dem Club noch weiterhelfen. Kiyotake steht schon im Rampenlicht, ist der offizielle Repräsentant für die Bundesliga in Japan, Kanazaki wird nach seinem soliden Debüt auch schon bald im Fokus stehen.

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