DasSportWort goes Japan – Kolumnen-Premiere mit Fortunas Genki Omae

Die erste Kolume bei Yahoo SportsNavi über Fortuna Düsseldorfs Genki Omae.
Die erste Kolume bei Yahoo SportsNavi über Fortuna Düsseldorfs Genki Omae.

Nur knapp 14 Tage liegen zwischen der Idee und der Umsetzung für die erste Bundesliga-Kolumne auf dem größten japanischen Sportportal SportsNavi von Yahoo.com.jp. Am Dienstag nach dem 20. Spieltag der höchsten Spielklasse Deutschlands erschien das Premierenwerk von Kollege Francois Duchateau und mir. Wir haben Fortuna Düsseldorfs neuen Japaner Genki Omae vorgestellt: Wie ist er angekommen, was erwartete Sportdirektor Wolf Werner vom kleinen Mittelfeldspieler und wie sind seine Chancen in dieser Saison. フォルトゥナで期待される大前の役割 クラブSDが語った日本人選手の魅力 ダビド・ニーンハウス & フランソワ・デュシャト. So sieht meine Kurz-Bio auf japanisch aus:
ダビド・ニーンハウス/David 1978年生まれ。20年以上にわたり、ルール地方のサッカークラブに焦点を当て、ブンデスリーガの取材を続ける。09年からは「WAZ」紙のサイト(http://www.derwesten.de/)で記者を務める。ツイッターアカウントは@ruhrpoet。自身のサイトはwww.dassportwort.de。

Die erste Kolume bei SportsNavi handelt von Genki Omae und Fortuna Düsseldorf.

Hier geht es zur Kolumne bei SportsNavi.

Flügelflitzer Omae soll in Düsseldorf Fortuna und Landsleute begeistern
Nirgendwo in Deutschland leben mehr Japaner als in Düsseldorf, dennoch hat die Fortuna erst seit Januar wieder einen Kicker aus dem Land der aufgehenden Sonne im Kader. Zwei unspektakuläre Kurzeinsätze gegen den FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach stehen bei Genki Omae bisher zu Buche, der im Winter von Shimizu S-Pulse an den Rhein gewechselt ist. Manager Wolf Werner erklärt, welche Pläne er mit dem Neuzugang hat.

Wie schnell sich Genki Omae in die Stammelf der Fortunen spielen kann, wollten vor allen die zahlreichen japanischen Fans sehen, die am Samstag gegen den VfB Stuttgart in die Esprit-Arena kamen, um das zweite Heimspiel Omaes zu erleben. Doch sie wurden enttäuscht: Erstmals seit seinem Wechsel nach Deutschland wurde der 23-Jährige während einer Bundesliga-Partie nicht eingesetzt.

Zur Begegnung mit den beiden Nationalspielern Gotoku Sakai (stand in der Startelf) und Shinji Okazaki kam es für Omae also nur in den Katakomben der Esprit-Arena, nicht auf dem Rasen. Vor allem die Entwicklung seines Kumpels Okazaki, mit dem er drei Jahre lang gemeinsam bei Shimizu S-Pulse gekickt hat und per SMS Kontakt hält, dürfte Ansporn für das neue Talent am Rhein sein. Der heute 26-Jährige, der von  der Agentur des Kagawa-Beraters Thomas Kroth vertreten wird, wechselte vor zwei Jahren schließlich ebenfalls in der Winterpause nach Deutschland und feierte nach kurzer Eingewöhnungsphase seinen Durchbruch im Fußball-Oberhaus. Noch heute gehört Okazaki regelmäßig zum Stammrepertroire im offensiven Mittelfeld der Schwaben, auch wenn er am Wochenende erst nach 71 Minuten eingewechselt wurde.

Nur als Zuschauer verfolgte Genki Omae am Samstag von der Reservebank aus den 3:1-Heimsieg gegen den VfB, doch Wolf Werner, Manager des Aufsteigers, macht dem Rechtsfuß im Interview mit SportsNavi Mut: „Er hat großen Zuspruch von seinen Landsleuten in Düsseldorf.” Über 8.000 Japaner leben alleine in der Metropole am Rhein. “Wir bemerken natürlich mehr Anfragen von japanischen Journalisten. Beim Spiel in Mönchengladbach waren etliche Reporter angereist.” Zur Heimpremiere Omaes kamen insgesamt acht Journalisten und zwei Kamerateams, am Wochenende waren es wieder zehn Reporter, die nach dem Match auf ihn warteten.

„Alle haben Japaner, nur Fortuna nicht“

Die Japaner in der Mixedzone und die auf dem Platz sind in der Bundesliga schon lange keine  Exoten mehr. Aktuell schnüren zehn Profis aus dem Land der aufgehenden Sonne in der höchsten deutschen Spielklasse ihre Schuhe, zwei laufen zudem in der Zweiten Liga auf. In der Stadt, in der die meisten Japaner der Bundesrepublik leben, suchte Japaner bisher vergebens nach einem ihrer Landsmänner im Trikot des Traditionsvereins. „Natürlich empfehlen uns immer wieder Berater irgendwelche Spieler“, berichtet Werner. „Dann heißt es, ‚alle haben Japaner, nur Fortuna nicht’. Aber wir müssen finanziell so aufgestellt sein, dass wir die hohen Summen stemmen können.” In der Zweiten Liga sei das nicht machbar gewesen.

Jetzt spielt die Fortuna wieder in der Belle Etage, der Weg dahin war aber sogar nach dem sportlichen Aufstieg noch mühsam. Lange musste der 1895 gegründete Klub zittern, ob er wieder dem Oberhaus angehört. Nach einem Platzsturm im Relegationsrückspiel gegen Hertha BSC wurde am grünen Tisch der Aufstieg der Mannschaft von Norbert Meier verhandelt. Das Happy End erfreut auch die fußballverrückte japanische Gemeinschaft in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt, auch wenn es bis Januar 2013 gedauert hat, bis Fortuna den vierten Japaner seiner Geschichte unter Vertrag genommen hat. Zuvor trugen bereits Kōzō Yūki (2009-2010), Sanshiro Matsumoto (2003-2005) und Ken Asaeda (2007-2008) das Trikot des deutschen Meisters von 1933 – allerdings nie in der höchsten Spielklasse Deutschlands.

Omae und seine Vorgänger prägen das Stadtbild und ganze Viertel. Wer sich per Smartphone durchs Düsseldorfer Zentrum navigiert, stolpert automatisch über eine Gegend namens „Little Tokyo“, in der sich das fernöstliche Leben der City konzentriert. Japanische Geschäfte, Banken, Agenturen, Ärzte, sogar buddhistische Gebetshäuser bereichern die Szenerie. In Schulen wird teilweise Japanisch unterrichtet – auch als Abiturfach. Aspekte, die Genki Omae schon vor Jahren im Trainingslager mit einer japanischen Hochschulauswahl kennengelernt hat. Und die auch seiner 28-jährigen Frau helfen werden, sich in der neuen Heimat einzuleben. Erst im Dezember hat der dritte Sohn das Licht der Welt erblickt (der älteste ist bereits zehn Jahre alt). „Wahrscheinlich kommt meine Familie im Juni, vorher ist der Junge einfach noch zu klein“, sagte der Profi mit den rotgefärbten Haaren im Trainingslager seines neuen Teams im spanischen Marbella.

„Little Tokyo“ am Rhein

Wenn alles gut läuft, ist Omae vielleicht nicht der letzte sportliche Export aus Japan nach Düsseldorf. Über sein eigenes Japan-­Desk unter der Leitung von Gengo Seta hat der Pokalsieger von 1979 und 1980 den offensiven Mittelfeldmann gescoutet. Fortuna plant seit längerem, dauerhaft eine Brücke nach Asien zu schlagen:  Der Manager vom FC Tokio war bereits zwei Mal Wolf Werners Gast und hat mit seinem deutschen Kollegen intensive Gespräche geführt. Nicht nur über Spieler, sondern auch über eine mögliche Kooperation. “Wir schon länger, dass die Japaner richtig gut Fußball spielen können”, erklärt der 70-Jährige die Pläne.

Auch deshalb wurde der Blick auf den Pazifikinselstaat intensiviert. „Wir hatten zuletzt vier Spieler im Visier, die uns interessiert haben.” Mark Ulshöfer, der Chefscout der Rheinländer, ist nach Japan geflogen und hat nach dem Besuch von fünf Begegnungen in zehn Tagen eine Vorauswahl getroffen, “wer für uns interessant ist.” Die Entscheidung ist letztlich auf Genki Omae gefallen. Zuvor hatten die Düsseldorfer den Juniorennationalspieler Ken Matsubara (Oita Trinita) auf Herz und Nieren überprüft – und wieder nach Hause geschickt. “Technisch gut ausgebildet” sei der Youngster, aber “keine ernsthafte Konkurrenz für unsere Jungs”, urteilte Norbert Meier nach fünf Trainingstagen.

Für den Deal mit Omae hingegen sprachen nicht nur die Qualität. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen passten: „Spieler, die noch unter Vertrag stehen, oder gerade ihren Vertrag verlängert haben, sind mit einem Schlag wesentlich teurer”, mahnt Werner. Bei Genki Omae lief der Kontrakt im Januar aus, deshalb konnte die Fortuna zuschlagen: “Wir mussten keine Transfersumme in diesem Sinne bezahlen”, sondern wohl lediglich eine Ausbildungsentschädigung.

„Letztendlich entscheidet man sich für Qualität, da spielen Sprachbarrieren eine untergeordnete Rolle.“

Sicherlich ein überschaubares finanzielles Wagnis für die Düsseldorfer. Auch eine große Integrationsbarriere sieht Werner nicht als Risiko, so sprechen die meisten Japaner etwas Englisch, so dass man sich irgendwie verständigen kann. Natürlich sei die neue Sprache schon “schwer für den Jungen. Aber das gleiche Problem haben auch Afrikaner oder Spieler aus Südamerika.” Ein Europäer zu verpflichten sei immer einfacher, so Werner: “Aber letztendlich entscheidet man sich für Qualität und für ein Leistungspotenzial, was in einem Fußballer steckt. Da spielen Sprachbarrieren eine untergeordnete Rolle.” Eine Meinung, die nicht jeder Manager vertritt. Omae jedenfalls hat bereits angekündigt, sich nicht ausschließlich in der japanischen Community der Stadt einigeln zu wollen. „Ich möchte möglichst schnell Deutsch lernen und da wäre es hinderlich, wenn ich mich nur mit Japanern träfe.“

Hinderlich soll Omaes geringe Körperlänge nicht werden. Trotz seiner “nur” 166 Zentimeter will der Offensivspieler hoch hinaus. „Ich weiß zwar, dass ich der kleinste Spieler der Liga sein werde, aber das ist mir egal. Ich habe immer viel europäischen Fußball im Fernsehen gesehen und davon geträumt, dort zu spielen.“

Diesen Traum lebt Omae. Und auch Fortunas Finanzboss Paul Jäger ist begeistert vom Transfer des Flügelflitzers: „In Düsseldorf leben tausende Japaner, hier sitzen viele japanische Firmen. Da war es wichtig, auch einen japanischen Spieler zu holen.” Doch Wolf Werner drückt auf die Euphoriebremse: „Im Bereich Sponsoring haben wir noch keine Auswirkungen gespürt.” Hitachi sei auch schon vor Genki Omae Sponsor bei der Fortuna gewesen. Und ein Marketing-Gag sei dieser Transfer selbstverständlich nicht.

Nicht jeder Japan-Transfer endet wie das Kagawa-Märchen

Auch in Düsseldorf weiß man, dass nicht jeder Japaner wie ein Shinji Kagawa einschlägt. „Das war wie ein Märchen. Borussia Dortmund verpflichtet einen Spieler für 300.000 Euro und verkauft ihn für 16 Millionen. Das liest sich schön, ist aber ein Einzelfall“, lacht Werner. Und nun habe Kagawa in England große Probleme. In Düsseldorf habe man keine Sehnsucht nach einem zweiten Kagawa- Und vor allem habe man keine Eile. Man wolle Genki behutsam aufbauen. „Er ist tadellos von den Mitspielern aufgenommen worden. Jetzt muss er sich an das sportliche Niveau in Deutschland herantasten.” Er müsse sich an das Tempo der Bundesliga gewöhnen und lernen, “dass man als Offensivspieler auch nach hinten arbeiten muss.” Er sei äußerst talentiert und habe sehr gute Anlagen, aber man “hat im Spiel in Mönchengladbach gesehen, dass ihm das moderne Umschaltspiel gedanklich noch Schwierigkeiten bereitet.” Das müsse er im Training verinnerlichen.

Obwohl der prall gefüllte Fortuna-Kader 32 Spieler beherbergt, darf sich Genki Omae berechtigte Hoffnungen machen, mittelfristig um einen Stammplatz mitreden zu können. Der hohe Konkurrenzkampf im Kader geht nämlich zu Lasten der Konstanz. Obwohl Düsseldorf diese Saison bereits 26 Spieler verpflichtet hat, davon fünf diesen Winter, mangelt es an Spezialisten auf den Außenbahnen. Zuletzt agierte im rechten offensiven Mittelfeld Stefan Reisinger. Dieser erledigte seine Aufgabe zwar zufriedenstellend, doch ist eher auf der Stürmerposition zuhause. Ken Ilsø kommt lieber aus dem Zentrum, Andrij Voronin ist nur noch bis zum Sommer ausgeliehen, Oliver Fink, Andreas Lambertz und Alex Bellinghausen sind defensiver ausgerichtet. Robbie Kruse, der am Wochenende mit seinem Doppelpack zum Matchwinner avancierte, hat die Saison zwar auf dem Flügel begonnen, wird aber seit November auch in der Mitte aufgestellt. Von Omae erhofft sich die Fortuna Schnelligkeit, die fehlt nämlich im Mittelfeld und das, obwohl Trainer Norbert Meier primär auf Konter spielt.

„Genki Omae muss seine Hausaufgaben machen, um ins Team zu kommen.“

Die Last, die entscheidenden Punkte für den Klassenverbleib zu sammeln, ruhen nicht nur auf den schmalen Schultern des Japaners: „Es wäre vermessen, wenn man jetzt sagen würden, Omae habe in 14 Tagen den absoluten Stammplatz erobert”, sagt Werner. Er müsse herangeführt werden, deshalb haben man ihn schon im Winter verpflichtet. Er soll sich langsam an die Mannschaft tasten, “um uns in der Endphase der Saison entscheidend zu helfen.” Genki sei sicherlich auch ein Vorgriff auf die nächste Saison, eine perspektivisch Verpflichtung. Die Rheinländer haben die Hoffnung, dass sich die Qualität Omaes schon früher durchsetzen wird, und “er es früher schaffen kann.” Ein Muss sei das nicht. “Wir haben mit unserem Kader in der Hinrunde 21 Punkte geholt”, das zeuge von Qualität, “die es dem Neuzugang nicht einfach macht. “

In drei Wochen spielt Omae mit seiner Fortuna auf Schalke, wo er auf Atsuto Uchida trifft. Vielleicht sind bis dahin schon weitere Bundesliga-Minuten auf das Konto des Düsseldorf-Japaners gekommen. (Von David Nienhaus und Francois Duchateau)

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