Wenn sich Redakteure ins eigene Fleisch schneiden

Artikel im Kicker über Social Media und Mats Hummels.
Artikel im Kicker über Social Media und Mats Hummels.

Auch wenn ich im Sport1-Doppelpass dafür drei Euro abdrücken müsste: Beiße nie in die Hand, die dich füttert. Das war der erste Gedanke zu dem Artikel, den ich heute im Fußball-Fachmagazin „kicker“ gelesen habe (( am Erscheinungstag des kickers hatte ich frei)). Dort beschreibt der Text mit der Überschrift „Vorsicht Falle“ (( der wunderbar die Logos der Social-Media-Plattformen facebook und Twitter integriert)), das Problem der Profi-Klubs mit den Social-Media-Aktivitäten der eigenen Spieler. Der Artikel hängt sich auf an einem Facebook-Eintrag von Mats Hummels, Nationalspieler und Deutscher Meister mit Borussia Dortmund. Der teilte seinen Facebook-Fans mit, dass er die Schwalbe von Igor de Camargo im Pokal-Viertelfinale der Gladbacher Borussia gegen Hertha BSC „peinlich und beschämend“ fand. Jetzt argumentieren viele Print-Redakteure, dass sich Hummels als Vorbild und Führungsspieler des deutschen Meisters nicht unbedingt so oder überhaupt dazu äußern müsste. Es sei „ein Szenario, wie es sich kein Bundesliga-Klub wünscht“, da die Presseabteilungen der Vereine fleißig daran arbeiten, „dass ihre Spieler in der Öffentlichkeit keinerlei Angriffsfläche bieten.“ In einem Kommentar einer großen regionalen Zeitung wurde Hummels zum „ungerechten Richter“ gemacht.

Ich finde, wir als Journalisten und Redakteure können froh sein, über die Spieler, die uns via Facebook und Twitter noch ungefilterten Input geben. Weder in der Mixedzone nach den Spielen, noch in Interviews mit den Profis ist es heutzutage noch möglich, wirkliche Meinung zu generieren. Kollege Philipp Seeldorf hat das im „Journalisten“ hervorragend zusammengefasst.

Natürlich müssen die Social-Media-Aktivitäten auch im Rahmen bleiben und verantwortungsvoll genutzt werden. Aber die eigene Gedanken, die an allen Fußball-Stammtischen dieser Welt diskutiert werden, sollten schon noch erlaubt sein. Denn das Worst-Case-Szenario wäre doch, wenn demnächst auf den Facebook- und Twitteraccounts nur noch „von Spiel zu Spiel denken“, „der nächste Gegner ist immer der schwerste“ oder „Man darf den Gegner nie unterschätzen. Kleine Mannschaften gibt es nicht mehr!“ zu lesen wäre.

Um das klarzustellen: Das soll hier keine Kollegenschelte sein. Nur ein Denkanstoß. Also: Zwitschert weiter, ihr Fußballer da draußen!

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5 Gedanken zu „Wenn sich Redakteure ins eigene Fleisch schneiden“

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  2. Danke, genauso ist es! Du glaubst gar nicht, welche Wonne es ist, ein noch nicht tausend Mal weichgespültes Interview aus dem Jahre 1992 mit Stefan Effenberg im oben genannten Fachmagazin zu lesen (Frage: Warum verlassen Sie München? Antwort: Weil der Garten zu klein ist!) Das gibt es heute – wenn überhaupt – nur noch in den sozialen Medien.

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